Bahnverkehr in Deutschland Schweizer Bahnsprecher ärgert sich über Deutsche Bahn

Auch Schweizer Bahn-Mitarbeiter ärgern sich über die Deutsche Bahn.

(Foto: dpa)

"In Deutschland haben Züge keine Verspätung, sondern eine voraussichtliche Ankunftszeit": Christian Ginsig, Sprecher der Schweizerischen Bundesbahnen, hat seine Erlebnisse mit der Deutschen Bahn ironisch auf Twitter kommentiert - und erntet ein riesiges Medienecho.

Von Charlotte Theile

Ärger über die Bahn gehört in Deutschland in gewisser Weise zum nationalen Kulturgut. Egal, ob der ICE sechs Minuten zu spät ankommt, der Halt in Wolfsburg mal wieder vergessen wurde oder die Klimaanlage an einem Sonntag im August den Geist aufgibt - der Ton, in dem die Reisenden einander zuseufzen: "Deutsche Bahn!", er ist immer derselbe.

Man dürfte eigentlich gar nicht mehr Bahn fahren, heißt es dann oft, es sei ohnehin zu teuer, nächstes Mal fahre man besser wieder mit dem Auto. Besonders schlaue Fahrgäste weisen an dieser Stelle noch gerne auf das Nachbarland Schweiz hin, in dem bekanntlich alles viel besser und pünktlicher ablaufe. Auch bei der Bahn.

Sprecher der Schweizerischen Bundesbahnen klagt über Deutsche Bahn

Man darf allerdings vermuten, dass die Stimmung in dem Moment kippen könnte, in dem ein echter Schweizer in das Klagelied einstimmen würde. Das ist nun der Fall. Christian Ginsig, Sprecher der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), hat seinem Ärger über den Fahrbetrieb im Nachbarland Luft gemacht.

Auf seinem Twitter-Profil berichtete der stellvertretende Leiter der SBB-Medienstelle in den vergangenen Tagen von seinen Reisen mit der Deutschen Bahn (DB) - und den Beobachtungen, die er dabei gemacht hat. "In Deutschland haben Züge keine Verspätung, sondern eine voraussichtliche Ankunftszeit", schrieb er. Danach gebe es nur noch "Ihre nächsten Reisemöglichkeiten".

Öffentliche Beschwerden waren möglicherweise Affekthandlung

Das Nachrichten-Portal 20 Minuten, wurde auf die ironischen Tweets des Schweizer Bahnsprechers aufmerksam. Es berichtete, dass Ginsig beim Verfassen dieses Tweets gerade in Karlsruhe seinen Anschluss verpasst hatte - man kann also durchaus von einer Affekthandlung sprechen.

Ohnehin scheint dem Schweizer an diesem Tag nichts erspart geblieben zu sein: Ein Mann pinkelte vor ihm auf die Gleise (Ginsig twitterte ein Foto, das er mittlerweile wieder gelöscht hat), im Speisewagen war die Backofentür abgefallen, die Kaffeemaschine defekt.

Spätestens im Bordbistro sah der Reisende eigentlich nur noch Fehler: "Meinem Tischnachbarn wurde gerade ein Chili con carne mit einem Kaffeelöffel serviert. Die grossen Löffel seien aus." Auch der Stuttgarter Bahnhof missfiel Ginsig, zu einem Foto schrieb er: "Ich kann nicht verstehen, wie man diesen Bahnhof NICHT umbauen will." Womit er natürlich auf Stuttgart 21 anspielte.

In den vergangenen Jahren gab es zwischen SBB und DB häufiger Auseinandersetzungen

Die Deutsche Bahn wollte den Spott am Dienstag nicht kommentieren - die Tweets habe Ginsig "als Privatperson" verfasst, man sehe keinen Anlass, sich zu äußern.

Auseinandersetzungen zwischen SBB und DB hatte es in den vergangenen Jahren häufiger gegeben, mal ging es um Züge, die unpünktlich aus dem Norden eintrafen, mal um Gütertransporte, mal um den Nahverkehr in der Grenzstadt Schaffhausen. Und einmal teilte ein SBB-Sprecher namens Christian Ginsig im Hochsommer kühl mit, in der Schweiz sei bislang keine Klimaanlage ausgefallen.

Diesmal war der Pressesprecher von der Medienwirkung überrascht. Von der SBB hieß es, das Echo sei übertrieben, Ginsigs Tweets seien "mit einem Augenzwinkern" geschrieben gewesen. Ginsig hat unterdessen seine Einträge gelöscht und um Entschuldigung gebeten. Die Geschichte sei "sehr peinlich", schrieb er auf Twitter.