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Berliner Stadtschloss:Brand im Humboldt-Forum

Burning city castle on the Spreeinsel in Berlin

Die Feuerwehr vor Ort am Berliner Stadtschloss.

(Foto: AXEL SCHMIDT/REUTERS)

Die Arbeiten im rekonstruierten Berliner Stadtschloss sind wegen der Corona-Krise ohnehin schon ins Stocken geraten, jetzt ist auch noch ein Brand ausgebrochen. Der Eröffnungstermin wackelt.

Dass im Herzen Berlins ein Brand ausgebrochen ist, riecht man schon von Weitem. Ein scharfer Gestank von Teer zieht sich über die Prachtstraße Unter den Linden und die Museumsinsel. Am Schlossplatz sieht man dann auch, was los ist. Dicker Rauch quillt aus dem hellen Neubau des Berliner Stadtschlosses, die rekonstruierte Barockfassade ist zwischen zwei Säulen schwarz vom Ruß. Am Mittwochvormittag begann es hier zu brennen, die Berliner Feuerwehr musste mit 80 Leuten anrücken. Ein Arbeiter wurde mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht.

Einige Stunden später, der Brand konnte nach Angaben der Berliner Feuerwehr schnell gelöscht werden, ist dann auch klar, was passiert ist. Auf der Baustelle des Humboldt-Forums war ein Bitumenkocher in Brand geraten, den man für Arbeiten am Boden in einem Durchgang benötigte. Durch die Hitze fingen ein zweiter Kocher sowie ein Teil des Bodens Feuer, eine Gasflasche explodierte. Was die Ursache für den Brand war, wird derzeit noch untersucht, die Berliner Polizei hat aber keinen Hinweis auf Brandstiftung.

Man sei glimpflich davon gekommen, sagt Karl-Heinrich Mohr, Leiter des Hochbaus der Stiftung Humboldt-Forum im Berliner Schloss. Der Putz sei angegriffen, der Durchgang vollkommen verrußt und eine Stuckdecke zerstört, "die wird man komplett neu machen müssen". Sonst halte sich der Schaden aber in Grenzen. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) zeigt sich am Mittwoch erleichtert: "Die Brandbilder über dem Schlossportal haben uns allen einen Schrecken eingejagt."

Die Exponate bleiben unversehrt

Von den Exponanten, die sich bereits in dem Gebäude befinden, sei keines in Gefahr gewesen, sagt Hochbauleiter Mohr, während er auf die angeschwärzte Schlossfassade hinter sich guckt. Auf mehr als 30 000 Quadratmetern entsteht im Stadtschloss ein Kultur- und Veranstaltungszentrum mit Sammlungen aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien, das von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dem Land Berlin und der Humboldt-Universität bespielt wird. Bislang wurden vor allem Objekte der Staatlichen Museen in die Räumlichkeiten gebracht, darunter etwa Südseeboote oder Teile eines Versammlungshauses von der Inselgruppe Palau. Die seien aber alle noch in Kisten verpackt, sagt Mohr, und auch brandgeschützt.

Im beschädigten Teil wird eine Berlin-Ausstellung zu sehen sein, in der es bislang aber erst ein Objekt gibt - die Tür des legendären Clubs Tresor, der in den Neunzigerjahren Techopartys in einer ehemaligen Kaufhaus-Tresorhalle veranstaltet hatte. "Und die ist feuerfest", sagt Mohr. Er schätzt, dass die Schäden in zwei bis drei Monaten behoben sein werden.

Die Baustelle wurde noch am Mittwoch von der Polizei wieder freigegeben, die Arbeiten am Humboldt-Forum laufen weiter. Ob der für September geplante erste Teil der Eröffnung stattfinden kann, die in drei Stufen über die Bühne gehen soll, bleibt jedoch fraglich.

Warten auf die Fliesen-Lieferung

Das Humboldt-Forum hat wie so viele Bauprojekte am Standort Berlin eine äußerst wechselvolle Geschichte mit Finanzierungsproblemen und verschobenen Eröffnungsterminen hinter sich. Hochbauleiter Mohr ist seit zehn Jahren dabei und hat dementsprechend einiges erlebt. Aber wenig sei so schlimm gewesen, wie es die Situation gerade ist, sagt er. Durch die Corona-Krise fehlen den Baufirmen Arbeiter, weil die gerade in Polen oder Tschechien festsitzen. Dazu können Materialien nicht geliefert werden, Mohr und ein Fliesenleger warten etwa auf Fliesen auf Italien.

Die für den Bau verantwortlichen Stellen des Humboldt-Forums wollen daher in der zweiten Aprilhälfte über den Stand der Baumaßnahmen beraten. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion sicherte am Mittwoch Unterstützung bei der Beseitigung der Schäden zu. Schließlich handle es sich um ein Bundeskulturprojekt ersten Ranges, so die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion, Elisabeth Motschmann.

Ein Sprecher des Forums war am Morgen zunächst von einer Explosion ausgegangen. Laut Berliner Polizei gab es "keine Hinweise auf vorsätzliches Handeln". Der Brand war schnell unter Kontrolle und gelöscht, teilte die Feuerwehr mit. Über dem Gebäude im Zentrum von Berlin war am Mittwochvormittag eine große schwarze Rauchwolke zu sehen.

Es hat einen Verletzten gegeben, die Person wurde vom Rettungsdienst behandelt und sei anschließend vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden, erklärte die Feuerwehr. 80 Kräfte waren im Einsatz. "Die Rauchwolke durch den Brand von Baumaterialien und zwei Bitumenkochern war weithin sichtbar." Bei dem Verletzten handelt es sich demnach um einen Bauarbeiter.

Der erste Teil des Humboldt-Forums soll eigentlich im September eröffnet werden, geplant war die Eröffnung ursprünglich bereits im vergangenen Jahr. Das 40 000 Quadratmeter umfassende Kultur- und Ausstellungszentrum bespielen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.

© SZ/ick
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