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Zäsur an der Spitze des Isartalvereins:Weichensteller Richtung Grün

Heuer stehen wichtige Termine an, etwa zur Wassermenge für das Walchenseekraftwerk.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Unter der Ägide von Erich Rühmer hat der Isartalverein viele Projekte zum Schutz und zum Erhalt der Natur umsetzen können. Auch heuer stehen wichtige Entscheidungen an, etwa zum Walchenseekraftwerk, bevor der Vorsitzende nach 17 Jahren seinen Posten abgeben wird

2020 ist Erich Rühmers letztes Jahr als Vorsitzender des Isartalvereins. Seit seiner Pensionierung ist der ehemalige Schäftlarner Bürgermeister in diesem Amt - "17 Jahre im ,Unruhestand' langen dann", scherzt der 82-Jährige. "Ich habe eine 30-Stunden Woche." Einige Projekte hat er sich jedoch noch für das Isartal vorgenommen.

Die Fichten müssen weg, sie halten den Borkenkäfern nicht mehr stand. Der Eichenspinner macht die Eichen kaputt, das Eschentriebsterben die Eschen, der Ulmensplintkäfer die Ulmen. "Und der Rest macht die Trockenheit", sagt Rühmer. Kinder sollen deshalb bei der Aktion "Plant for the Planet" die beständigeren Weißtannen, Elsbeeren, Flatterulmen und Buchen pflanzen. Wie viele, das hängt von der Anzahl der Anmeldungen ab. "40 Kinder pflanzen ungefähr 200 Bäume", sagt Rühmer. Vier Pflanzaktionen hat der Isartalverein in diesem Jahr auf seinen Grundstücken in Ascholding, Baierbrunn, Icking und Deining geplant.

122 Grundstücke besitzt der Verein insgesamt zwischen Grünwald und Lenggries. Davon sind 80 Hektar Wald und 64 Hektar Wiesen. Letztere renaturiert der Verein zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV), oder verpachtet sie zu günstigen Preisen an Bauern, die das Land unter strengen Auflagen bewirtschaften. Der Verein pflegt darauf Wanderwege und Sitzbänke. Warum er die Grundstücke kauft? "Um sie freizuhalten", sagt Rühmer, "sie zu bebauen wäre eine Sünde." Außerdem seien Grundstücke eine gute Rücklage: "Früher haben wir von Zinsen gelebt." Mittlerweile lebe der Verein von Spendengeldern. "Die sechs Euro Mitgliedsbeitrag geben wir allein für jeden Jahresbericht, die Druckkosten und Versandkosten aus."

Ein wichtiger Termin wird für Rühmer das Jahresgespräch "Obere Isar" in der Jachenau sein. Unter anderem mit den acht zuständigen Bürgermeisterinnen oder Bürgermeistern, den beiden Landräten aus Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen und Vertretern des Umweltministeriums will er über das Walchenseekraftwerk diskutieren. Mit dabei auch das Wasserwirtschaftsamt Weilheim und der Verein "Rettet die Isar jetzt". Rühmer sagt: "Wir als Isartalverein fordern mehr Wasser in der Isar und Wasser im Rißbach." Letzterer liege wegen des Walchenseekraftwerkes trocken. Wann das Jahresgespräch stattfinden soll, steht noch nicht fest. Sicher ist aber: Ende September soll der Vertrag mit dem Kraftwerksbetreiber Uniper neu verhandelt werden. Dieser läuft 2030 ab, "nach 80 Jahren", sagt Rühmer.

Von Uniper erwartet er: "Die müssten halt ein bisschen Wasser abgeben." Für den Betreiber sei das ein Verlust, für alle anderen nicht: "Das Wasser wäre ja nicht verloren, das könnte man beim Sylvensteinstausee verwenden, da ist unterhalb auch ein Kraftwerk." Rühmer fordert daher "einfach eine Umverlagerung." Er gibt sich zuversichtlich, dass die Politiker auf seiner Seite stehen werden: "Der Staat steht unter Druck, dass er mehr grün denken muss." Und Rühmer lässt einfließen: "Mein Vorteil ist, dass ich meine Verbindungen zum Umweltministerium nach meiner 28-jährigen Amtszeit als Bürgermeister nie habe abbrechen lassen."

Erich Rühmer ist Vorsitzender des Isartalvereins.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Schon als Rathauschef dachte Rühmer grün: Er führte einen Umweltausschuss und einen Umweltreferenten in Schäftlarn ein - ein Amt, für das auch die Bürgermeisterkandidatin und die beiden Kandidaten im aktuellen Wahlkampf in Schäftlarn wieder werben. Seine Liebe zur Natur, sagt Rühmer, habe er schon als kleiner Junge entdeckt: Sein Vater hatte eine Fischzucht nahe Ulm, "mit einem Blockhaus ohne Strom und Telefon", erinnert er sich. Vor 30 Jahren verkaufte Rühmer die Anlage - "mit Naturschutzauflage. Es ist jetzt ein Naturschutzgebiet, ein wunderschönes Vogelgebiet entstanden, mit Fischen drin", sagt er lachend.

Auf seinen Abschied angesprochen, reagiert Rühmer fröhlich. "Ich glaube, mein Leben ist erfüllt." Der Kampf für das Isartal geht jedoch weiter: "Wir erwarten immer noch mehr Verständnis für Umwelt und Natur, und dass die Leute begreifen, dass wir einen Klimawandel haben."Auch ein anderes Ziel wird Rühmer nicht mehr als Vorsitzender erreichen: "Mein größter Wunsch ist ein durchgehender Radweg von Bad Tölz nach Wolfratshausen", sagt der begeisterte E-Bike-Fahrer.

Etwas anderes aber hat er gleich zu Beginn seines letzten Jahres im Amt geschafft: "Mein Hauptziel war die Bootsverordnung München." Seit dem 25. Januar 2020 sind nicht nur auf der Isar im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, sondern auch im Landkreis München unter anderem Glasflaschen, Musikboxen und Beiboote verboten. Mehr als 0,5 Promille dürfen Isarpaddler nicht intus haben, für ihre Schlauchboote gibt es eine DIN-Norm.

Am 24. März wird der Isartalverein vermutlich Rühmers Nachfolger festlegen. "Im letzten Jahr sind einige Leute auf mich zugekommen, sie gingen jetzt in Ruhestand und hätten Zeit." So, wie er selbst damals vor 17 Jahren.

© SZ vom 25.02.2020

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