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Nantesbuch:Eine "ziemliche Unruhe"

An den Wochenenden ist das Café Märznhof gut besucht, besonders an schönen Frühlings- und Sommertagen. Dann sind die Straßen oft verstopft.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Penzberger Ortsteil Nantesbuch hat ein massives Verkehrsproblem. Schuld daran ist nicht nur die Gaststätte Märznhof, auch wenn viele Anwohner dies so sehen

Der kleine beschauliche Ortsteil Nantesbuch hat seine Unschuld verloren. Mit Eröffnung der Gaststätte Märznhof kamen mehr Menschen und mit ihnen mehr Autos, vor allem am Wochenende. Vorbei ist es mit der Ruhe. Die Anwohner sammeln Unterschriften. Und obschon die Problematik mit dem Märznhof nichts damit zu tun hat, brachte der Antrag des Zimmerers und SPD-Stadtrats Hardi Lenk das Fass zum Überlaufen. Er möchte eine bestehende Garage samt überdachtem Regallager auf dem Gelände seines Nantesbucher Betriebs abreißen und stattdessen ein Wohnhaus mit Betriebsleiterwohnung errichten. Nachdem sich bereits der Bauausschuss mit dem Gesuch auseinandersetzte, war nun der Stadtrat gefragt. Die Mehrheit entschied, dass Lenk bauen darf. Sein Vorhaben befindet sich innerhalb des Geltungsbereichs.

Weil Lenks Vorhaben im Geltungsbereich liege, in dem Bauprojekte möglich sind, konnten Rüdiger Kamel (BfP) und Michael Kühberger (FLP) nicht nachvollziehen, warum der Stadtrat überhaupt einen Beschluss fassen müsse. Stadtbaumeister Justus Klement erklärte, weil sich die Nutzung der Gebäude ändere, müsse auch die Satzung entsprechend abgewandelt werden. Kühberger hatte sich bereits im Bauausschuss kritisch zu Lenks Vorhaben geäußert. Denn der SPD-Stadtrat will seine Zimmerei in das Gewerbegebiet im Nonnenwald verlagern. Warum er dann noch eine Betriebsleiterwohnung in Nantesbuch brauche, fragte Kühberger.

Aber nicht nur diese Frage ließ einige Stadträte den Antrag kritisch sehen. Jack Eberl (FLP) sagte, ein neues Wohnhaus würde die Verkehrsproblematik weiter verschärfen. Gerade an Wochenenden sei kein Durchkommen mehr auf der Straße, weil der Märznhof so gut besucht sei.

Zweiter Bürgermeister Johannes Bauer (Grüne), der selbst in Nantesbuch lebt, bestätigte, dass im Ort eine "ziemliche Unruhe" herrsche. Dennoch müsse man aufpassen, nicht verschiedene Projekte zu vermengen. Hardi Lenk würde innerhalb seines Grundstücks ein neues Haus bauen. Auf Kühbergers Wortmeldung, andere Bauwerber in Nantesbuch hätte die Stadt abgewiesen, erwiderte der Grünen-Stadtrat, dass deren Bauanträge sich auf Vorhaben außerhalb des Geltungsbereichs bezogen hätten. Dass der Märznhof, dessen Eigentümer kürzlich erst ebenfalls einen Antrag auf Ausbau und Erweiterung gestellt hatte, den Zorn der Anwohner auf sich gezogen habe, sei wahr. "Wir haben dort ein massives Verkehrsproblem." Nicht nur die Nachbarn hätten es schwer, auf der Straße durchzukommen, auch die Landwirte seien betroffen.

Bauer regte an, eine Ortsteilversammlung einzuberufen. Aus seiner Sicht sei es dringend geboten, die Frage "Was wird aus Nantesbuch?" umfassend zu diskutieren. "Soll der Stadtteil ein großes Dorf werden, oder handhaben wir Bauvorhaben künftig restriktiver - das müssen wir klären", betonte Bauer.

Thomas Keller sprang seinem Fraktionskollegen Lenk zur Seite. Die Diskussion sei eine Themaverfehlung, sagte er. Der Brief der Anwohner, den die Stadräte erhalten hatten, ziele auf die Verkehrsbelastung durch den Café-Betrieb ab. Doch mit der Verlagerung der Zimmerei in den Nonnenwald würde der Ort in Zukunft entlastet. "Wenn der Anlieferverkehr wegfällt." Wolfgang Sacher (BfP) schlug daraufhin vor, dass Lenk das neue Wohnhaus erst bauen sollte, wenn sein Betrieb tatsächlich an den neuen Standort gezogen sei.

Dafür fand sich allerdings keine Mehrheit. Lenk darf seine Garage samt Regallager umnutzen. Dagegen stimmten Jack Eberl, Michael Kühberger (beide FLP) sowie Wolfgang Sacher und Reinhard Mende (beide BfP). Hardi Lenk und Holger Fey (beide SPD) enthielten sich wegen Befangenheit.

© SZ vom 30.10.2018
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