Haberfeldtreiben:Wahr is's!

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Haberfeldtreiben: Die Haberer betreten mit Mistgabeln, Besen, Kuhglocken und Ketten beim Starkbierfest das Ascholdinger Gasthaus Holzwirt.

Die Haberer betreten mit Mistgabeln, Besen, Kuhglocken und Ketten beim Starkbierfest das Ascholdinger Gasthaus Holzwirt.

(Foto: Claudia Koestler)

Die Haberer von Ascholding nehmen beim Starkbierfest die Politik aufs Korn - nur die Bürgermeisterin wird geschont.

Von Claudia Koestler, Dietramszell

Am Samstag wurde im Ascholdinger Gasthaus Holzwirt das Bier wieder ordentlich eingeschenkt, aber auch der Spott kräftig ausgeteilt, denn dort dreschen die Haberer die Wahrheit ans Licht. Dazu allerdings wurde es dunkel: Nachdem die Ascholdinger Blaskapelle das Publikum zwei Stunden lang in Laune gespielt hatte, ging das Licht im Saal aus. Furchterregende Gesellen, die Haberer, betraten mit Mistgabeln, Besen, Kuhglocken und Ketten den Saal und verkündeten: "Wir haben uns versammelt, um Gericht zu halten: Über die weniger Guaten und die ganz die Schlechten, über die Unbarmherzigen und die Selbstgerechten, über die G'schaftlhuaber, die wo nix z'reißen, und Politiker, die auf uns obasch . . . auen."

Sie seien, erklärte der Scharfrichter vom Besenbindergericht, zwar schwarz im Gesicht, "aber nicht aus Afrika, sondern mit'm VW Diesel da". Nichts und niemand war sicher vor den Haberern, nur Bürgermeisterin Leni Gröbmair (VB) wurde diesmal verschont. Allerdings hatten sie zuvor bereits die Musiker aufs Korn genommen. Sie begrüßten statt ihrer nur den Zweiten Bürgermeister Michael Häsch (CSU), die Geistlichkeit und die Gemeinderäte. Der vermeintliche Fauxpas entpuppte sich als Retourkutsche: Sie hatte jüngst den Musikern einen Schnaps gereicht, der nur aus Wasser bestand.

Die Haberer selbst spießten zunächst die internationale Politik auf: In den USA ist der Wahlkampf in vollem Gange. "Der Donald Trump, ihr kennt in eh, das kränkste Hirn in Übersee", urteilten sie. Denn: Er wolle auf Flüchtlingskinder schießen. "Er will hinein ins Weiße Haus, nach Agatharied schaut mir des eher aus." Für Gäste aus dem Morgenland proklamierten sie "Paragraf eins aus unserer Leitkultur: An Silvester bleibt die Hos'n zua."

Zwar mache das Flüchtlingsthema "langsam müd, drum sag'ma nix von Geretsried". Dennoch schwenkten sie damit ins Lokale - und referierten eine wahre Begebenheit: "In Icking eine neue Heimat fand eine Flüchtlingsfrau im Umstandsgwand. Als geboren war das kleine Kind, hat man geschaut, dass man an Namen find'. Der war g'funden boid, das Wurzerl, das heißt Icking heut." Auch nahe Ascholding erwartet man in Kürze Flüchtlinge: "Den Namen Sepperl gibt's scho lang, vielleicht heißt manches Kind bald Mang?" An der Mangmühle soll eine Unterkunft entstehen.

Insbesondere aber die Feuerwehr bekam ihr Fett weg: "Wenn man ihr Auto braucht, dann tut es fehlen, es war grad weg zum Maibaumstehlen. Seltsam, da ist's angesprungen, bei keinem Einsatz ist das je gelungen." Eine Pumpe gäbe es, die gar nichts taugt, "sie spritzt vorn nicht, weil's hint' nicht saugt. Manch Mitglied von der Feuerwehr, saugt schneller einen Weiher leer". Auf die wiederkehrende Frage des Anklägers "Haberer, is' wahr?" antworten die vermummten Gestalten auf der Bühne stets "wahr is's!" Das Urteil wurde gesprochen: "Dann treibt's as raus aufs Haberfeld."

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