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Pfründnerheim:Apartments im Denkmal

Wenn die Arbeiterwohlfahrt ein neues Seniorenzentrum in Penzberg baut, hat sie keine Verwendung mehr für das historische Pfründnerheim. Die Stadt plant, das Gebäude als Wohnheim für Pflegepersonal umzunutzen.

Es zählt wohl zu den schönsten historischen Gebäuden in der Stadt. Das Pfründnerheim an der Zugspitzstraße gleicht von außen einer fürstlichen Residenz. Dabei war es von Anbeginn als Heimstatt für Bergwerkspensionisten gedacht. Um dort die letzten Jahre ihres Lebens verbringen zu können, leisteten sie eine einmalige Zahlung, die sogenannten Pfründe. Der neoklassizistische Bau mit Mansardwalmdach wurde 1925/26 vom Architekten Josef Linder errichtet. Noch gehört das Haus zum Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo). In einigen Jahren könnten in dem denkmalgeschützten Gebäude etwa 30 Apartments für Pflegepersonal entstehen.

Es war das erste Altenheim in Penzberg. 1978 übernahm das städtische Seniorenheim, das vom Awo-Bezirksverband betrieben wird, den Bau, der als Demenzstation genutzt wird. Im Pfründnerhaus leben momentan an die 30 Senioren, im gesamten Zentrum sind es etwa 90 Bewohner. Weil das Seniorenzentrum nicht mehr den Anforderungen des Gesetzes zur Regelung der Pflege-, Betreuungs- und Wohnqualität im Alter entspricht, besteht Handlungsbedarf. Die Heimaufsicht hat der Stadt eine Übergangsfrist bis zum Jahr 2021 gewährt. "Aber auch nur, weil wir versichert haben, dass ein neues Heim gebaut wird", sagt Bürgermeisterin Elke Zehetner (parteifrei/SPD), die kürzlich durch das Haus führte. Seit 2015 ist bekannt, dass der neure Teil des Seniorenzentrums an der Gartenstraße unter anderem nicht über den vorgeschriebenen höheren Anteil an Einzelzimmern verfüge. "Das Haus wird uns zugesperrt, wenn nichts geschieht", betonte Zehetner.

AWO Seniorenzentrum Pfründnerhaus

Das Treppenhaus im alten Pfründnerhaus macht etwas her.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Gespräche der beiden Partner gerieten ins Stocken, als Zehetner durchblicken ließ, sie könnte sich auch vorstellen, dass ein anderer Träger das Seniorenheim übernimmt. Daraufhin kündigte der Awo-Bezirksverband den Vertrag für das Seniorenzentrum zum 31. Dezember 2017 - und nahm diese Kündigung nicht zurück. Da die Stadt aber nur mit der Awo verhandle, sei in ihren Augen die Kündigung nicht relevant, sagt Zehetner.

Noch laufen also die Verhandlungen zwischen der Stadt, der das gesamte Seniorenheim-Areal gehört, und dem Bezirksverband. Es gehe um technische Details, sagt Kämmerer Johann Blank, der die Verhandlungen für die Stadt führt. Konkret meint er damit die Abtrennung des historischen Altbaus vom Neubau-Komplex an der Gartenstraße. Das Haupthaus dockt mit einem Flügel an das Pfründnerheim an und versorgt es über seine Leitungen mit Wasser und anderem.

Geplant ist, dass die Awo das Hauptareal von der Stadt kauft. Im Haushaltsentwurf 2018 sind dafür knapp drei Millionen Euro veranschlagt. Das Seniorenzentrum soll schrittweise abgerissen werden, an seiner statt entsteht ein H-förmiger Neubau mit 96 vollstationären Plätzen und jeweils zwölf Plätze für Tagespflege und betreutes Wohnen. In dem Neubau bringe man alles, was gewünscht wird unter, versichert Heimleiter Thomas Redel. Die Awo hat kein Interesse am Altbau. Das denkmalgeschützte Pfründnerhaus fällt demnach zurück an die Stadt.

AWO Seniorenzentrum Pfründnerhaus

In dem denkmalgeschützten Gebäude soll ein Wohnheim für Pflegepersonal entstehen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Da ist guter Rat teuer. Eine neue Nutzung für das Gebäude musste her. Kurzfristig kam die Idee auf, dort die städtische Musikschule unterzubringen. Diese sucht seit Jahren eine dauerhafte Bleibe. Doch kaum ins Spiel gebracht, wurde der Gedanke auch schon verworfen. Bei einem Ortstermin kam der Bauausschuss des Stadtrats überein, dass die Umbauten in dem denkmalgeschützten Haus zu massiv und zu teuer wären. "Das Gebäude von der Akustik her so herzurichten, dass dort ein störungsfreier Unterricht möglich wäre, würde wahnsinnig viel kosten", erklärt Zehetner. Hinzu komme: "Wir brauchen für die Musikschule eine zeitnahe Lösung, das Pfründner-Heim wird aber frühestens in drei Jahren frei." Offen ist obendrein, ob das Landesamt für Denkmalschutz bei diesem Vorhaben mitgespielt hätte. Nachgefragt habe man jedenfalls nicht, sagt Blank. So fiel die Entscheidung, die Musikschule doch besser im ehemaligen Metropol-Kino unterzubringen.

Deshalb gilt es als beschlossen, aus dem Pfründerheim eine Art WG auf drei Etagen für Krankenschwestern und Pflegepersonal zu machen. Penzbergs Bürgermeisterin ist jedenfalls von diesem Konzept überzeugt. Sie denkt, dass es unter diesem Klientel eine große Nachfrage nach kostengünstigen Wohnungen gebe. Die etwa 25 Quadratmeter großen Zimmer der Senioren mit Bad und Toilette könnten ohne viel Aufwand zu Single-Apartments umgewandelt werden. Die eingebauten Schrankwände müssten lediglich durch Küchenzeilen ersetzt werden. Jede Etage verfügt obendrein über einen großen Gemeinschaftsbereich. Schon vor Jahren mussten außen an den Seiten des Hauses Fluchttreppen angebracht werden. "Es ist alles da", sagt Zehetner. Das Krankenhaus sei nicht weit entfernt, das neue Heim gleich daneben und auch das Seniorenheim Steigenberger Hof sei nicht aus der Welt.

AWO Seniorenzentrum Pfründnerhaus

Das Pfündnerheim war das erste Altenheim in Penzberg.

(Foto: Manfred Neubauer)

Ehe man in dieser Richtung tätig werde, werde die Stadt natürlich den Bedarf abfragen, betont Kämmerer Blank. Vor 2021 könne die Stadt eh nicht mit der Planung beginnen. Außerdem müsse der Stadtrat dem Projekt noch zustimmen. Eines hat Kämmerer Blank inzwischen lösen können: Die Kapelle im Verbindungstrakt zwischen Neubau und Pfründnerhaus kann ohne größere Formalien aufgelöst werden, wenn der Abriss ansteht. Die Kapelle sei wohl nie geweiht worden, was die Sache enorm vereinfache, so Blank.