Syrien:Tödliche Fehler bei Masern-Impfung

15 Kinder sterben in Syrien nach einer Masern-Impfung, die von WHO und Unicef unterstützt wurde. Ärzte befürchten, dass die Impfstoffe versehentlich falsch behandelt wurden.

  • Die medizinische Versorgung Hunderttausender Syrer in den umkämpften Gebieten des Landes ist schwierig. Nach einer Masern-Impfung sollen nun mindesten 15 Kinder gestorben sein.
  • Mediziner spekulieren, dass die Impfstoffe versehentlich mit einem muskelentspannenden Mittel verunreinigt wurden.

Kinder sterben nach Masern-Impfung

In nordsyrischen Gebieten unter Kontrolle von Rebellen sind viele Kinder nach einer Impfung gegen Masern gestorben. Weitere 50 Kinder würden mit Vergiftungssymptomen in Krankenhäusern behandelt, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. In manchen Berichten war die Rede von 15 Toten, andere Berichte sprachen von 35 oder sogar 50 gestorbenen Kindern.

Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter waren die Kinder in der Region um den Ort Maarat al-Numan südlich der Stadt Aleppo geimpft worden. Die Impfkampagne wurde von der Regionalverwaltung mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation WHO und Unicef durchgeführt. Die für die medizinische Versorgung in der Region zuständige oppositionelle Verwaltung stoppte daraufhin nach eigenen Angaben die Impfkampagne.

Spekulationen über Ursachen

Noch ist unklar, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Wie die New York Times unter Berufung auf einen Mediziner vor Ort berichtet, waren die Impfstoffe drei Tage vor dem Zwischenfall eingetroffen. Der Arzt spekulierte, dass die Impfstoffe möglicherweise bei zu hohen Temperaturen gelagert worden sein könnten.

Ein Mediziner der Free Doctors Union, der ebenfalls südlich von Aleppo im Einsatz ist, sagte der NYT, dass die Impfstoffe möglicherweise verunreinigt wurden. Demnach könnten die Impfdosen mit dem muskelentspannenden Medikament Atracurium vermischt worden sein - statt mit dem eigentlich vorgesehenen Verdünnungsmittel. Die Verpackungen der Arzneien ähneln sich dem Arzt zufolge sehr. "Wir ermitteln, ob es sich um einen Fehler der Mediziner oder um ein Verbrechen handelt", sagte der Arzt der NYT zufolge weiter.

WHO und Unicef äußern Bedauern

WHO und Unicef beauerten den Vorfall in einer gemeinsamen Erklärung. Die WHO entstandte ein Expertenteam in die Region, das bei der Klärung der Ursachen helfen soll. Die Behörde nannte die vorrübergehende Aussetzung der Impfkampagne in dem betroffenen Gebiet richtig, mahnte aber zugleich an, die Impfungen so schnell wie möglich wieder aufzunehmen.

Krankheiten für Syrer besonders bedrohlich

Die in dem von Rebellen kontrollierten Gebiet zuständige Gesundheitsbehörde teilte mit, sie habe in den vergangenen Wochen in mehreren Orten der Region mehr als 60 000 Kinder gegen Masern geimpft, ohne dass es zu Zwischenfällen gekommen sei.

In den syrischen Gebieten unter Kontrolle von Rebellen herrscht seit Jahren ein akuter Mangel an Impfstoffen. Im Oktober 2013 war in Syrien zum ersten Mal seit 14 Jahren wieder Kinderlähmung aufgetreten.

© SZ.de/dpa/jasch/hai
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