Reihe Quartettissimo:Überraschender Höhepunkt

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Reihe Quartettissimo: Charlotte Juillard sprang für den erkrankten Geiger Axel Schacher ein.

Charlotte Juillard sprang für den erkrankten Geiger Axel Schacher ein.

(Foto: Manfred Neubauer)

Ungeplante Umbesetzung beim Belcea Quartet im Tölzer Kurhaus.

Von Ulrich Möller-Arnsberg, Bad Tölz

Wie sehr Kulturveranstaltungen immer wieder buchstäblich am seidenen Faden hängen, wurde zum Auftakt der Konzertreihe "Quartettissimo" am Donnerstag im Kurhaus deutlich. Fast hätte das langangekündigte Belcea Quartet aus London absagen müssen, weil der zweite Geiger Axel Schacher kurzfristig erkrankt war. Doch Christoph Kessler, künstlerischer Leiter von Quartettissimo, rang im Zusammenspiel mit den vier Musikern um eine Lösung, die dann mit einer Programmänderung gefunden war. An Schachers Stelle sprang Charlotte Juillard, Konzertmeisterin des Orchestre de Strasbourg und eine erfahrene Kammermusikerin, ein. So konnte der Abend, mit dem Quartettissimo seine Jubiläumssaison zum fünfjährigen Bestehen begann, glücken.

Zur Eröffnung wies der Dritte Bürgermeister und Kulturbeauftragte Christof Botzenhart eindringlich darauf hin, wie wichtig kulturelle Veranstaltungen seien: "Kunst und Kultur sind die Werte, die überleben, nicht Machtkämpfe." Dem muss man wahrlich nichts hinzufügen. Dann aber sprach die Musik, sprachen die Töne.

Schon zu Beginn, in Joseph Haydns Quartett op. 20 Nr. 2, demonstrierten die vier Streicher unter der Primaria Corina Belcea, wie ungemein ausdrucksstark sie zu musizieren im Stande sind, ohne dass dies die klangliche Transparenz der Satzstruktur trübt. Zum besonderen Erlebnis wurde so Haydns zweiter Satz, der in seinem rezitativischen, oratorienhaften Beginn zeigt, wie sehr der Wiener Klassiker noch mit der Zeit seiner Vorgänger, der Bachs, verhaftet ist. Im weiteren Verlauf aber wendet sich sein Stil dann zu jener zart-empfindsamen Melodik, wie sie nicht nur für ihn, sondern auch später für Mozart prägend sein sollte.

Mit dem achten Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch war ein ebenbürtiger Ersatz zu dem ursprünglich geplanten op. 59/1 von Beethoven gefunden - es sollte der Höhepunkt des Abends werden. Denn für diese aufwühlende Antikriegsmusik aus dem Jahr 1960 fand das Belcea Quartet einen grandiosen Spannungsbogen, der von den Klagemotiven zu Beginn über das martialisch Hämmernde der mittleren Sätze bis zu einem allmählich ins Tonlose verhallenden Finale reichte.

Nach der Pause folgte das Streichquartett von Claude Debussy. Hier bewiesen die vier Streicher jede Menge Feinsinn für diese farbenreiche französische Musik, die im Pizzicato-Satz bis zu indonesischen Gamelan-Klängen reicht und aus der Perspektive ihrer Entstehung im Jahr 1893 bis heute als revolutionäre Weltmusik gelten kann. Langer Applaus für diesen wunderbaren Jubiläumsauftakt.

Auch das nächste Quartettissimo-Konzert wird überraschend anders laufen. Das Borodin-Quartett aus Moskau wird wegen Reiseproblemen nicht kommen können. Dafür springt das renommierte spanische Cuarteto Quiroga ein, das die Bratschistin Veronika Hagen zum Quintett ergänzt (15. Januar, 19.30 Uhr, Kurhaus Bad Tölz).

www.quartettissimo.de

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