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Pumpspeicherwerk am Jochberg:Idiotie oder Notwendigkeit

Der Bund Naturschutz fordert ein Moratorium für Pumpspeicherwerke, bis geklärt ist, ob und wie viele solcher Anlagen in Bayern überhaupt gebraucht werden. Am Jochberg müssten auch Straßen und Stromleitungen gebaut werden.

Wanderer auf dem Jochberg

Noch ist der Jochberg einer der beliebtesten Hausberge der Münchner - auch wegen des Blicks auf den Walchensee. Doch wenn das Pumpspeicherwerk dort errichtet werden sollte, müssten auch Straßen dorthin gebaut werden.

(Foto: dpa)

Das geplante Pumpspeicherwerk am Jochberg wirft viele Fragen auf, die noch ungeklärt sind. Ist eine solche Mammutanlage mit einem drei Millionen Kubikmeter Wasser fassenden Becken, wie sie die Energieallianz Bayern vorsieht, für die Energiewende sinnvoll und notwendig? Und wenn ja, muss sie ausgerechnet in dem beliebten Ausflugsgebiet oberhalb des Walchensees entstehen?

Antworten darauf könnte ein Kataster liefern, das mögliche Standorte in Bayern analysiert. Es wird derzeit vom bayerischen Umweltministerium erstellt. "Wir arbeiten an einer Studie", sagt Pressesprecherin Natascha Grünpeter. Bis die Ergebnisse vorliegen, fordert der Bund Naturschutz, die Planungen und den Bau von Pumpspeicherwerken zu stoppen.

Geprüft werden in der Analyse alle "technischen, wirtschaftlichen und umweltfachlichen Aspekte" in Frage kommender Standorte für solche Kraftwerke, wie Grünpeter mitteilt. Dies sei eine komplexe Aufgabe. "Wir müssen verschiedene Stränge verfolgen, um am Ende zu richtig verlässlichen Ergebnissen zu kommen." Gleichzeitig ermittle das bayerische Wirtschaftsministerium erst einmal, wie hoch überhaupt der Strombedarf nach dem Ausstieg aus der Atomkraft sei und wie viele Anlagen dann zur alternativen Energieerzeugung benötigt würden.

Ein fünfjähriges Moratorium schlägt Hubert Weiger vor. In dieser Zeit sollten alle Planungen für Pumpspeicherwerke auf Eis gelegt werden, fordert der Vorsitzende des Bund Naturschutz. Damit will er genug Zeit gewinnen, um über die Standortanalyse des Umweltministeriums öffentlich zu diskutieren und zu klären, "ob Bayern denn wirklich neue Pumpspeicherwerke benötigt".

Weiger bezweifelt dies. "Es geht nicht darum, welche Potenziale wir haben, sondern welche Kapazitäten überhaupt noch notwendig wären, um eine Energiewende sinnvoll zu unterstützen", erklärt er. Die Kapazität der vorhandenen Pumpspeicherwerke reiche schon heute völlig aus.

Die Studie des Ministeriums kommt für Landtagsabgeordnete Susanna Tausendfreund (Grüne) ziemlich spät. Noch lägen keine Resultate vor, "aber es sind schon Entscheidungen zu treffen", moniert sie. Eine Standortanalyse zu Pumpspeicherwerken hatten die Grünen im Landtag bereits 2010 gefordert. Für solche Projekte kämen oft Gebiete in Frage, die wertvoll für den Naturschutz seien, begründeten sie damals ihren Antrag im Ausschuss für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie des Landtags.

Zudem hätten solche Anlagen meist negative Auswirkungen auf die Lebensqualität von Anwohnern und seien im Einzelfall nur durch Enteignungen zu realisieren. Die Grünen scheiterten an der Mehrheit von CSU und FDP, was die Alpenschutzkommission CIPRA bedauert. Sie hält ein Kataster für erforderlich, "um dem Ausbau der erneuerbaren Energien deutliche naturschutzfachliche und landschaftsästhetische Grenzen" zu setzen, wie Präsident Erwin Rothgang sagt.

Für Horst Dämmig ist das von der Energieallianz geplante Projekt nicht nur aus diesem Grund schlicht "Idiotie". Der Wolfratshauser hat früher als Projektleiter solche Anlagen errichtet, unter anderem im Spessart. Sie hätten die Aufgabe, in Spitzenlastzeiten binnen einer Minute ans Netz zu gehen. Sie verfügten zwar über Speicher, die jedoch niemals ausreichten, um etwa den gesamten Strom aus Windrädern zu speichern, sagt er: "So viel kann man gar nicht bauen." Warum das Speicherwerk am Jochberg entstehen soll, ist für ihn leicht zu erklären. Dort könne man die Leitung des Walchenseekraftwerks als "Einspeisepunkt" nutzen. Trotz aller kritischen Stimmen gegen das Vorhaben macht sich nach seinem Dafürhalten noch kaum jemand eine richtige Vorstellung davon, "wie viel Kubikmeter Erdbewegung, wie viel Beton" für den Bau nötig seien. Und ebenso, dass eine neue Zugangsstraße angelegt werden müsse.

Über das Großprojekt wollen sich die Gemeinderäte der betroffenen Kommunen Kochel am See und Jachenau nächste Woche in einer nicht öffentlichen Sitzung austauschen. Die Energieallianz Bayern informiert am Donnerstag, 28. Februar, über das geplante Pumpspeicherwerk.