Tourismus Bad Tölz bei Urlaubern beliebt

Nach der Sanierung stehen im Hotel Tölzer Hof wieder alle Betten zur Verfügung. Dies ist ein Grund für die gestiegenen Übernachtungszahlen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Kurdirektorin Brita Hohenreiter verzeichnet erstmals seit Jahren wieder ein Plus bei Gästen, die sich in der Stadt einquartieren. Als Gründe sieht sie den heißen Sommer, die Sanierung des Tölzer Hofs und die Vermietungen im ehemaligen Jodquellenhof.

Von Klaus Schieder

Das ist Brita Hohenreiter schon lange nicht mehr passiert. Zum ersten Mal seit Jahren hat die Kurdirektorin in ihrem touristischen Jahresbericht wieder ein Plus bei den Übernachtungen in Bad Tölz stehen. Die Zahl der Gäste, die 2018 eine oder mehrere Nächte in einem Hotel oder einer Pension verbrachten, stieg um 2,34 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Trotz dieses Aufwärtstrends stimmte Hohenreiter im städtischen Kur- und Tourismusausschuss abermals ihr ceterum censeo an: Bad Tölz brauche dringend mehr Hotelbetten, sagte sie. "Wir können keine noch größeren Plus-Zahlen erwirtschaften, weil wir nicht mehr Betten haben."

Die Kurdirektorin führte zwei Gründe für die gestiegenen Übernachtungen an. Der ungewöhnlich heiße und sonnige Sommer habe dem Tourismus in Bayern ein Rekordjahr beschert, wovon vor allem Oberbayern und damit auch Bad Tölz profitierte, sagte sie. Vor allem aber bot die Kurstadt 113 Betten mehr an als noch 2017. Dies liegt zum einen daran, dass das Hotel "Tölzer Hof" seine Sanierung beendete und wieder alle Zimmer offerieren konnte. Zum anderen wandelte die Jod AG das ehemalige Hotel Jodquellenhof, das zwischenzeitlich als Flüchtlingsunterkunft gedient hatte, in eine Art Hostel um, das Arbeitnehmern aus dem In- und Ausland als Quartier dient. Auch wenn sich diese Nutzung belebend auf ihre Übernachtungsstatistik niederschlägt, schränkte Hohenreiter ein: "Der touristische Wert dieser Vermietung ist eher gering." Überdies verbuchten die vier Sanatorien in Tölz wieder mehr Gäste: Diese Zahl stieg insgesamt um rund 4000 auf gut 124 000.

Die Problematik der fehlenden Betten sieht die Kurdirektorin dadurch allerdings kaum behoben. Das verdeutlichte sie am Beispiel Kurhaus: In den vergangenen drei Monaten habe der Pächter zwei mehrtägige Tagungen von internationalen Konzernen und große Hochzeiten absagen müssen, weil die Gäste "nicht wunschgemäß untergebracht" werden konnten. "Insbesondere bei Tagungen ist eine Aufteilung der Teilnehmer auf zehn oder mehr Häuser für die Firmen nicht akzeptabel."

Leicht rückläufig war im Vorjahr die Zahl der Ankünfte, die um 1,73 Prozent sank. Hohenreiter führte dieses Minus vornehmlich darauf zurück, dass 2018 weder die Baumaschinen-Messe "Bauma" in München noch die Energie- und Baumesse in Tölz stattfanden. Ein paar weitere Daten: Die Betten in der Kurstadt waren vergangenes Jahr zu 45,25 Prozent ausgelastet (2017: 46,78 Prozent). Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei 4,41 Tagen, im Jahr zuvor waren es nur 4,23 Tage.

Der Wohnmobilplatz an der Isar fließt in die Übernachtungszahlen nicht ein. Dort steigt die Zahl der Camper indes seit Jahren kontinuierlich an. 2018 zählte die Stadt insgesamt 11 561 Wohnmobile, dies sind gut 1000 mehr als im Jahr davor. Das Areal an der Isar mit seinen 30 Stellflächen sei oft zu mehr als 100 Prozent ausgelastet, weil dort mehr Campingwagen stünden als Plätze vorhanden seien, so Hohenreiter. Sie schätzt diese Touristen, weil sie in Gasthöfen und Cafés, Geschäften und Freizeiteinrichtungen in Bad Tölz ihr Geld ausgeben. "Das sind keine Billigurlauber."

Peter Wiedemann (FWG) ließ es sich angelegen sein, Wasser in den Wein zu gießen. "Mir sind die Zahlen zu rosarot dargestellt", sagte er. Seine Kritik: Die Stadt schöpfe das Potenzial bei weitem nicht aus, das der Erfolgstourismus in Bayern biete. Seine Forderung: "Wir brauchen Betten, wir brauchen Veränderung." Hohenreiter sind solche Äußerungen zu schwarzmalerisch. Sie finde es "schade, wie schlecht wir uns in Tölz verkaufen". Dabei sei man noch immer "ein leistungsstarker Tourismusort". Erfreut zeigte sich Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG). Die Kurstadt bleibe eine "interessante Destination", sagte er. Aber auch für ihn wäre mehr möglich. "Wenn wir es schaffen, eine größere Hotel-Neuansiedlung zu bekommen, dann schaut es noch ganz anders mit den Wachstumsraten aus".