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Schäftlarn:Das neue Leichenhaus ist dem Gemeinderat zu teuer und zu modern

Aussegnungshalle  Friedhofskapelle

Das Leichenhaus auf dem Hohenschäftlarner Friedhof ist in die Jahre gekommen. Der erste Entwurf für einen Ersatzbau war den Gemeinderäten aber zu teuer. Das beauftragte Architekturbüro soll nun einen neuen, abgespeckten Entwurf vorlegen, dessen Umsetzung weniger kostet.

(Foto: Manfred Neubauer)

Das Rathaus fordert einen neuen Entwurf für das Gebäude an der Kirche in Hohenschäftlarn.

Der Zahn der Zeit nagt auch an Leichenhäusern, beispielsweise an dem in Hohenschäftlarn, wo sich der Gemeinderat seit Mitte des Jahres mit der Frage auseinandersetzt, ob man das zunehmend marode Friedhofsgebäude sanieren oder besser durch ein neues ersetzen sollte. Einen Entwurf für einen Ersatzbau hat der Architekt Peter Pongratz vorgelegt. Der Plan wurde nach einem Gespräch mit dem Ebenhausener Bestattungsunternehmen Ludwig Glas in Details modifiziert. Die besonderen Anliegen des Bestatters wurden berücksichtigt, darunter ein Handwaschbecken im Vorbereitungsraum und ein abschließbarer Urnenschrank. Das Gebäude selbst ist nach dem Entwurf unwesentlich größer als das bestehende, sieht aber schlichter und moderner aus.

Markant ist daran der Verzicht auf Dachüberstände und die Verwendung von sogenanntem Stampfbeton, eine nicht alltägliche Bauweise, die eine charakteristische, edle Wandstruktur dadurch erzielt, dass hier einzelne Betonschichten mit einer besonders steifen Konsistenz verdichtet werden. Aus dem jeweils verwendeten Sand ergeben sich dabei Farbschattierungen. Die Situierung des Gebäudes soll sich Pongratz' Plänen zufolge leicht ändern und etwas von der Friedhofsmauer abgerückt werden. Ein zusätzliches gestalterisches Element könnte ein Fensterband über Wände und Dach sein, es würde zwischen Aufbahrungs- und Vorbereitungsraum eingezogen werden. Als Dachabdeckung sieht der Architekt eine Verkleidung mit Kupferblech vor, metallbeschlagen sollen auch die Holztüren sein.

Das alles hat seinen Preis: Zusammengerechnet rund 220 000 Euro kommen nach Berechnung des Architekten zusammen, den Abriss des alten Leichenhauses noch nicht einberechnet. Dieser Betrag gab einigen Ratsmitgliedern zu denken, aber auch die Art der Bauausführung stieß auf Skepsis. Weil Stampfbeton eine nicht alltägliche Bauweise ist, erkundigte sich beispielsweise Ulrich Stuke (Grüne), "wie eine solche Wand nach zehn Jahren aussieht" - ein Einwand, dem Pongratz mit der Versicherung begegnete, dass es da allein wegen der hohen Materialdichte keine Risse geben könne.

So eine Wand sei jederzeit mit einem Dampfstrahler zu reinigen. Philipp von Hoyos (Grüne) stieß sich an dem durchlaufenden Fensterband, war aber wiederum von dem Stampfbeton sehr angetan. Das sehe toll aus, die Ägyptische Sammlung in München sei auch so gebaut, man könne sich das jederzeit mal anschauen, sagte Hoyos, der selbst Architekt ist. Georg Lang (CSU) schließlich bemängelte den fehlenden Dachüberstand. Den Bürgern verbiete man, so zu bauen, und dann mache es die Gemeinde selber so. Ein Leichenhaus sei halt "ein Gebäude mit einem gewissen Alleinstellungsmerkmal", rechtfertigte Bürgermeister Matthias Ruhdorfer (CSU) dieses planerische Detail.

"Starkes Bauchweh" plagte Michael Waldherr (Gemeindeunion) wegen der Kosten. Da werde man von den Bürgern gefragt werden, "warum das so teuer sein muss", prophezeite er. Wenn man das alte Gebäude lediglich saniere, sei der Nutzen doch der gleiche, eine Meinung, die ein Teil der Ratsmitglieder teilte.

Am Ende wurde Pongratz beauftragt, preisgünstigere Varianten bei gleichem Grundriss vorzulegen, die beispielsweise ohne das für die Gemeinderäte gewöhnungsbedürftige Fensterband auskommen. Danach könne man besser beurteilen, ob man neu bauen oder es doch beim Sanieren belassen sollte. Der Beschluss fiel einmütig mit 15:0 Stimmen. Allerdings drängte Ruhdorfer auf eine baldige Entscheidung, weil man wegen der maroden Elektrik des Hauses sonst womöglich noch Probleme mit der Gewerbeaufsicht bekomme.