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Naturschutz in Bad Tölz-Wolfratshausen:Wenn's schee macht

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Berge, Flüsse, Wälder - wie hier an der Oberen Isar zwischen Wallgau und Lenggries ist der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen landschaftlich sehr abwechslungsreich. Ein Landschaftspflegeverband soll diesen Reichtum nun noch besser schützen.

(Foto: Veranstalter/oh)

Der Kreis will die Gründung eines Landschaftspflegeverbands prüfen. Dieser soll die Renaturierung von unrentablen Ackerflächen finanzieren - und nebenbei den ewigen Streit zwischen Bauern und Naturschützern schlichten.

Eine Fahrt von Nord nach Süd durch den Landkreis, von Deining runter nach Tölz und dann weiter ins Gebirge: Als naturverliebtem Autofahrer wird einem da nicht langweilig. Man kommt an riesigen Mais- und Getreidefeldern vorbei, an Hochmooren, weiten Mischwäldern und wild wachsenden Blühwiesen - und dann zum guten Schluss natürlich die Berge. "Wir haben hier schon eine sehr abwechslungsreiche Landschaft", schwärmt Martin Bachhuber, der Vorsitzende der CSU-Fraktion im Kreistag.

Anderswo seien die Landstriche inzwischen mit Monokulturen zugepflastert - überall nur noch Raps, Mais, Getreide. Zwischen Wolfratshausen und Lenggries sei das zum Glück noch anders, sagt Bachhuber. Aber weil man auch die schönste Landschaft immer noch ein bisschen schöner machen kann, denkt man im Landkreis derzeit verstärkt über die Gründung eines Landschaftspflegeverbands nach. Am 9. September will der Kreistag eine Prüfung in Auftrag geben, ob nicht auch die Region hier von einem solchen Pflegeverband profitieren könnte.

In Bayern haben inzwischen etwa zwei Drittel der Landkreise einen Landschaftspflegeverband. Bad Tölz-Wolfratshausen ist einer der letzten weißen Flecken. Zwar gab es auch hier schon mehrere Initiativen, vorangetrieben vor allem von den Grünen und dem Bund Naturschutz. Die Landwirte hätten aber immer Bedenken gehabt - und in zweiter Instanz dann auch die CSU, gibt Bachhuber zu. Deshalb sei es mit einer Verbandsgründung auch nie etwas geworden. Nun wolle man aber noch einmal einen Anlauf nehmen, so Bachhuber. Den Antrag zur Prüfung hat die CSU dieses Mal sogar selbst gestellt.

Ein Landschaftspflegeverband ist eine Art Vermittler zwischen Landwirten und Umweltschützern. In aller Regel ist ein solcher Verband paritätisch besetzt, nämlich zu je gleichen Teilen mit Landwirten, Naturschützern und Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde. Der Verband akquiriert zudem Fördermittel, damit Flächen, die nicht mehr zur landwirtschaftlichen Nutzung geeignet sind, wieder renaturiert werden können. "Bei uns in der Region geht es da in erster Linie sicher um die Wiedervernässung von ehemaligen Moorflächen", sagt Klaus Koch, der Grünen-Chef im Kreistag. Es gehe zum Beispiel aber auch um die ökologisch wichtigen Wiesengebiete am Waldrand.

Der Bauernverband ist grundsätzlich zu Gesprächen bereit. Man habe schon vor anderthalb Jahren darum gebeten, dass mal jemand vom Umweltministerium vorbeikomme, sagt Kreisobmann Peter Fichtner. "Aber natürlich nicht der Hausmeister", so Fichtner, man wolle sich das Konzept schon vom Amtschef persönlich erklären lassen. Keinesfalls dürfe aus so einem Verband aber ein "Bürokratiemonster" werden, so Fichtner. "Das ergäbe keinen Sinn." Als aber vor zwei Jahren am Chiemsee ein Landschaftspflegeverband gegründet worden sei, "hat sich das gut angehört", so der Bauern-Chef.

Fichtner ist wichtig, dass mit Einführung eines Pflegeverbands nicht der Umweltschutz die Herrschaft über die Landwirtschaft übernimmt. Wenn er zum Beispiel seine Streuobstwiese nicht mehr mähen dürfe, damit sich dort die Insekten wieder richtig wohlfühlen, dann sei die Wiese aber sehr bald mit Eschen und Eichen bewaldet. Das könne ja auch nicht Sinn und Zweck des Verbands sein, so Fichtner.

Um genau solche kniffligen Fragen gehe es ja schließlich, sagt Friedl Krönauer, der Vorsitzende des Bundes Naturschutz im Landkreis. Der Landschaftspflegeverband sei ein Gremium, in dem man sich austauschen könne. Wenn ein solcher Verband gegründet wird, "dann würde das Vertrauen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz bestimmt gestärkt werden", ist sich Krönauer sicher.

Ähnlich sieht das Grünen-Chef Klaus Koch. Die Bauern könnten unrentable Ackerflächen wieder zu einer Einnahmequelle machen, indem diese Flächen "ökologisch aufwertend bewirtschaftet werden", so Koch. In Mittelfranken, wo Koch ursprünglich herkommt und wo Mitte der Achtzigerjahre die Idee des Landschaftspflegeverbands aufgekommen ist, habe sich das Konzept bestens bewährt. Und im Tölzer Land werde es das sicher auch tun, so Koch.