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Wolfratshauser Verkehr:Weniger Blech als befürchtet

Besonders zu Stoßzeiten macht den Wolfratshausern der Verkehr zu schaffen. Auf der Sauerlacher Straße (Bild) fahren laut aktueller Analyse an einem Werktag durchschnittlich 13 400 Autos.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Belastung der Straßen in Wolfratshausen und der Anteil des Schwerlastverkehrs sind geringer als man bisher geglaubt hat. Das zeigt eine aktuelle Analyse für die Stadt. Zwar gibt es Ausnahmen bei viel befahrenen Strecken, eine Umfahrung ist damit aber vom Tisch.

Von Konstantin Kaip

Die Straßen in Wolfratshausen sind weniger vom Verkehr belastet, als bislang angenommen wurde. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Verkehrsanalyse, die der Verkehrsplaner Helmuth Ammerl vom Münchner Büro Obermeyer für die Stadt angefertigt und am Dienstag im Stadtrat vorgestellt hat. Mitte Juli 2018 hatten Ammerls Mitarbeiter dafür an elf wichtigen Verkehrsadern im Stadtgebiet sieben Tage lang durchgehend alle Autos erfasst, um den "durchschnittlichen werktätigen Verkehr" zu ermitteln. Zudem wurden die Autofahrer an den Ortseingängen zweimal je acht Stunden lang befragt, um Ziel- und Quell-, Durchgangs- und Binnenverkehr zu erfassen. Höher als prognostiziert fällt der Verkehr demnach nur auf der B 11 Richtung Geretsried, dem Autobahnzubringer B 11 a, der Sauerlacher Straße und der Äußeren Beuerberger Straße aus. Auch der Anteil des Schwerlastverkehrs ist deutlich geringer als bislang angenommen.

Der Stadtrat hatte die Analyse im Januar 2018 in Auftrag zu geben, um anhand eines sogenannten makroskopischen Verkehrsmodells verschiedene Szenarien prüfen und belastbare Prognosen erstellen zu können. Dieses Modell liegt nun vor. Wie Ammerl erklärte, seien bislang nur mikroskopische Untersuchungen einzelner Knotenpunkte gemacht worden, an denen die Hauptverkehrszeiten geprüft worden seien. Die Daten, die seine Mitarbeiter zwischen 14. und 20. Juli 2018 erfasst hätten, seien "in der Dichte nicht so üblich", sagte Ammerl. Elf "Querschnittszählungen" (sieben Tage à 24 Stunden) mit Video-Erfassung, zudem elf Zählungen an Knotenpunkten in unterschiedlichen Ausmaßen und die beiden Befragungen lieferten nun eine verlässliche Datenbasis für die Stadt. "Darauf haben wir viel Wert gelegt", sagte Ammerl. Die Analyse, für die Wolfratshausen etwa 50 000 Euro brutto zahlen muss, habe ja auch "eine Menge Geld gekostet".

Die meisten Fahrzeuge sind demnach auf der B 11 auf Höhe des Loisach-Isar-Kanals unterwegs: 38 400 Bewegungen in beide Richtungen seien auch für eine vierspurige Bundesstraße "eine heftige Belastung", konstatierte Ammerl. An der Kreuzung zwischen Pfaffenrieder, Schießstätt- und Königsdorfer Straße kommen noch 22 400 Fahrzeuge an, die Schießstättstraße muss 23 100 aufnehmen, die Pfaffenrieder Straße 16 600, 14 500 bleiben auf der Königsdorfer Straße. Auf der B 11a fahren täglich 30 300 Fahrzeuge, auf der Äußeren Beuerberger Straße 8600.

Die Äußere Sauerlacher Straße in Nantwein nutzen 17 400 Autos. Die Schießstättstraße muss an der dortigen Abzweigung 14 300 Fahrzeuge aufnehmen, die Sauerlacher Straße 8600. Dort erhöht sich die Zahl westlich des Moosbauerwegs auf 13 400 Autos. Auf der Johannisgasse über die Loisach sind 10 800 Fahrzeuge unterwegs. Auf der B 11 Richtungen Norden fahren auf dem Wolfratshauser Berg 8800 Fahrzeuge, nach der Weidacher Hauptstraße 7700 und im Einbahnstraßenbereich im Markt 5300. Die Bahnhofstraße nimmt am Tag durchschnittlich 6400 Autos auf.

Überraschend ist der Anteil des Schwerlastverkehrs, den Ammerl und sein Team mit 24-Stunden-Video-Erfassungen auch gesondert gezählt haben. Der lag überall zwischen drei bis vier Prozent. Besonders große mehrachsige Laster machen nur etwa 1,5 Prozent aus. Lkw bündelten sich jedoch auf wenigen Straßen wie der Schießstättstraße, sagte Ammerl. Dort liegt der Anteil bei rund acht Prozent. Der Verkehrsplaner zerschlug auch eine bislang weit verbreitete Befürchtung: Es finde bei den Lkw-Fahrern kein Querverkehr zwischen Garmischer und Salzburger Autobahn statt, schlussfolgerte er aus seiner Analyse.

Die Belastungen der meisten Straßen liegen zudem deutlich unter der 2005 von Harald Kurzak erstellte Prognose für 2015 und einer Zählung von 2011, die Ammerl mit seinen aktuellen Zahlen verglichen hat. Höher sind die Werte nur auf der Sauerlacher Straße, der Äußeren Beuerberger Straße und der B 11a.

Ammerls Team hatte auch die Autofahrer nach Herkunft, Ziel und Zweck der Fahrt gefragt und so ermittelt, dass von es in Wolfratshausen - bei insgesamt durchschnittlich 123 000 Fahrten am Tag - 50 Prozent Ziel- und Quellverkehr gibt. Der Durchgangsverkehr macht 31 Prozent aus, mit 19 Prozent ist der Anteil des Binnenverkehrs, also von Fahrten, die im Stadtgebiet bleiben, laut Ammerl "ziemlich hoch". Besonders viele Fahrten gibt es von und nach Geretsried und München, aber auch ins Gemeindegebiet Egling (etwa 5000 pro Tag).

Nach Ammerls etwa eineinhalbstündiger Präsentation bedankte sich Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) für die "hervorragende Analyse", die der Stadt eine aussagekräftige Datengrundlage gebe. BVW-Sprecher Josef Praller wollte auch ein Fazit des Verkehrsplaners für die Bürger. Ammerl hielt fest, dass die aktuellen Daten mit dem geringen Anteil an Schwerlastverkehr, der darüberhinaus "vorwiegend regionaler Durchgangsverkehr" sei, die seit Jahrzehnten diskutierte Umgehungsstraße wohl obsolet machten. In Wolfratshausen gebe es viel Binnenverkehr und einen engen Bezug zu den Nachbarkommunen, vor allem zu Geretsried, sagte Ammerl. "Deshalb empfehle ich Ihnen, die Nahmobilität zu fördern." Mehr öffentliche Verbindungen in attraktivem 15-Minuten-Takt und ein für den Berufsverkehr tauglicher Ausbau der Radwege seien die mittel der Wahl, um die Straßen zu entlasten. "Wir werden uns definitiv mit Geretsried zusammensetzen und ein gemeinsames Mobilitätskonzept erstellen", kündigte Heilinglechner an. Dies habe er schon mit seinem Amtskollegen in der Nachbarstadt Michael Müller (CSU) besprochen.

© SZ vom 11.04.2019
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