Durchsuchungen:Mehr als 100 Festnahmen bei bundesweiter Razzia im Rotlichtmillieu

  • Bei der Razzia in zwölf Bundesländern gegen organisierte Kriminalität geht es um Zwangsprostitution von Frauen, darunter auch Transfrauen, überwiegend aus Thailand.
  • Die Bundespolizei ist mit mehr als 1500 Beamten im Einsatz.
  • Sie durchsuchen insgesamt 63 Bordelle und Wohnungen und vollstreckten mehrere Haftbefehle.

Die Bundespolizei ist mit einer groß angelegten Razzia bundesweit gegen organisierte Kriminalität vorgegangen und hat mehr als 100 Personen aus dem Rotlichtmillieu vorläufig festgenommen. Im Fokus steht eine Bande, deren Kern aus 15 bis 20 Menschen deutscher und thailändischer Nationalität bestehen soll. Sieben Haftbefehle wurden vollstreckt. Es handele sich um die größte Zugriffs- und Durchsuchungsmaßnahme seit Bestehen der Bundespolizei, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Koblenz, die den Einsatz leitet. Bundesweit seien mehr als 1500 Beamte im Einsatz.

Nach Angaben der Bundespolizei geht es bei der Razzia in zwölf Bundesländern um Menschenhandel, Zwangsprostitution und Ausbeutung. Es werden mehr als 60 Bordelle und Wohnungen durchsucht, sagte der Bundespolizeisprecher. Außerdem würden mehrere Haftbefehle vollstreckt. Das Verfahren liege bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Schwerpunkt der Aktion sei Nordrhein-Westfalen.

Seit April 2017 wurde den Angaben des Sprechers zufolge verdeckt ermittelt. Es gehe um ein Netzwerk des organisierten Verbrechens, das im Verdacht steht, banden- und gewerbsmäßig Frauen, darunter auch Transfrauen, überwiegend aus Thailand eingeschleust und zur Prostitution gezwungen zu haben. Viele der festgenommenen Personen wurden in den durchsuchten Bordellen und Massagesalons angetroffen. In zahlreichen Fällen bestehe zumindest der Verdacht des illegalen Aufenthaltes.

Die Prostituierten sollen von Bordell zu Bordell gereicht worden sein. Wie alt sie sind, wollte eine Sprecherin der Bundespolizei in Stuttgart zunächst nicht sagen. Für erschlichene Visa sollen sie zwischen 16 000 und 30 000 Euro gezahlt haben. Diese Schulden hätten sie dann mit Prostitution abarbeiten müssen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Verdächtigen damit Einnahmen in siebenstelliger Höhe erzielten.

In Siegen kam auch die GSG 9 zum Einsatz. Hier leben die Hauptverdächtigen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mitteilte: eine 59-Jährige aus Thailand und ihr 62 Jahre alter deutscher Lebensgefährte. Ihnen wird vorgeworfen, mit Zwangsprostitution einen siebenstelligen Betrag eingenommen zu haben. Bei dem Zugriff in Siegen habe es keine Zwischenfälle gegeben.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die Polizeiaktion als beispiellosen Schlag gegen "ein bundesweit verzweigtes Netzwerk" bezeichnet. Viele Hunderte Frauen und Männer seien der "menschenverachtenden grenzenlosen Profitgier von Schleusern über Jahre und Landesgrenzen hinweg" ausgeliefert gewesen, sagte Seehofer. Diesem skrupellosen Vorgehen und der sexuellen Ausbeutung in einem abscheulichen Ausmaß habe heute ein Ende gesetzt werden können.

© SZ.de/dpa/bepe/lot/dit
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