Aufregung in der Eifel Die Löwen von Lünebach sind nur nass geworden

Löwe „Malor“ blieb dann doch ganz anständig in seinem Gehege.

(Foto: dpa)

In einem kleinen Zoo in der Eifel wird Alarm ausgelöst, weil mehrere Raubtiere entflohen sein sollen. Polizei und Feuerwehr rücken aus, die Lage ist unübersichtlich. Später stellt sich heraus, dass die Tiere ihr Gehege nie verlassen haben.

Von Julia Huber und Oliver Klasen

Aus dem kleinen Ort Lünebach in der Eifel kam an diesem Freitagnachmittag eine spektakuläre Nachricht: Medien in Belgien und Italien berichteten, auf Twitter äußerten sich User unter dem Hashtag "Eifelzoo" beinahe sekündlich, die britische BBC verschickte sogar eine Eilmeldung: "Mehrere Raubtiere aus deutschem Zoo entflohen." Zwei Löwen, zwei Tiger, ein Jaguar und ein Bär, so hieß es zunächst, seien aus ihrem Gehege entwichen.

Der Bär sei von einem Jäger erschossen worden, nach den anderen Tieren werde gesucht. Ein Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Tierärzten sei im Einsatz, die Bewohner des Ortes würden gebeten, sicherheitshalber in ihren Häusern zu bleiben. Zwei Stunden später heißt es dann, mit einer Drohne sei es gelungen, die Tiere aufzuspüren. Sie befänden sich noch auf dem Zoogelände. Und auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz sagt Andreas Kruppert, der Bürgermeister der zuständigen Verbandsgemeinde Arzfeld, dann: Die Raubtiere seien niemals entlaufen. Es herrscht an diesem Nachmittag Verwirrung um einen kleinen, privat betriebenen Zoo, der etwa 30 Kilometer nordwestlich von Bitburg nahe der belgischen Grenze liegt.

Die Verwaltung des Kreises Bitburg-Prüm kann zunächst keine genauen Angaben machen, auch im Zoo ist niemand erreichbar. Möglicherweise hängt die Konfusion mit den Ereignissen der vorherigen Nacht zusammen. Über der Region gingen schwere Gewitter nieder. Binnen einer Stunde fiel so viel Regen wie sonst beinahe in einem ganzen Monat. Die Behörden lösten die zweithöchste Alarmstufe aus. Keller liefen voll, Straßen wurden unterspült und bei Kyllburg sprang ein Zug aus den Schienen, weil er mit einer Schlammlawine kollidierte. Auch der Eifel-Zoo wurden von den Fluten erfasst.

Tiere Vermisste Raubtiere in Lünebach sind in ihrem Gehege
Rheinland-Pfalz

Vermisste Raubtiere in Lünebach sind in ihrem Gehege

Verwirrung um die Raubtiere aus dem Eifel-Zoo: Ein Bär ist aus seinem Gehege entlaufen und wurde erschossen. Zwei Löwen, zwei Tiger und ein Jaguar sind entgegen ersten Informationen nicht ausgebrochen.

Ein Betäubungsmittel wirkt bei Raubtieren frühestens nach fünf Minuten

Der nahegelegene Bierbach, so berichtet es der Sender SWR, sei an einigen Stellen auf eine Breite von 100 Metern angeschwollen. Auf Fotos sieht man, wie Tiergehege und Stallungen metertief in braunem Wasser stehen. Wegen der Überschwemmungen, sagt Bürgermeister Kruppert, sei nicht erkennbar gewesen, dass die meisten Tiere noch in ihrem Gehege waren.

Nur der später erschossene Bär sei kurzzeitig in Freiheit gewesen. Was tut ein Zoo, wenn Tiere trotz aller Sicherheitsmaßnahmen aus dem Gehege entweichen? Helmut Mägdefrau, stellvertretender Leiter des Nürnberger Tiergartens, hat das erlebt. "Im Jahr 2000 hat ein Vollidiot bei uns den Stall der Eisbären geöffnet. Die Tiere waren so aufgeregt, dass wir sie nicht betäuben konnten, deshalb mussten wir sie alle vier erschießen." Jeder Zoo müsse Alarmpläne für solche Fälle haben. Ein tödlicher Schuss sei stets das letzte Mittel. Zunächst werde versucht, die Tiere zurückzudrängen, sie einzufangen oder sie zu betäuben. "Das Betäubungsmittel wirkt innerhalb von fünf bis zehn Minuten, wenn das Tier günstig getroffen wird", sagt Mägdefrau.

Etwa 400 Tiere beherbergt der Eifel-Zoo in Lünebach. Aufgebaut hat ihn der Kölner Kaufmann und Karnevalist Hans Wallpott Ende der Sechzigerjahre. Der Gründer starb im vergangenen Jahr, Wallpotts Tochter Isabelle, eine gelernte Zootierpflegerin, leitet die Anlage gemeinsam mit ihrer Mutter. Was nun mit dem überfluteten Zoo passiert und mit den Tieren, die das Unwetter überstanden haben, ist noch unklar.

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