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Penzberger Politik:"Ich kann das, bestimmt sogar"

In ihrer Partei verortet sich Katharina von Platen links, einer schwarz-grünen Koalition im Bund würde sie sich aber nicht verweigern.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Grüne Katharina von Platen strebt ein Bundestagsmandat an. Erst einmal muss sie gegen fünf Mitbewerber antreten

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Auf den Mund gefallen ist Katharina von Platen nicht. Eloquent erzählt die 40 Jahre alte Penzbergerin, was sie an der Stadtratsarbeit in ihrer Heimatstadt schätzt, aber auch was und vor allem wer noch in die Puschen kommen sollte. Kommunalpolitik sei "toll", sagt sie. Die unmittelbarste Art, Politik zu machen. Trotzdem zieht es Platen in die Ferne, hin zur Machtzentrale in der Bundeshauptstadt. Die 40-Jährige will für die Grünen das Bundestags-Direktmandat im Wahlkreis Weilheim holen. Erst im März wurde Katharina von Platen in den Penzberger Stadtrat gewählt. Zuvor war ihre Bewerbung als Grünen-Bürgermeisterkandidatin gescheitert. Der Ortsverband gab der erfahrenen Stadträtin Kerstin Engel den Vorzug.

Nein, sagt sie lachend, ihr sei nicht bereits langweilig in ihrem Ehrenamt. Im Gegenteil. Momentan sei ihre Stadtratsarbeit geprägt von vielen "erste Malen". Hintergründe erfragen, sich sonntags bei einer Tasse Kaffe in die gerne mal 100 Seiten umfassenden Sitzungsvorlagen reinfieseln, montags ab in die Fraktionsbesprechung, dienstags dann der Stadtrat - "ja", meint Platen, "das ist schon Arbeit". Aber man sehe halt auch gleich, was man im Gremium beschlossen habe. Und auch das Feedback sei ein anderes als etwa auf Kreisebene. Seit dem 2018 ist Platen Sprecherin des Grünen-Kreisverbandes Weilheim-Schongau. Sie ist zudem Kreisrätin. "Man muss immer den Kopf hinhalten und alle Fragen beantworten, einfach Rede und Antwort stehen", sagt Platen. Das schule und mache einen fit für alle anderen politischen Ämter.

Ein solches strebt die Rechtsfachwirtin an, die als Leiterin einer Rechtsanwaltskanzlei in Wolfratshausen arbeitet. Bislang hätten die Grünen im Wahlkreis 226 eine Kandidatin für das Direktmandat aufgestellt, um Präsenz zu zeigen. Das sei nun anders, sagt Platen. Nach dem Erfolg der Partei auf Kommunal- und Länderebene wolle man in Berlin Flagge zeigen, weil im Bundestag "definitiv mehr" zu holen sei. Landespolitik sei nicht so ihrs. Auch wenn die wichtigen Entscheidungen in Brüssel fielen, "das ist mir dann doch zu weit weg". Also auf nach Berlin, das "Zwischending", wie es die Penzbergerin nennt. "Ich denke schon, dass ich das kann. Bestimmt sogar."

Aber vor der Nominierung hat Platen einige Hürden zu nehmen. Der Wahlkreis 226, der die Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen umfasst und die Nahtstelle zwischen Oberbayern und dem Allgäu ist, ist in weiten Teilen konservativ geprägt. Er ist Dobrindt-Land. Seit 2002 ist der Unions-Politiker aus Peißenberg Mitglied des Deutschen Bundestags, seit 2009 Vorsitzender des CSU-Kreisverbands Weilheim-Schongau. An ihm vorbeizuziehen und das Direktmandat zu holen, ist eine große Herausforderung. Selbstbewusst sagt Katharina von Platen, Dobrindts Zeit sei vorbei. "Der ist doch angezählt. Ich weiß gar nicht, ob ich jemanden ernst nehmen soll, der für das Unwort des Jahres 2018, Anti-Abschiebe-Industrie, verantwortlich ist."

Auch im eigenen Lager gibt es Konkurrenz. Katharina von Platen ist nicht die einzige, die sich um das Direktmandat für die Öko-Partei bewirbt. Insgesamt sechs Kandidaten wollen antreten bei der Aufstellungsversammlung im Oktober, je drei aus einem der beiden Landkreise. Ihre Chancen, sich durchzusetzen, schätzt die Penzbergerin als gut ein. Sie habe die Mathematik auf ihrer Seite, erklärt Platen. 180 Delegierte aus dem Kreisverband Weilheim-Schongau stünden 110 aus Garmisch-Partenkirchen gegenüber. Es gelte demnach, die eigenen Mitglieder zu mobilisieren und zu überzeugen.

Letzteres möchte die Kreissprecherin mit ihrer Rede bei der Aufstellungsversammlung erreichen. Die ist bereits fertig. "Ich weiß, was ich sagen möchte." Natürlich werde daran noch gefeilt und auf die Stimmung an jenem Abend eingegangen. Sie will frei reden, "weil ablesen finde ich schwierig". Sieben Minuten lang dürfen die Kandidaten sich vorstellen und über Ziele und Ideen sprechen. Ideen habe sie viele, sagt Platen. Sie rechnet sich selbst dem linken Flügel der Partei zu, der sie im November 2013 beigetreten ist. Am ehesten würde sie von sich sagen, sie sei eine grüne Sozialpolitikerin. Denn darum gehe es, zu zeigen, dass die Grünen mehr auf dem Kasten hätten als Umwelt, Verkehr und Klima. "Wir Grüne können sowohl Finanz- als auch Sozialpolitik. Das müssen wir den Wählern klarmachen und uns als Alternative zu den anderen etablierten Parteien anbieten."

"Pflegeberufe aufwerten" ist eines ihrer Stichworte. "Wir müssen den Drive, den das Thema seit Corona bekommen hat, beibehalten." Ferner sei Sozialpolitik stets Frauen- und Gleichstellungspolitik. Es könne nicht angehen, dass eine Frau für gleiche Leistung weniger verdiene als ein Mann. "Ich will aber auch ein Sprachrohr für Kinder, Jugendliche und Senioren sein", sagt Platen. Dass die Bildung junger Menschen vom Einkommen der Eltern abhänge, sei ein Unding.

"Wir Grüne müssen den Wählern deutlich machen, dass wir eine Bundestagsfraktion sind, die alles kann. Das zählt am Ende des Tages", betont die 40-Jährige. Sollte das klappen, sieht von Platen die Grünen nach der Bundestagswahl 2021 in der Regierungsverantwortung - wenn auch vermutlich in einer Koalition mit der Union. Richtig warm werde ihr dabei nicht ums Herz, sagt die Penzbergerin. Lieber wäre ihr Grün-Rot-Rot. Aber sollte der Wähler ihrer Partei den Auftrag erteilen, "dann müssen wir das machen". Wenngleich die Koalitionsverhandlungen "anstrengend" werden dürften.

© SZ vom 22.08.2020
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