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Nach dem Tod ihres Mannes sorgt Nadja K. alleine für ihre fünf Kinder

An Weihnachten war es ziemlich schlimm - da war die Erinnerung besonders schmerzlich. Wobei Erinnerung: So kann man das vermutlich gar nicht nennen. Es war schließlich erst an Ostern des vergangenes Jahres. Da starb ihr Mann nach langer Krankheit an Speiseröhrenkrebs. Am Ostersonntag habe sie ihm noch ein Osterlamm ins Krankenhaus gebracht, sagt Nadja K. (alle Namen geändert). Zwei Tage später waren sie und die fünf gemeinsamen Kinder plötzlich alleine.

Nadja K. wirkt äußerlich sehr gefasst, als sie ihre Geschichte erzählt. Sie kann sich ja nicht einfach gehen lassen, nicht mit den fünf Kindern. Gerade hat sie mit dem Einkaufstrolley den Wocheneinkauf vom nahegelegenen Supermarkt nach Hause geschleppt, über die Schulter noch eine schwere Jutetasche gehängt.

Nadja K. kommt ursprünglich von der Elfenbeinküste. Bei einem München-Besuch lernte sie im Jahr 2000 ihren späteren Mann kennen, einen Wolfratshauser. Mit ihm bekam sie drei Kinder, dazu vor sieben Jahren noch Zwillinge. 18 Jahre lang waren die beiden Eheleute verheiratet - bis der Krebs sie voneinander trennte. Ihr Mann wäre gerne daheim geblieben, aber den kranken Papa zu Hause leiden zu sehen, das habe man den Kindern nicht zumuten wollen. Deswegen verbrachte er seinen letzten Lebensabschnitt im Krankenhaus. Ihr Mann hat in der Familie eine große Lücke hinterlassen. "Aber die Großen unterstützen mich, so gut sie können". Und tatsächlich: Kaum hat sie an der Tür geläutet, kommen schon die beiden ältesten Geschwister die Treppe heruntergerannt, um sich den Wocheneinkauf zu schnappen. Der zwölfjährige Marcus kocht außerdem ab und zu, macht sauber oder holt die Kleinen vom Hort ab. Iris, die Erstgeborene, trägt Zeitungen aus und steuert von ihrem Lohn auch immer wieder etwas zum Haushaltsgeld bei. Es reiche gerade so zum Leben, sagt Nadja K. In ihrem Job als Altenpflegerin verdient sie zwar nicht viel - aber eben noch zu viel, um staatliche Hilfe zu bekommen. "Das meiste Geld geht für die Miete drauf", manchmal gehe sie deshalb auch zur Geretsrieder Tafel. Für einen Urlaub habe sie aber schon lange nicht mehr genug ansparen können - genau genommen schon seit 2007 nicht mehr. Damals hat sie ihrem Mann und den Kindern die Elfenbeinküste gezeigt, ihre Heimat.

Um mal wieder ein bisschen ausschnaufen zu können, bräuchte die Familie eine kleine Auszeit. Momentan reiche das Geld aber nicht einmal mehr für warme Stiefel. Ihre Winterschuhe habe sie der älteste Tochter vermacht, sagt K., sie selbst sei nur noch in Sneakern unterwegs. Und auch die Bescherung an Weihnachten: Die musste eher spärlich ausfallen. Dabei würden sich die Kinder auch mal über neues Spielzeug freuen.

© SZ vom 29.01.2020
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