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Schwuler Priester Peter Priller:Neuer Versuch bei den Alt-Katholiken

Auch Priller weiß von diesen Gruppen, aber er wollte kein ständiges Versteckspiel. Hätte er "das Sexuelle" verleugnet, hätte er römisch-katholischer Priester bleiben können. "Aber eine heimliche Beziehung wollten wir beide nicht", sagt er. Es kam zum Bruch mit der Kirche, Priller wurde exkommuniziert. Ganz ruhig erzählt der schmale Mann mit der runden, randlosen Brille davon, wie er seinen Beruf verlor und seine Kirche, allein wegen seiner sexuellen Orientierung.

Dabei fühlt er sich von Gott so geschaffen und so gewollt, wie er ist. "Und ich habe das Glück, in einer Zeit zu leben, in der ich so überleben kann, wie ich bin." Die Sexualmoral der römischen Kirche stört ihn grundsätzlich: "Das Axiom, dass jede Sexualität außerhalb der Ehe Sünde ist, ist schlicht und ergreifend ein Krampf." Es diene dazu, den Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen und so Macht über sie zu erlangen.

Und tatsächlich hat Priller es geschafft, nicht nur seine Liebe und seine Sexualität zu leben, sondern auch seine Berufung als Priester. Wenn auch mit Einschränkungen. 1996 wechselte er zu den Alt-Katholiken. Trotz ihres Namens sind die nicht besonders konservativ, sondern in vielem weiter als die römisch-katholische Kirche, die Priller nur "die römische" nennt, weil für ihn "katholisch" so viel heißt wie "ans Ganze gewandt".

Es gibt bei den Alt-Katholiken keinen Pflichtzölibat, Homosexualität wird akzeptiert, Frauen können zu Priesterinnen geweiht werden. Vor allem erkennen die Alt-Katholiken die Dogmen des ersten Vatikanischen Konzils von 1870 nicht an, halten also unter anderem den Papst nicht für unfehlbar. Für Priller die richtige Heimat: "Ich hing sowieso nicht so am Unfehlbarkeitsdogma."

Obwohl viele "Römische" im Herzen eigentlich Alt-Katholiken seien, wie Priller meint, zählt diese Kirche doch nur 20.000 Mitglieder in Deutschland, etwa 3000 in Bayern und 600 in der Gemeinde München, zu der auch Prillers Pfarrstelle zählt.

Deshalb arbeitet er ehrenamtlich als Priester, hat mit seinem verstorbenen Lebensgefährten eine Gemeinde aufgebaut von etwa 100 Gläubigen, die sich auf beinahe das ganze Oberland verteilen. "Da ist schon was entstanden", sagt er, und in seiner Stimme schwingt Stolz mit.

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