Buch von Bettina Wulff:"Warum machst du das hier?"

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Bettina Wulff äußert sich auch über ihre eigene Rolle, und das ziemlich deutlich: "Ich habe mich in bestimmte Situationen regelrecht hineinpressen und mir diktieren lassen, wie man sich verhält." Beispielsweise beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten im vergangenen Januar, da sei ihre "Gefühlswelt quasi Amok" gelaufen und sie habe sich gefragt: "Warum machst du das hier? Warum bist du nicht bei deinen Söhnen, wo du eigentlich gerne sein würdest?"

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"Ich sollte alles mittragen, mit ertragen, alles mit erleiden, aber letztlich, wo es nun zu Ende war, blieb mir nur die Besetzung als stumme Statistin": Nach dem Rücktritt ihres Mannes vom Amt des Bundespräsidenten will Bettina Wulff nun in den Vordergrund treten.

(Foto: dpa)

Als Christian Wulff ihr am 17. Februar "ein zweites Mal" seine Abschiedsrede vorgelesen habe, die er gleich halten werde, habe sie "eine innere Leere" gespürt. "Ich wollte das alles nur möglichst schnell über die Bühne bringen und dies mit größtmöglicher Fassung, stark und aufrecht." Sie habe der Gedanke genervt, dass sie sich "vor die Masse der Journalisten stellten musste, die zu wenig unterschied zwischen mir und meinem Mann". Natürlich seien sie ein Team gewesen. "Aber deswegen wollte ich mich nicht selbstverständlich als untrennbares Doppelpack über einen Kamm scheren lassen. (. . .) Ich sollte alles mittragen, mit ertragen, alles mit erleiden, aber letztlich, wo es nun zu Ende war, blieb mir nur die Besetzung als stumme Statistin." Das ist nicht der Tonfall einer Dulderin.

Die Medien? Meute, Verfolger, Belagerer, oft Leute, die nicht durchblicken und sich nicht "nur einmal ansatzweise Gedanken gemacht haben, welche Auswirkungen die gesamten Anschuldigungen auf ein Familienleben haben".

Schließlich bietet Bettina Wulff auch einen - unverlangten - Blick ins Innenleben ihrer Ehe und der Familie. "Nach dem Rücktritt hatte ich irgendwann endlich auch die Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, was zwischen uns beiden, zwischen Christian und mir, alles unausgesprochen wie selbstverständlich mitgelaufen ist." Sie habe ihm gesagt: "Jahrelang hat die Uhr nach deinem Takt geschlagen." Jetzt sei es "doch eine Selbstverständlichkeit", dass er in der Ehe mehr Präsenz zeige "und auch wir anderen in den Vordergrund rücken". Es sei eine Chance, die sich ihm biete, und er nehme sie "großartig" an. Er kümmere sich mehr um die Kinder und sei ein "besserer und vor allem bewussterer Vater" geworden.

Der letzte Satz des Buches ist kompliziert formuliert, lässt sich aber knapp zusammenfassen: Ihr Leben ist ihr Leben.

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