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SZ-Adventskalender:Fatale Folgen

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Peter M. kämpft sich nach einer Pilzvergiftung zurück ins Leben

Von Claudia Koestler, Bad Tölz-Wolfratshausen

Es war ein Fehlgriff, der ihn fast das Leben gekostet hätte und dessen Folgen nun sein ganzes Dasein bestimmen: "Dabei war ich mir immer so sicher, dass ich wusste, was ich da tue. Ich war schließlich schon als Kind mit meiner Oma in den Schwammerl, habe mit ihr Pilze gesucht, zubereitet und gegessen - da hat sich nie was gefehlt", erzählt Peter M. (Name geändert). Doch an diesem einen Tag im Jahr 2002 war er sich zu sicher, dass die Pilze, die er da auf einer Wiese nahe Königsdorf fand, genießbar seien. "Ich habe sogar zuhause noch einmal nachgeschaut und fand, dass es bestimmt Saftlinge sein müssten." Waren es aber nicht. Waser da gepflückt, in seinen Korb gelegt und in der Küche zubereitet hat, waren sogenannte Spitzbucklige Rauköpfe. Und diese enthalten den Giftstoff Orellanin und führen bei Verzehr zu Nierenversagen, das tödlich enden kann.

Eine Woche lang plagen Peter M. starke Bauch- und Flankenschmerzen, "ich dachte zunächst, das wären Rückenschmerzen." Ein Arzt gibt ihm eine Spritze, doch es geht ihm zusehends schlechter. Als ihm ein Arzt Blut abnimmt und die Werte sieht, weist er ihn sofort in die Klinik ein, sofort muss Peter M. an die Dialyse. Seine Nieren bleiben jedoch irreparabel geschädigt, seine Leber ist ebenfalls stark angegriffen. Seither muss der heute Mitte Vierzigjährige dreimal in der Woche zur Blutwäsche. "Vorher war ich pumperlgesund, der Pilz hat mein ganzes Leben versaut", sagt er heute. Denn nicht nur ist er seit der Vergiftung Dialysepatient und kann seiner gelernten Arbeit als Handwerker nicht mehr nachgehen. Auch seine Ehe zerbrach an der Erkrankung, "meine Frau konnte damit nicht umgehen, einen chronisch Kranken zuhause zu haben."

Doch es gibt noch ein weiteres Problem, das eine Folge ist. Seither muss Peter M. von Erwerbsminderungsrente leben, gerade einmal 900 Euro im Monat. Nach Abzug von Miete und Fixkosten bleibt ihm nicht mehr viel, er schafft es gerade so über die Runden. Um zur Dialyse zu kommen, ist er auf ein kleines Auto angewiesen - und auf seinen Führerschein. Weil er sich ein bisschen Geld dazuverdienen wollte, arbeitete Peter M. nebenbei zwei Stunden als Ausfahrer für einen sozialen Dienst. Dieser war so zufrieden, dass ihm angeboten wurde, mehr zu arbeiten und auch Personen zu befördern. Dazu absolvierte er den nötigen Personenbeförderungsschein, und dass er dafür alle zwei Jahre zur Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) antreten musste, ging viele Jahre gut, auch, weil der soziale Dienst die Kosten übernahm. Allerdings müsste er als Dialysepatient sogar jährlich die Untersuchung absolvieren. Durch den Personenbeförderungsschein bemerken die Behörden seine Krankheit. Doch der Brief, dass er nun jährlich auf seine Fahrtauglichkeit überprüft werden muss, geht während eines Umzugs verloren. Prompt gerät er in eine Polizeikontrolle, wo ihm die Beamten an Ort und Stelle den Führerschein entziehen. Um ihn wiederzubekommen, muss er nun die MPU bestehen, doch er weiß nicht, wie er die Kosten - rund 980 Euro inklusive Vorbereitung - stemmen soll. Denn sein früherer Arbeitgeber springt nicht mehr ein, er muss es selbst bezahlen, auch wenn er nach bestandener Prüfung wieder seinen ursprünglichen Fahrjob aufnehmen kann. "Ich hoffe so sehr, dass mir jemand helfen kann. Der Führerschein ist doch das Einzige, das mir noch geblieben ist", sagt Peter M.

© SZ vom 11.02.2020

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