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Lenggrieser Politik:Preisgekrönter Käse aus dem Schwarzbau

Auf der Alm, da gibt's koa Sünd' - manchmal aber auch keine Genehmigung. Die beliebte Stie-Alm war lange in Teilen ein Schwarzbau.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Teile der Stie-Alm am Brauneck müssen nachträglich legalisiert werden.

Von Petra Schneider

Die Stie-Alm am Brauneck ist sommers wie winters ein beliebter Einkehrpunkt für Wanderer, Kletterer und Skifahrer. Insgesamt 80 Übernachtungsplätze gibt es auf der am Fuße des Idealhangs gelegenen Hütte, man kann dort heiraten, Geburtstag feiern oder Firmenevents buchen. Das Fleisch für die Gastwirtschaft stammt von Tieren aus eigener Aufzucht. Seit dem Jahr 2000 betreibt die Wirtsfamilie Obermüller auf der Stie-Alm auch eine eigene Käserei und beschäftigt einen Käse-Sommelier. Mit Erfolg, denn seit 2002 wird der dort hergestellte Alpkäse regelmäßig prämiert und bei der Internationalen Käse-Olympiade vorgestellt. Im Jahr 2009 wurde Veronika Obermüller mit dem Bayerischen Innovationspreis für das Projekt "Schule auf der Alm" ausgezeichnet, das Grundschulkindern ein realistisches Bild der Almwirtschaft vermitteln soll. Die Stie-Alm ist ein rühriger Vorzeigebetrieb - allerdings in Teilen ein Schwarzbau. Denn weder für den längst gebauten Kiosk noch für die Käserei lag bisher eine Genehmigung des Landratsamts vor.

Der Kiosk wurde bereits im Februar 1989 vom Lenggrieser Bauausschuss genehmigt, die Käserei zehn Jahre später. Das Landratsamt, das bei Vorhaben im Außenbereich die entscheidende Instanz ist, hatte die Anträge allerdings zurückgestellt, weil die Erschließung nicht gesichert war. Gebaut wurde trotzdem, das Landratsamt habe die Schwarzbauten "damals geduldet", erklärt der Lenggrieser Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (Freie Wähler Gemeinschaft, kurz FWG). Offenbar, weil ein Anschluss der Hütten auf dem Brauneck an die gemeindliche Trinkwasserleitung und den Abwasserkanal bereits angedacht war. Die Umsetzung dauerte allerdings.

Handwerkliche Tradition: Stefan Obermüller beim Kasen in der Stie-Alm.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Erst 2016 wurde das aufwendige Bauprojekt fertiggestellt und 22 Hütten, darunter auch die Stie-Alm, an Kanal und Wasser angeschlossen. Die Kosten von rund drei Millionen Euro wurden über staatliche Zuschüsse und von den Hüttenbesitzern finanziert. Was noch fehlte, war die Nachlegalisierung von Kiosk und Käserei auf der Stie-Alm. Weil die ursprünglichen Bauanträge "zu alt waren", wie Bauamtsmitarbeiterin Tanja Bux kürzlich sagte, mussten sie erneut bei der Gemeinde eingereicht und behandelt werden.

Nun, der Bauausschuss hatte keine Einwände gegen die längst ausgeführten Pläne und billigte sie einstimmig. Aber damit auch alles seine Ordnung hat, wurden in der jüngsten Sitzung ausführlich über Abweichungen von der Ostgestaltungssatzung informiert.

"Die Dachfläche aus dem Baukörper wird nach Westen mit gleicher Dachneigung abgeschleppt, so dass über dem Bestandsgebäude ein mittiger Gegenfirst errichtet wird", erklärte Bux. Die hierzu erforderliche Abweichung scheine vertretbar. Allerdings müsse ein entsprechender Antrag in dreifacher Ausfertigung nachgereicht werden.

© SZ vom 14.11.2020/aip

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