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SZ-Serie Klostergeister:Meisterin für alle Fälle

Klostergeister Beuerberg Stückl

Ein neues Gemälde fürs Kloster? Stefanie Stückl regelt die Anlieferung und hängt es in Abstimmung mit Direktor Christoph Kürzeder an seinen neuen Platz.

Stefanie Stückl sieht täglich im Ausstellungsbereich des Klosters nach dem Rechten. Die Schreinerin ist die erste fest angestellte Mitarbeiterin im lokalen Team

Von Felicitas Amler

Früher, während ihrer Ausbildung an der Garmischer Meisterschule für Schreiner, hat Stefanie Stückl es "keine drei Tage ausgehalten", nicht in Beuerberg zu sein. Dort ist sie geboren und aufgewachsen. Heute sagt die 41-Jährige über das Kloster an ihrem Heimatort: "Mir geht's ab, wenn ich mal einen Tag nicht da bin." Der barocke Ort, von den letzten Schwestern vor sechs Jahren verlassen, habe schon "einen besonderen Spirit". Ein gewöhnlicher Arbeitsplatz ist das Kloster jedenfalls nicht für sie. Stückl ist die erste und einzige fest angestellte Beuerbergerin, die im Team des Diözesanmuseums mitwirkt. Das Museum unter Leitung des Theologen und Volkskundlers Christoph Kürzeder bespielt einen Teil des aufgelassenen Klosters nun schon im fünften Jahr mit wechselnden Ausstellungen. Stefanie Stückl war von Anfang an dabei, zunächst mit einzelnen Aufträgen als Schreinermeisterin, jetzt als Hausmeisterin mit halber Stelle.

"Sehen, fühlen, riechen", so beginne ihr Tag auf einem Rundgang durch den vom Museum genutzten Trakt des Hauses. Ist eine Tür offengeblieben; tummeln sich irgendwo Insekten; ist ein Rohr verstopft? Stückl kennt die Räume bestens, vom Keller bis in den Speicher. So kann sie auch aus dem Effeff sagen, dass unterm Dach heuer 642 Fledermäuse leben, voriges Jahr waren es nur etwa 300. Die Untere Naturschutzbehörde kommt jedes Jahr einmal, um sie zu registrieren. Dass das Kloster so ein Hort für eine streng geschützte Tierart ist, das ist schon eindrucksvoll. Aber die Hausmeisterin weiß genauso um die Kehrseite: Den Dreck müsse man halt auch wegmachen. "Fledermausguano", sagt sie lachend.

Das Lachen scheint überhaupt zu ihr zu gehören. Die Augen blitzen nur so, wenn sie erzählt, wie toll das Team in Beuerberg zusammenarbeite. Das muss es auch, denn Kürzeder ist bekannt für impulsive Ideen und für Entscheidungen auf den letzten Drücker. Mal kippt er das ganze Ausstellungsthema zu einem Zeitpunkt, an dem andere darüber verzweifeln würden - und es gelingt trotzdem. Mal fällt ihm spontan ein, dass sich der Brunnen im Kreuzgang doch für Fische eignen würde. Das war dieses Jahr. Und so ging Stefanie Stückl zwei Tage vor Ausstellungseröffnung los und besorgte zwei Goldfische. Sie haben sich gut eingelebt - und auch schon vermehrt. Die Hausmeisterin lächelt. "Natürlich hat man mal Stress, aber es ist nie ein Ärger und Clinch von oben her." Das liebe sie so an diesem Job.

"So reingerutscht"

Stefanie Stückl und ihr Ehemann Jakob haben eine "Ein-Mann-eine-Frau-Firma", so nennt sie die Schreinerei und Zimmerei, die natürlich in Beuerberg ansässig ist. Treppen, Einbaumöbel, Küchen, was eben so anfalle, gehört zu ihrem Programm. In das Metier sei sie "so reingerutscht", sagt Stückl. Ihr Großvater war Schreiner, ihr Vater auch. Mit ihm sei sie als Kind schon gelegentlich in diesen geheimnisvoll abgeschlossenen Ort Kloster Beuerberg hineingekommen. Fenster wurden da zum Beispiel geliefert, aber auch Särge. "Ganz ehrfürchtig" sei sie mitgegangen, dann hätten die Schwestern manchmal gefragt: Wollt ihr schnell schauen? Und das wollte sie. Wie viele Beuerberger Kinder hat Stefanie Stückl außerdem manchmal Löwenzahn gesammelt, aus dem die Schwestern den berühmten Likör herstellten. Zum Dank habe es immer einen sternförmigen Lebkuchen gegeben - im Mai.

Mit den selben Worten wie über ihren Beruf spricht Stückl über ihre Hausmeisterei im Kloster. Auch da sei sie "so reingerutscht", sagt sie. Und: "Mir hat das vom ersten Tag an total gefallen." Nach vier Jahren, am Ende der Ausstellung 2019, habe Kürzeder sie dann gefragt, ob sie nicht fest angestellt fürs Kloster arbeiten wolle. Und das wollte sie. Eine gute Entscheidung, möchte man meinen. Denn Stefanie Stückl ist nicht nur selbst sehr zupackend, sondern auch am Ort bestens vernetzt. Wenn ein Fallrohr verstopft ist und man den Schaden nur vom hohen Dach aus beheben kann; oder wenn, wie neulich beim Starkregen, das Wasser im Keller steht, weiß sie immer Rat. "I frog meine Leit", sagt sie im schönsten Bairisch, "und dann passiert des halt sofort."

Gerade hat sie festgestellt, dass die Notbeleuchtung einen Fehler hat. "Das muss ich noch rausfinden", sagt sie entschlossen. Im Zweifel gibt es aber auch noch den professionellen Facility-Service, der zweimal pro Woche die technischen Anlagen wartet. Viel Koordination gehöre zu ihrer Arbeit, sagt die Hausmeisterin, Termine für Handwerker seien zu vereinbaren oder Angebote einzuholen, etwa für den Fettabscheider in der Küche.

Familie Stückl hat zwei Kinder im Alter von elf und zwölf Jahren und unterhält einen Hof mit Pferden, Hühnern und Enten. Fulltime-Job Schreinerei, Familie und Hof - als ob all das nicht genügte, nun also der Halbtagsjob im Kloster. Manchmal, sagt Stefanie Stückl, genieße sie es dann doch, wenn sie einen Sonntag lang nur zu Hause sei. Aber spätestens am Abend sage sie sich: Jetzt warst du gar nicht im Kloster - ob da alles in Ordnung ist? Und dann freue sie sich auf den nächsten Morgen, an dem sie wieder an diesen "Kraftort" gehe. Neuerdings als erstes zu den Fischen.

© SZ vom 25.08.2020
Klostergeister Beuerberg Stückl

Im Brunnen des Kreuzgangs schwimen seit diesem Jahr Goldfische.

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