Wolfratshausen:Echter Bürgersinn

Badehaus in Waldram

Außen ist das renovierte Badehaus fertig, innen wird noch an Umbau und Ausgestaltung gearbeitet.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

"Leader" fördert den Badehaus-Verein mit gut 92 500 Euro.

Von Barbara Briessmann, Wolfratshausen

Es geht voran im historischen Badehaus. Die Räume sind schon verkabelt für das künftige multimediale Museum in Waldram. Für das Engagement des Vereins Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald, das geschichtsträchtige Haus zu einem Ort des Erinnerns, der Begegnung und der Bildung zu machen, gab es am Mittwoch symbolisch den Bescheid der Leader-Aktionsgruppe (LAG) im Landkreis. Dahinter steckt Fördergeld in Höhe von 92 500 Euro für das Projekt.

Leader ist eine Initiative der Europäischen Union. Unterstützt werden Aktionsgruppen im ländlichen Bereich, die selbst etwas auf die Beine stellen. Das Projekt Badehaus sei "das ehrenamtlichste überhaupt", sagte Thomas Gründl, Bürgermeister von Bad Heilbrunn und Vorsitzender der LAG Bad Tölz-Wolfratshausen. 2000 ehrenamtliche Stunden hat allein die Baugruppe des Badehaus-Vereins bisher in die Renovierung gesteckt. Einst war der Bau der Sanitärbereich des Lagers Föhrenwald, das 1939 als nationalsozialistische Mustersiedlung errichtet wurde. Dort lebten bis zu 5000 Männer und Frauen aus 16 Ländern, die in den nahe gelegenen Rüstungsfabriken arbeiten mussten. Ein Raum des Badehauses wird im Museum daran erinnern, am Boden sind noch die Abgrenzungen der Duschen zu erkennen.

Gegen Kriegsende führte der Todesmarsch der Gefangenen aus dem KZ Dachau an dem Lager bei Wolfratshausen vorbei. Nach 1945 entwickelte sich Föhrenwald zu einem der größten und am längsten bestehenden Lager für jüdische Displaced Persons (DP). An das jüdische Leben wird in den Ausstellungen im Badehaus gedacht werden, wie in der Mikwe, dem Bad für die rituelle Reinigung der Juden vor dem Gebet, im Untergeschoss. Nachdem das Katholische Siedlungswerk 1956 die Häuser übernommen hatte, brachte es heimatvertriebene Familien unter, die Siedlung hieß fortan Waldram. Juden und Christen lebten zusammen.

Wann die Eröffnung sein wird, weiß die Vereinsvorsitzende Sybille Kraft: "Vor dem Berliner Flughafen." Auf jeden Fall im Jahr 2018.

© SZ vom 26.01.2017
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