Brandenburg Alwines Käufer will die Siedlung doch nicht haben

Die Siedlung Alwine wurde für 140 000 Euro versteigert. Der Käufer will nun von seinem Erwerb zurücktreten.

(Foto: dpa)
  • Im vergangenen Herbst schaffte es eine kleine brandenburgische Siedlung weltweit in die Schlagzeilen: Alwine stand zur Auktion - als "ganzes Dorf".
  • Die Siedlung liegt zwischen Leipzig und Cottbus, gehört zur Gemeinde Uebigau-Wahrenbrück und hat ein Dutzend heruntergekommene Häuser mit 15 Bewohnern.
  • Die Bewohner hofften auf einen Käufer, der dringend benötigte Renovierungen durchführen lässt. Nun will der einzige Bieter aber von seinem Kauf zurücktreten.
Von Max Sprick

Auf frischen Wind hatten sie in Alwine gehofft, stattdessen kam der Sturm der Zerstörung. Orkan Friederike fegte vor knapp zwei Wochen auch über die Splittersiedlung im brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster hinweg, beschädigte die ohnehin schon verwitterten Häuser noch weiter. Bei zweien regnet es nun durchs Dach.

Alwine war vergangenen November weltweit in die Schlagzeilen geraten, weil es als "ganzes Dorf" zur Versteigerung stand. Tatsächlich besteht die Siedlung - mitten in der südbrandenburgischen Provinz auf halben Weg zwischen Berlin und Dresden, Cottbus und Leipzig gelegen - aus einem Dutzend Häuser, die seit der Wende verfallen. Die Bewohner leben dort in zum Teil unwürdigen Zuständen. Anfang Dezember dann erhielt der einzige Bieter den Zuschlag, ein anonymer Berliner Geschäftsmann bot 140 000 Euro. Für die Bewohner Alwines war das erst mal eine gute Nachricht, sie hatten darauf gehofft, dass der Käufer die dringend benötigte Renovierungen finanziert.

Nun, acht Wochen und einen Antrittsbesuch später, will der neue Besitzer vom Erwerb zurücktreten. Bei seiner Begutachtung vor Ort habe er zwar gesagt, er habe "Schlimmeres vermutet", sagt Andreas Claus, der Bürgermeister der Gemeinde Uebigau-Wahrenbrück, zu der Alwine gehört. Aber: "Der Käufer hat auch gesagt, er habe ein Problem." Von daher habe sich schon angedeutet, dass er von seinem Kauf zurücktrete. Für Alwine und seine Bewohner sei das natürlich "eine sehr schlechte Nachricht". Auch, weil nun die Vorbesitzer der Siedlung wieder in der Pflicht stehen. Sie hatten Alwine im Jahr 2000 für eine symbolische Mark von der Treuhand erworben und seitdem so gut wie nichts investiert. In dem Dörfchen gesehen wurden sie in all den Jahren nur ein, zwei Mal. Dass sie nun für Sturmschäden aufkommen? Ziemlich unwahrscheinlich.

Welches Problem genau der neue Besitzer hat, möchte Bürgermeister Claus nicht verraten. Die Lausitzer Rundschau berichtet, der anonym gebliebene Käufer sei "nicht geschäftsfähig". Das Auktionshaus Karhausen, das Alwine versteigert hatte, teilte mit, der Käufer habe Anfang des Jahres "aus gesundheitlichen Gründen" von seinem Kauf zurücktreten wollen. Das werde nun juristisch geprüft.

Gleichzeitig werde nach einer schnellen Lösung gesucht, auch im Interesse der Bewohner, deren Häuser nicht noch einmal in einer Auktion angeboten werden sollen. Nach jener im Dezember habe es weitere Anfragen von Interessenten gegeben, sagt Auktionator Matthias Knake. "Wir werden jetzt mit diesen Personen in Kontakt treten und mögliche Lösungen besprechen."

Kurioses Wo die Schwächsten zum Spekulationsobjekt werden

Brandenburg

Wo die Schwächsten zum Spekulationsobjekt werden

In Brandenburg wird ein Dorf versteigert, und die Welt schaut zu. Die Bewohner aber schwanken zwischen Angst und Wut, sie fürchten um ihren ruhigen Ort, um ihre Wohnungen. Ein Besuch.   Von Max Sprick