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Wohin mit dem Müll?:Joghurtbecher rein, Zahnbürste raus

Die Gelbe Tonne gibt es nun seit vier Wochen im Landkreis. Die Abholung klappt noch nicht überall gleich gut, doch "das wird sich schon einspielen", sagt Abfallberaterin Ursula Mackensen. Was aber darf in die Tonne und was nicht? Ein Überblick:

Von Ingrid Hügenell

Seit vier Wochen gibt es nun im Landkreis die gelben Tonnen, in denen Verpackungen gesammelt werden. Noch immer haben die Abfallberater der WGV Quarzbichl täglich mit Anfragen zu tun, die die Bereitstellung und Leerung der Tonnen betreffen. Dabei sind sie dafür gar nicht zuständig. Denn die gelbe Tonne wird von der Firma Lachner bereitgestellt und abgeholt. Das klappt allerdings noch nicht überall gleich gut, wie Abfallberaterin Ursula Mackensen erklärt. Denn die Fahrer dieser Firma kennen sich nicht besonders gut aus und fänden manche Tonnen einfach nicht. Auch seien sie nicht beauftragt, die Tonnen aus den Häuschen zu holen.

Deshalb hat die WGV nun darauf hingewiesen, dass die gelben Tonnen am Abfuhrtag von 6 Uhr morgens an am Straßenrand bereitstehen müssen. "Das wird sich schon alles einspielen", sagt Mackensen. So hätten inzwischen viele Hausverwaltungen Platz für die gelben Tonnen dadurch geschaffen, dass sie einen Teil der Papiertonnen abbestellt hätten. Denn die werden nun alle zwei und nicht mehr alle vier Wochen geleert, man braucht also weniger Tonnen fürs Papier und gewinnt Platz für die Verpackungstonne.

Diese Feinheiten interessieren die meisten Leute aber nicht, die bei Ursula Mackensen und ihrem Kollegen Georg Schneider anrufen. "Die Leute wollen nur, dass ihre Tonnen geleert werden", sagt Mackensen. Und die Beschwerden landen doch wieder bei der WGV, die doch gar nicht zuständig ist. Die Abfallberater sind eigentlich dafür da, den Bürgern zu erklären, welche Abfälle in welche Tonne gehören, und da lauern doch einige Überraschungen. Gehören Katzenfutter-Tüten in die gelbe Tonne? Was macht man mit kaputtem Spielzeug? Warum kann man Backpapier nicht im Altpapier entsorgen? Und dürfen Glasflaschen mit in die gelbe Tonne? Und warum ist manches erlaubt, anderes aber nicht?

Ein paar grundsätzliche Regeln: In die gelbe Tonne dürfen nur Verpackungen. In die Biotonne dürfen inzwischen alle organischen Abfälle, auch Speisereste. In die Papiertonne gehören Papier und Pappe, die nicht mit Plastik beschichtet sind. Glasflaschen werden nach wie vor in die Glascontainer geworfen, und der Rest des Abfalls kommt in die Restmülltonne oder muss zum Wertstoffhof gebracht werden.

Plastik ist nicht gleich Plastik

Bei den komplizierteren Fällen kommen Fragen auf: Warum gehören Plastikgegenstände, die keine Verpackung sind, in den Restmüll? Etwa Zahn- oder Spülbürsten, kaputtes Spielzeug oder alte Gießkannen. Auch ausgebrannte Grablichter gelten nicht als Verpackung, sondern gehören in den Restmüll. Der Grund: Die Hersteller verwenden für Verpackungen Kunststoffe, die leicht zu recyceln sind. Denn für Verpackungen müssen sie die Entsorgung bezahlen, je nach Material und Gewicht. Deshalb sind viele Verpackungen immer dünner und leichter geworden. Für Kunststoff, der keine Verpackung ist, müssen die Hersteller aber nicht bezahlen, die Teile sind dementsprechend auch kaum wiederzuverwerten. Bei Grablichtern kommt noch dazu, dass Wachsreste beim Recycling stören würden.

Glas und Papier

Glas gehört in den Container, nicht in die gelbe Tonne. Zum einen wegen der Verletzungsgefahr für die Leute, die den Abfall sortieren, zum anderen, weil es sich dort kaum herausfischen lässt. Hitzebeständiges Glas oder Fensterglas können nicht mit anderem Glas eingeschmolzen werden. Einzelne Teile gehören in den Restmüll, größere Mengen oder Fensterglas auf den Wertstoffhof. Papier und Pappe entsorgt man über die Papiertonne. Plastikeinbände sollte man entfernen. Spiralblöcke können aber mit den Spiralen weggeworfen werden. Die würden bei der Wiederverwertung aus der Papiersuppe herausgefischt, erklärt Mackensen. Beschichtetes, schmutziges oder nasses Papier gehört in den Restmüll - auch Backpapier. Es ist beschichtet.

In die Biotonne

Angeblich kompostierbare Dinge wie Schwammtücher, Biomüllbeutel oder mit Biofolie beschichtete Pappschüsseln für gefrorenes Essen dürfen nicht in die Biotonne. Zwar kann es die Vergärungsanlage auch mit Speiseresten aufnehmen, die Beutel, Schwämme und Folien würden in der Anlage aber nicht schnell genug abgebaut und müssten von Hand aussortiert werden, wie Mackensen erklärt. Küchentücher oder Taschentücher, die nicht schlimm verschmutzt sind, können dagegen im Biomüll entsorgt werden, sie vergären gut. Das gleiche gilt für Papierhandtücher. "Man sollte halt kein Motoröl damit aufgenommen haben", sagt Mackensen. Außerdem sollte man darauf achten, dass keine Fremdstoffe mit dabei sind. Feuchttücher gehören in den Restmüll und keinesfalls in die Toilette, weil sie dort alles verstopfen können. Denn sie lösen sich nicht auf. In der Vergärung würden die Desinfektionsmittel stören.

Das sind Verpackungen

In die gelbe Tonne gehören all' die Verpackungen, für deren Entsorgung die Hersteller zahlen und die nicht aus Papier oder Pappe sind. Also Tetrapacks von Saft oder Milch, Joghurtbecher, pfandfreie Plastikflaschen, Alu- oder Blechdosen, Plastikverpackungen von Käse oder Wurst, Dosen, Kronkorken und anderes. Wichtig: Die einzelnen Teile sollte man nicht ineinander stopfen, denn sie werden von Hand sortiert. Das Stopfen macht den Sortierprozess aufwendiger, der von Müllgebühren-Geld bezahlt wird. Packbänder sollte man zerschneiden, Netze verknoten, damit sie sich in der Anlage nicht um Maschinenteile wickeln. Styropor darf in die gelbe Tonne, wenn es eine Verpackung war. Styropor, das als Isolierung diente, muss separat entsorgt werden, es ist mit giftigen Flammschutzmitteln behandelt. Blumentöpfe aus Plastik dürfen in die Tonne, nicht aber Übertöpfe oder Untersetzer.

Wertvolles Aluminium

Verpackungen mit Aluminium sind besonders wertvoll. Auch Butterpapiere, Medikamenten-Blister, die feinen Folien von Schokocreme-Gläsern oder die kleinen, glänzenden Papierchen, in denen manche Schokolade eingewickelt ist. Die glänzen wegen der Alu-Beschichtung. Weil der Abbau des Ausgangsstoffs Bauxit und die Herstellung des Aluminiums sehr aufwendig sind und viel Energie brauchen, ist Aluminium im Recycling der wertvollste Stoff, wie Mackensen erklärt. Papierreste stören in der Verarbeitung nicht. Damit man es wirklich gut wiederverwerten kann, sollte man die Aludeckel von den Bechern abziehen, bevor beides in der gelben Tonne landet. Aluminium, das keine Verpackung ist, etwa altes Campinggeschirr, sollte man besser zum Metallschrott am Wertstoffhof geben. Aluteile in Plastikdeckeln müsse man aber nicht herauspopeln, sagt Mackensen. Manches könne man den Leuten einfach nicht zumuten. So sollten etwa Tierfutterdosen grundsätzlich ausgewaschen werden. Bei den kleinen Tütchen aus Folie und Aluminium, in denen "Quetschies", aber auch Katzenfutter verkauft wird, wäre der Aufwand aber zu groß und man würde zuviel Wasser verbrauchen. Die solle man einfach gut entleert und zusammengedrückt in die gelbe Tonne geben. Das Problem bei Fleischresten seien der Geruch und die Gefahr, dass sich Schimmel oder Maden bilden.

Für Fragen zur gelben Tonne ist die Firma Lachner zuständig, Telefon 0800 11 434 69. Das Abfall-ABC gibt hier Auskünfte zur Entsorgung

© SZ vom 27.01.2018

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