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Stellenabbau bei der Bundeswehr:Angst vor dem langen Dienstweg

Der Landtagsabgeordnete Florian Streibl warnt vor einem erschwerten Katastrophenschutz durch die Bundeswehrreform. Die Antwort der Staatsregierung sieht er mit Sorge.

Bernhard Lohr

Die schweren CH-53-Hubschrauber haben Schlimmeres verhindert. Mit Hilfe der Bundeswehr-Maschinen vom Stützpunkt in Laupheim nahe Ulm wurde im vergangenen November der Brand im Bergwald oberhalb des Sylvenstein-Stausees innerhalb weniger Tage unter Kontrolle gebracht. Der Landtagsabgeordnete Florian Streibl (Freie Wähler) befürchtet jetzt, dass die geplanten Einschnitte bei der Bundeswehr die Kommunen im Oberland treffen werden. Die Staatsregierung räumt ein, dass ehrenamtliche Rettungskräfte in Zukunft im Katastrophenfall wichtiger werden könnten.

Feuer Brand Falkenberg Bergwald Sylvensteinstausee

Bei der Brandbekämpfung am Sylvenstein-Stausee war die Bundeswehr ein wichtiger Helfer.

(Foto: Manfred Neubauer)

Es gab einmal Zeiten, da griff man im Tölzer Landratsamt im Katastrophenfall zum Telefon und rief in Lenggries beim Kasernenkommandanten an, um 100 Helfer abgestellt zu bekommen. Der "kurze Dienstweg" war vor der Schließung der letzten Kaserne im Landkreis 2002 eine genutzte Option. Doch über die Jahre hat sich die Bundeswehr zurückgezogen. Dienstwege wurden für den Katastrophenfall neu festgelegt, um die Zusammenarbeit zwischen Landratsamt und Bundeswehr zu regulieren.

Einfacher ist aus Sicht von Alexander Bauer, der im Tölzer Landratsamt für den Katastrophenschutz zuständig ist, die Zusammenarbeit nicht geworden. Die Dienstwege seien länger; die Anfahrtswege für Helfer, die bei Hochwasser Sandsäcke stapeln könnten, natürlich auch.

Wie es derzeit aussieht, stehen die CH-53-Hubschrauber aus Laupheim, die auch Wassertanks transportieren können, weiter zur Verfügung; wenngleich Streibl befürchtet, es könnte bei einer kleineren Truppe auch da zu Kapazitätsengpässen kommen. Sollte allerdings der Luftwaffen-Standort in Penzing nahe Landsberg, wie es zuletzt hieß, im Jahr 2020 aufgelöst werden, könnte es schwieriger werden, die leichteren Bundeswehr-Hubschrauber im Oberland zum Einsatz zu bekommen.

Diese Hubschrauber werden laut Bauer vom Tölzer Landratsamt für Beobachtungsflüge eingesetzt, für kleine Löscheinsätze oder zur Bergrettung, wenn der Rettungshubschrauber aus Murnau anderswo unterwegs ist.

Ganz abgesehen von Spezialgerät, das nur die Bundeswehr stellen kann, hält es Streibl für kurzsichtig, wenn die Staatsregierung auf seine Anfrage antwortet, dass ehrenamtliche Rettungskräfte wichtiger werden könnten. Streibl warnt vor steigenden Kosten für die Kommunen, die beim Einsatz von Feuerwehrleuten von deren Arbeitgebern wegen des Arbeitsausfalls zur Kasse gebeten würden.

Und die Bundeswehrstrukturreform erleichtert aus Streibls Sicht den Einsatzkräften die Arbeit in Katastrophenfällen nicht. Ein bisher zu wenig berücksichtigter Aspekt sei, dass der Ersatzdienst, zu dem sich bisher junge Wehrpflichtige bei Feuerwehren oder Rettungsdiensten verpflichten konnten, gestrichen wurde. Zuletzt leisteten im Landkreis sieben Feuerwehrleute einen solchen auf sechs Jahre angelegten Dienst.

Aus Sicht des für den Nordlandkreis zuständigen Kreisbrandinspektor Christian Sydoriak ist deren Wegfall "nicht so dramatisch". Dennoch sieht er die von Streibl angesprochene Problematik einer sich zurückziehenden Bundeswehr. Schließlich stünden die Feuerwehren selbst vor Herausforderungen. "Die demografische Entwicklung trifft knallhart auch die Feuerwehren."

Kreisbrandrat Karl Murböck sagt, "wir müssen uns anstrengen". Mit jungen Leuten alleine werde man die sich abzeichnenden Lücken nicht schließen können. Er setzt auf mehr Frauen bei der Feuerwehr, auf mehr "ausländische Mitbürger" und darauf, dass Ältere zum Dienst dazustoßen oder länger aktiv bleiben.

© SZ vom 03.01.2012

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