Reden wir über:Namen für einen Kultursaal

Reden wir über: Moderner Aufgang, traditionsbezogener Name. Im Bürgerhaus Münsing heißt der zentrale Saal nach einem Hof.

Moderner Aufgang, traditionsbezogener Name. Im Bürgerhaus Münsing heißt der zentrale Saal nach einem Hof.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Bürgermeister Michael Grasl zur Bezeichnung "Pallaufsaal" im neuen Münsinger Bürgerhaus

Interview von Benjamin Engel

Für den Veranstaltungssaal im neuen Münsinger Bürgerhaus war ein möglichst pfiffiger Name gesucht. Unter 33 eingereichten Vorschlägen hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit 59 Stimmen für die Bezeichnung Pallaufsaal votiert - nach dem Hofnamen des Areals. Jedes Ratsmitglied konnte jeweils 15 Stimmen gewichtet vergeben. Die Entscheidung fiel eindeutig. An zweiter Stelle landete der Name Ostufersaal (28 Stimmen). Es folgten Pallaufhalle (21 Stimmen), Pallauf (20 Stimmen) und Würmsee-Saal (18 Stimmen). 14 Stimmen entfielen auf Loriot-Saal. Jeweils drei Stimmen gab es für ein Loriot Forum und einen Müller-Lüdenscheidt-Saal sowie sechs Stimmen für Loriotum. Die Bezeichnung Larifari erhielt 13 Stimmen, Poccisaal zwölf Stimmen. Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) sprach in der Sitzung von einer neutralen, aber der Historie des Standorts würdigen Bezeichnung.

Reden wir über: Bürgermeister Michael Grasl.

Bürgermeister Michael Grasl.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

SZ: Herr Grasl, Sie selbst haben im vergangenen Oktober 2023, möglichst pffifige Vorschläge für den Veranstaltungssaal bei der Kommune einzureichen. Wird der Namen Pallaufsaal dem gerecht?

Michael Grasl: Nein. Ganz klar nicht. Pfiffig ist etwas anderes. Ich hätte mir gerne etwas Moderneres gewünscht. Wenn wir den historischen Bezug sehen, ist das aber eine würdige Bezeichnung. Der Pallaufhof hatte Gewicht. Das war einer der großen Landwirte in Münsing. Die Inhaberfamilie Ertl ist im Hauptort nicht mehr präsent, nachdem Johann Ertl 2005 gestorben ist. Der Erbe hat es dann an die Kommune veräußert. Unter der angestammten einheimischen Bevölkerung sind die Hofnamen noch sehr präsent. Wer daraus stammt, wird auch damit angesprochen.

Überregional am bekanntesten dürfte wohl der 2011 gestorbene Humorist und Münsinger Ehrenbürger Loriot sein. Hätte ein Loriot-Saal nicht wesentlich mehr Strahlkraft?

Das war auch bei meinen Favoriten dabei. Dass der auf nur drei Stimmen kam, hat mich sehr gewundert, besonders im Umfeld seines 100. Geburtstags. Ein Loriot-Saal wäre ganz toll gewesen. Schade. Aber das ist zu akzeptieren. Das ist eine individuelle Entscheidung eines jeden einzelnen Gemeinderats.

Auffallend ist, dass eher neutrale Ortsbezeichnungen die meisten Stimmen bekommen haben. Woran liegt das?

Womöglich werden neutrale Bezeichnungen bevorzugt, um niemanden zu enttäuschen. Münsing tut sich schwer mit Persönlichkeitsnennungen. Das zeigt sich schon bei den Straßenbennenungen. Denken Sie nur an den Kink-Weg (Ernst Kink war Zweiter Bürgermeister und bekanntes Ammerlander Original. In der Namensfrage war der Gemeinderat gespalten. Um "Personenkult" zu vermeiden, schrieb die Gemeinde sogar einen kleinen Wettbewerb aus, Anm. d. Red.). In Münsing haben Loriot und Pocci (der als Kasperlgraf bekannte und hohe Beamte am bayerischen Hof Franz von Pocci bewohnte das Ammerlander Schloss, Anm. d. Red.) Denkmäler. Für die einen ist das zu wenig, für die anderen zu viel. Zehn Leute haben zehn Meinungen. Sie sehen, wie schwierig es ist, sich für den Veranstaltungssaal auf einen Namen zu verständigen. Das Rathaus mit dem Saal zu errichten, war aber eine Gemeinschaftsleistung. Für mich zählt am Ende die Architektur mehr als der Name des Saals.

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