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Verhandlung vor dem Landgericht München II:Mordversuch mit dem Geschirrtuch

Weil sie ihn kritisiert hat, wollte ein 19-jähriger Penzberger eine Köchin im Kindergarten erdrosseln. Gefühlt habe er dabei nichts, sagt er vor Gericht: "Ich wollte einfach, dass es aufhört."

Wenn Florian R. am Computer saß, dann oft stundenlang. Sein Hobby sind Computerspiele. Am liebsten schlüpfte er in die Rolle eines "Kriegers", der mit seinen Gegnern nicht lange verhandelt, sondern "draufhaut" und sie "unschädlich" macht. Auch am Morgen des 10. Dezember vergangenen Jahres musste der 19-Jährige einen Konflikt lösen. Diesmal jedoch in der Realität, an seinem Arbeitsplatz im AWO-Kindergarten. Die 50-jährige Köchin Anneliese K. wäre dabei fast ums Leben gekommen. Florian K. strangulierte sie mit einem Küchentuch, weil sie ihn kritisiert hatte. Seit Montag muss sich der Penzberger für die Tat vor dem Landgericht München II verantworten. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.

Florian R. arbeitete im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes als Küchenkraft in dem Kindergarten. Von Anneliese K. fühlte er sich ungerecht behandelt. Sie hatte ihn aufgefordert, schneller zu arbeiten. Florian R. kümmerte sich aber nicht darum. Als Anneliese K. ihm am Morgen jenes 10. Dezember in der Küche für einen Augenblick den Rücken zuwandte, nahm er ein blau-weiß-kariertes Geschirrtuch, drehte es zusammen, legte es seinem Opfer schnell um den Hals und zog es mit beiden Händen fest zu. Anneliese K. wehrte sich mit aller Kraft und versuchte zu schreien.

"Was haben Sie in diesem Moment gedacht?", fragt der Vorsitzende der 1. Jugendkammer, Richter Thomas Bott, den Angeklagten bei der Vernehmung. "Gar nichts, überhaupt nichts", lautet die Antwort. Ob die Tat einen Bezug zu den Computerspielen habe, will Richter Bott schließlich wissen. "Ich weiß nicht, ob sie dabei eine Rolle spielten. Ich wollte einfach, dass es damit aufhört, dass man mir mit Kritik kommt", antwortet der 19-Jährige.

Anneliese K. gelang es mit letzter Kraft die Küchentüre zu öffnen, so dass ihre Kolleginnen auf ihr Röcheln aufmerksam wurden. Die Frauen überwältigten Florian R. Angestellte des Kindergartens sagten später gegenüber der Polizei, der 19-Jährige habe sich nach der Tat neben eine Tonne gesetzt und gemurmelt: "Ich bin ein Monster, ich hab' das nicht gewollt, bringt mich doch gleich um." Florian R. hatte zudem ein Einhandmesser in der Hosentasche. Doch damit habe er Anneliese K. nicht angreifen wollen, versicherte er bei seiner Vernehmung.

Der Penzberger wurde nach der Attacke auf Anneliese K. zunächst in ein Krankenhaus gebracht. Er hatte einen Kollaps erlitten. Bereits seit einer Bäckerlehre hatte Florian R. immer wieder solche Kreislaufzusammenbrüche. Sie kündigen sich an, indem seine Hände zu zittern beginnen. Als er auf Anneliese K. zugegangen sei, "habe ich schon keine Kontrolle mehr gehabt über mich", behauptet der 19-Jährige.

Das Wochenende vor der Tat hatte R. mit Spielen am Computer verbracht. Die Leiterin des Kindergartens hatte ihm am 7. Dezember bereits angekündigt, dass sie ihn entlassen werde, weil sie mit seinen Arbeitsleistungen nicht zufrieden sei. Die Details, etwa über eine Auflösung des Arbeitsvertrages, sollten an jenem 10. Dezember besprochen werden. Er hätte doch mit seinen Eltern über alles reden können, meint Richter Bott. Worauf Florian R. antwortet: Er habe befürchtet, er würde seine Eltern "brutal enttäuschen". Der Prozess dauert an.