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Sicherheit im Verkehr:Achtung, Bikerkontrolle!

Hier geht's zur Kontrolle: Die Münchner Verkehrspolizei hat am Schäftlarner Klosterberg Motorradler und ihre Maschinen unter die Lupe genommen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Eine neue Spezialeinheit der Münchner Verkehrspolizei sucht am Isarhang bei Schäftlarn nach illegal aufgemotzten Motorrädern

Und da kommt auch schon der nächste Kandidat - ein Motorrad wie aus der Geisterbahn. Unter dem Lenker grüßt ein Totenkopf, auf den Spiegelkappen prangen knochige Hände, um den Tank ist ein Patronengürtel geschnallt. Würde der Teufel sich einen Höllenrenner bauen wollen, er hätte mit diesem Gefährt eine gute Vorlage. Und bei so vielen Umbauten an der Maschine: Klar, dass da die Kelle rausgeht.

Am Kloster Schäftlarn hat am Freitag eine groß angelegte Bikerkontrolle stattgefunden, durchgeführt von der Kontrollgruppe Motorrad, einer neuen Spezialeinheit der Verkehrspolizei in München. Die Mitglieder dieser Abteilung sind in aller Regel bei Staatsbesuchen eingesetzt oder bei Demonstrationen. Seit April führt die Spezialeinheit aber etwa zwei Mal im Monat auch Motorradkontrollen durch, "quasi im Nebenerwerb", sagt Polizeioberkommissar Michael Eichner. Das Einsatzgebiet konzentriert sich dabei vor allem auf die Stadt und den Landkreis München. Aber auch im Oberland ist die Polizeieinheit immer mal wieder aktiv, am Kesselberg oder am Sudelfeld.

Die Straße zwischen Kloster Schäftlarn und Hohenschäftlarn hat sich die Polizei am Freitag deshalb vorgenommen, weil der kurvige Abschnitt am Isarhang eine bei Motorradfahrern beliebte Rennstrecke ist. Manche würden auch gleich zehn Mal am Stück hoch- und wieder runtersausen, immer auf der Jagd nach einer neuen Bestzeit, sagt Einsatzleiter Eichner. Seit 2015 habe es auf der Strecke deshalb fast 30 Unfälle mit Zweirädern gegeben. In der Statistik würden da zwar auch ein paar Radlunfälle mitgezählt, so Eichner. Das weitaus größere Probleme seien aber die Motorräder.

Die Mitglieder der Kontrollgruppe fahren fast alle selbst Motorrad. "Das hilft beim technischen Verständnis", sagt Jan Bröer. Auch er hat bei sich daheim eine Tourenenduro stehen. Bereifung, Bremshebel, Fußrasten, Auspuffanlage - als motorradfahrender Polizist habe man einfach den besseren Blick für mögliche Modifikationen an der Maschine. Wobei es nicht darum gehe, den Leuten ihr Hobby zu nehmen, so Bröer. Viele würden Hunderte von Stunden an ihrem Motorrad herumbasteln. "Das wollen wir den Leuten gar nicht kaputtmachen", sagt der Beamte. Aber nicht alles, was im Handel verkauft werde, sei eben auch zulässig.

An dem Totenkopf-Bike fallen Bröer gleich mal die Spikes vorne auf der Radabdeckung auf. "Die finde ich bedenklich", sagt er. Der Fahrer der Höllenmaschine bleibt trotzdem erst einmal entspannt. Polizeikontrolle? Das kennt er schon. "Mit dem Blinker hat es angefangen", erzählt er, während die Polizei weiter sein Motorrad begutachtet. Dann ging es vor drei Jahren mit dem Aufmotzen so richtig los. Ein Teil nach dem anderen sei hinzugekommen. Am Ende stand dieses Teufelsgerät da. Klar, sagt der schwarz gekleidete Biker, beim Tüv bekomme man dafür schon auch mal einen Spruch gedrückt. Aber ansonsten: alles legal, alles eingetragen, sagt er.

Während die Beamten das Motorrad noch untersuchen, werden schon die nächsten rausgewunken. Carsten Saager ist unterwegs zu den Motorrad-Days, die am Wochenende in Garmisch waren. Sein Kumpel war zu schnell unterwegs, ihn selbst hat es nicht erwischt. Er muss trotzdem kurz mitwarten. Stolz sitzt er auf seiner BMW R100-S, Baujahr '79. Das Motorrad sieht fast aus wie neu. "Alles selbst hergerichtet", sagt Saager. Ob er Verständnis für die Kontrolle hat? "Klar, es gibt Kandidaten, die gehören auch rausgezogen."

Über 40 Motorräder hat die Polizei am Freitagnachmittag beim Kloster Schäftlarn kontrolliert, bei denen die Fahrzeugführer anschließend wegen unterschiedlichster Delikte angezeigt wurden. An dem Totenkopf-Bike allerdings war am Ende fast alles in Ordnung. Die Spikes am vorderen Schutzblech erwiesen sich als flexible Gummihütchen - harmlos also. Nur am Blinker hatte die Polizei etwas zu bemängeln. Falsche Frequenz - der blinkte einfach zu langsam.