Regenerative Energien:Uneins über Solarfeld

Bad Tölz lehnt Projekt der Nachbargemeinde Greiling ab

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Wenn jemand seinem Nachbarn etwas vor die Haustüre baut, stößt er damit eher selten auf Begeisterung. Das ist so zwischen Privatleuten, das ist unter Kommunen nicht anders. Ein 2,8 Hektar großes Solarfeld möchte die Gemeinde Greiling direkt am östlichen Ortseingang von Bad Tölz errichten - zwischen der Bundesstraße 472 und dem Flugplatz Greiling. In der Kurstadt stößt dieses Projekt auf wenig Gegenliebe. Für Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) stellt sich die Frage, ob dies das richtige Areal für eine solches Vorhaben sei: "Das Ortsbild wird massiv verändert", sagte er im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrats am Donnerstagabend.

Geplant ist eine große Freiflächen-Fotovoltaikanlage mit 5600 Modulen und einer Gesamtleistung von 2000 kWp (Kilowatt peak). Die Solarmodule sollen eine Höhe bis zu 3,5 Metern haben. Das bringt Bad Tölz in eine Zwickmühle: Zum einen bekennt sich die Stadt zur Energiewende und hat vor Jahren selbst eine großes Solarfeld im Gewerbegebiet Farchet angelegt, zum anderen befürchtet sie jedoch, dass sich das Stadtbild am östlichen Ortsausgang erheblich zum Schlechten verändert. Darüber hatte Bürgermeister Mehner mit seinem Amtskollegen Anton Margreiter (FW) aus Greiling am Telefon gesprochen. "In guter Atmosphäre", wie er erzählte. "Aber inhaltlich kamen wir nicht zusammen."

Neben der Optik befürchtet man in Bad Tölz auch, dass die Gebäude am Gewerbering - auf der anderen Seite der B 472 - durch die Solarmodule geblendet werden. Dieser Streulichteffekt sei in einem Gutachten durch für die benachbarten Gebäude auf Tölzer Flur, aber nicht für Firmen wie Taxi Much im Süden untersucht worden, so Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Ein weiteres Argument: Die Stadt möchte die Lettenholz-Grundschule später einmal umbauen oder gar neu errichten, das Solarfeld nebenan könnte da im Wege stehen.

Das Projekt der Nachbargemeinde missfiel auch den Tölzer Stadträten. Josef Steigenberger (CSU) fand es "ein bisserl dreist", in einem Erholungsgebiet "so einen Rechen aufzustellen". René Mühlberger (CSU) drückte seinen Unmut ironisch aus: "Mein erster Gedanke war, so eine Freiflächenanlage mit einer sehr hohen Windkraftanlage zu kontern." Mit Blick auf die Pläne für die Lettenholzschule warnte er davor, "dass wir mit Einengungen später Schwierigkeiten haben werden". Vielleicht gebe es im Gemeindegebiet Greiling eine tauglicheres Areal, darüber sollte "auf Ebene der Gemeindespitzen" geredet werden, so Mühlberger.

Selbst die Grünen im Tölzer Bauschuss kritisierten den Standort für das Solarfeld. "Ich finde das Vorgehen der Gemeinde Greiling befremdlich, das ist vielleicht nicht die richtige Stelle", sagte Franz Mayer-Schwendner. Außerdem wies er darauf hin, dass nächstes Jahr der Bau der Nordumfahrung auf der B 472 beginnt. Auch Dorothea Bigos gefiel der Platz am Ortseingang nicht. Falls der Standort jedoch bleibe, solle er zumindest begrünt werden, sagte sie. Mehner befürchtet, dass das Solar-Projekt an diesem Platz "die Akzeptanz der Energiewende nicht fördert".

© SZ vom 31.07.2021
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