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Berlin:Großrazzia im Clanmilieu

500 Beamte durchsuchen mit Unterstützung von SEK und GSG 9 mehrere Wohnungen in Berlin. Sie ermitteln wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung gegen Verdächtige aus arabischstämmigen Großfamilien.

Mit einer Großrazzia ist die Polizei gegen organisierte Kriminalität im Clanmilieu in Berlin vorgegangen. Insgesamt wurden am Donnerstagmorgen 27 Wohnungen und andere Räume durchsucht, drei Verdächtige wurden verhaftet, teilte die Berliner Staatsanwaltschaft auf Twitter mit. Es gehe um Verdächtige aus arabischstämmigen Großfamilien und auch um Querverbindungen zum Rockermilieu, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner.

Etwa 500 Polizisten aus Berlin und von der Bundespolizei waren im Einsatz, darunter waren auch Spezialeinsatzkommandos (SEK). Der B.Z. zufolge war auch die GSG 9 parallel an mehr als zehn Adressen im Einsatz, weitere Wohnungen seien stadtweit gewaltsam geöffnet und durchsucht worden.

Ermittelt werde seit einem Jahr gegen 36 Verdächtige verschiedener Nationalitäten wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung und weiterer Straftaten, so die Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf "Bildung einer kriminellen Vereinigung" ist neu im Zusammenhang mit dem Vorgehen gegen kriminelle Clanmitglieder. Der entsprechende Paragraf 129 im Strafgesetzbuch definiert eine kriminelle Vereinigung als einen Zusammenschluss von mehr als zwei Menschen zur Verfolgung eines übergeordneten gemeinsamen Interesses. Der Einsatz laufe seit kurz nach sechs Uhr, sagte eine Polizeisprecherin. Staatsanwaltschaft und Polizei kündigten eine Mitteilung für einen späteren Zeitpunkt an.

Verdacht der Geldwäsche mittels Immobiliengeschäften

Die Haftbefehle seien im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften erlassen worden, zitierten Bild und B.Z. den Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Schwerpunkt der Einsätze soll in den Bezirken Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau liegen. Im Fokus stehen besonders Mitglieder einer bekannten Großfamilie. Einem Bericht der Berliner Morgenpost zufolge geht es um den Verdacht der Geldwäsche mittels Immobiliengeschäften.

Clan- und organisierte Kriminalität sind seit Längerem in Berlin und in anderen Bundesländern ein Thema. Ende September gab es Durchsuchungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Geldwäsche bei Managerhonoraren in der Rapper-Szene. Vermögen in Höhe von mehreren Millionen Euro wurde vorläufig sichergestellt. Im November fasste die Polizei drei Verdächtige aus einer anderen Großfamilie im Zusammenhang mit dem spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden. Zwei weitere mutmaßliche Täter entkamen.

Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GDP) hat die erneute Razzia begrüßt. "Wir bleiben hartnäckig, und das ist auch gut so", teilte die GdP mit. "Wir erleben im Moment eine geschlossene Zusammenarbeit der verantwortlichen Institutionen im Kampf gegen die organisierte Kriminalität arabischer Großfamilien und auch die dafür notwendige politische Rückendeckung." Die Strukturen seien andere als bei der Mafia - "aber es sind in beiden Fällen kriminelle Vereinigungen, die es lahm zu legen gilt".

© SZ/dpa/ick/nas
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Von Verena Mayer, Berlin, und Ulrike Nimz, Leipzig

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