bedeckt München 29°

Affäre Strauss-Kahn:Verteidigung lehnt Deal ab

Mit einem Teilgeständnis könnte Dominique Strauss-Kahn eine drohende Haftstrafe verhindern - doch der frühere IWF-Chef plädiert in allen Punkten auf "nicht schuldig". Indes weist die Staatsanwaltschaft Befangenheitsvorwürfe zurück.

Dominique Strauss-Kahn wird sich in keinem der Anklagepunkte, die ihm zur Last gelegt werden, schuldig bekennen. Das gaben seine Anwälte bekannt. Es habe auch keinerlei Absprachen zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft gegeben, sagte Strauss-Kahns Anwalt William Taylor der New York Times am späten Mittwochabend.

Zuvor hatten sich Strauss-Kahns Anwälte und die Staatsanwaltschaft zwei Stunden lang beraten, das Treffen aber ohne erkennbare Annäherung beendet. Strauss-Kahn wird versuchte Vergewaltigung eines Zimmermädchens zur Last gelegt. Eine drohende Haftstrafe könnte Strauss-Kahn vermeiden, indem er beispielsweise ein Teilgeständnis ablegen würde. Solche Absprachen ( plea bargain) zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft kommen in den USA häufig vor und sind im deutschen Strafrecht als Deal bekannt.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft hegt inzwischen erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers und hatte Strauss-Kahn am vergangenen Freitag auf freien Fuß gesetzt. Die Ermittlungen sollen aber dennoch weitergehen.

Der Rechtsanwalt des mutmaßlichen Opfers forderte unterdessen den Bezirksstaatsanwalt von New York, Cyrus Vance, auf, sich wegen Befangenheit freiwillig von dem Verfahren zurückzuziehen. In einem Schreiben, das mehreren Nachrichtenagenturen vorlag, warf der Jurist der Staatsanwaltschaft vor, sie habe Informationen zum Schaden seiner Mandantin in die Öffentlichkeit gebracht. Zudem sollen Mitarbeiter von Vance' Behörde aufgrund familiärer Beziehungen zu Strauss-Kahns Verteidigerteam voreingenommen sein.

Die US-Staatsanwaltschaft lehnte einen Rückzug jedoch strikt ab. Eine solche Forderung sei "absolut unbegründet", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Auch der Einsetzung eines Sonderermittlers erteilte sie eine Absage. Die nächste Anhörung vor Gericht ist für den 18. Juli geplant. Inzwischen steigen die Erwartungen, dass die Staatsanwaltschaft die Anklage fallen lässt.