Verkehr in Geretsried:Radüberweg soll sicherer werden

Via Bavarica Tyrolensis

Übersichtlich und dennoch gefährlich nennt Verkehrsreferent Heiko Hawla den Überweg.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Nach dem tödlichen Unfall an der Tattenkofener Straße in Geretsried sammelt eine Online-Petition Stimmen für einen Umbau. Die zuständige Kommission will verschiedene Maßnahmen erörtern

Von Felicitas Amler

Die Stelle ist laut Staatlichem Straßenbauamt kein Unfallschwerpunkt, und dennoch wird etwas geschehen an der Kreuzung von Breslauer Weg, Tattenkofener Straße und Zehnerhüttenweg in Geretsried. Die Frage, womit sich die Situation für Fußgänger und Radfahrer an der oft mit hohem Tempo befahrenen Tattenkofener Straße (Staatsstraße 2369) verbessern lässt, wird in der kommenden Woche die Unfallkommission beschäftigen. Derweil nimmt die Zustimmung zu einer Petition im Internet zu, die nach dem tödlichen Unfall vom vorvergangenen Samstag von Privatleuten gestartet wurde. Bis Dienstagmittag hatten 1953 Personen per Klick für die darin geforderten Maßnahmen votiert: einen sicheren Übergang oder eine Unterführung, Tempo 60 und "große Warnschilder für Autofahrer". Drastisch wird in der Petition gefragt: "Wie viele Toten braucht eine Behörde, um sich für ein Bauprojekt zu entscheiden?"

Die Behörde allein entscheide allerdings gar nicht, erklärt ein Sprecher des Staatlichen Bauamts Weilheim. Vielmehr werde sich in der kommenden Woche die regelmäßig tagende Unfallkommission mit der Situation befassen; sie setzt sich zusammen aus einem Mitarbeiter der unteren Verkehrsbehörde im Landratsamt, einem Polizeibeamten sowie einem Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts. Im konkreten Fall werde auch die Stadt Geretsried hinzugezogen.

"Ähnliche Unfälle verhindern"

"Bei diesem schweren Unfall mit getöteten und verletzten Personen besteht grundsätzlich die Notwendigkeit, den Ursachen nachzugehen, um zu versuchen, in der konkreten Örtlichkeit ähnliche Unfälle in Zukunft zu verhindern", betont der Straßenbauamtssprecher. Darum hat auch Bürgermeister Michael Müller (CSU) das Straßenbauamt ersucht.

"Die sinnvollste Maßnahme wäre es, diesen Überweg zu schließen", sagt der Vertreter des Straßenbauamts, und den Radweg, der gleichzeitig innerorts und als Fernradweg München-Venedig genutzt wird, an dieser Stelle zu verlegen. Die in früheren Jahren erwogene Idee, den Weg unter der Isarbrücke durchzuführen, habe sich allerdings als nicht machbar erwiesen. Eine andere Überlegung sei es, "den Radweg mit der Friedhofskreuzung zusammenzulegen". Ein Tempolimit, wie es auch der Bürgermeister vorgeschlagen hat, werde in der Kommission diskutiert werden.

Hierzu sagt allerdings Heiko Hawla (FW), Verkehrsreferent des Geretsrieder Stadtrats und Fahrlehrer: "Ein Verkehrszeichen hilft zur Reduzierung von Unfällen nur im ganz niedrigen einstelligen Bereich." Hawla betont, die Stadt werde auf jeden Fall noch einmal die Initiative ergreifen, damit der Überweg sicherer wird. Im Arbeitskreis Verkehr, den er leitet, werde das Thema bald besprochen. Man müsse "beharrlich dranbleiben", auch wenn die Stadt nicht unmittelbar zuständig sei und auch keinen Grund in dem Gebiet besitze. Der jüngste "dramatische Unfall" , so Hawla, habe gezeigt, "dass etwas geschehen muss". Hawla sagt, seinen Kindern würde er diesen Radweg verbieten. Die Situation sei zwar übersichtlich, Autos führen dort aber gelegentlich auch schneller als mit 100 Kilometern pro Stunde.

Verkehrszählung zuletzt 2012

Bei dem aktuellen Unfall am Überweg an der Tattenkofener Straße ist ein 64-jähriger Motorradfahrer aus Gauting ums Leben gekommen. Er hatte laut Polizeibericht eine Autofahrerin überholt, während diese ihr Tempo wegen einer vor ihr die Straße überquerenden Radfahrerin drosselte. Der Motorradfahrer stieß mit der 76-jährigen Radlerin zusammen, die schwer verletzt wurde. Ein tödlicher Unfall hatte sich an derselben Stelle zuletzt 2009 ereignet.

Eine Unfallhäufung liegt laut Staatlichem Bauamt zum Beispiel vor, wenn in einem Zeitraum von drei Jahren außerorts auf einer Strecke von maximal 300 Metern mindestens drei Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten geschehen sind oder acht Unfälle mit Leichtverletzten. Zur Frequenz an dem Radweg gibt es keine neueren Untersuchungen. Die Stadt hatte zuletzt im Jahr 2017 erklärt, eine Verkehrszählung von 2012 habe ergeben, dass pro Wochenende bis zu tausend Radfahrer und Fußgänger an dieser Stelle die Tattenkofener Straße überqueren.

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