Lenggries:Gemeinderat lehnt Unterkunft in ehemaliger Kaserne ab

Lenggries: Die ehemalige Prinz-Heinrich-Kaserne in Lenggries will der Gemeinderat für ein "lebendiges Miteinander" entwickeln.

Die ehemalige Prinz-Heinrich-Kaserne in Lenggries will der Gemeinderat für ein "lebendiges Miteinander" entwickeln.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Kommune will das Areal mit Wohnungen, Kindergarten und Gewerbe entwickeln. 

Von Petra Schneider, Lenggries

Die Gemeinde Lenggries will das seit gut 20 Jahren weitgehend ungenutzte, 15 Hektar große Areal der ehemaligen Prinz-Heinrich-Kaserne entwickeln. Im Februar hatte die Freie Wählergemeinschaft ein erstes Konzept vorgelegt, das eine Nachnutzung von Bestandsgebäuden vor allem für Personalwohnungen und einen Kindergarten vorsieht. Einer Nutzung von gemeindeeigenen Kasernengebäuden für die Unterbringung von Geflüchteten wurde mit Verweis auf nötige Instandsetzungsmaßnahmen im März eine Absage erteilt. Am Montag hat der Gemeinderat nun erneut einstimmig eine Flüchtlingsunterkunft abgelehnt. Ein Privateigentümer hatte einen Bauantrag gesellt, in dem bisher als Büro genutzten ehemaligen Lehrsaalgebäude Geflüchtete unterzubringen. Ein bereits genehmigter Vorbescheid für einen Handwerkerhof wäre damit hinfällig.

Nach den neuen Plänen des Firmeneigentümers sollte der ehemalige Lehrsaal, der sich im Gewerbegebiet Luitpolderhöfe 4 befindet, umgebaut werden und Platz für 95 Geflüchtete bieten. In Erd- und Obergeschoss sollten die Schlafräume eingerichtet werden, im Untergeschoss die Aufenthaltsräume. Seit der Gesetzgeber im Juli das Baurecht gelockert hat, sind Unterkünfte für Geflüchtete auch in Gewerbegebieten möglich und sollten von den Kommunen sogar erteilt werden, erklärte Bauamtsleiter Ronny Bousseljot.

Kein Spielplatz, kein Nahverkehr und keine Damentoiletten

Er führte allerdings diverse Gegenargumente auf, allen voran eine mangelnde Erschließung beim Trinkwasser. Es gebe weder eine Beleuchtung an der Gebirgsjägerstraße noch innerhalb des Kasernenareals. Außerdem sei keine Außenfläche, wie etwa ein Spielplatz, vorgesehen. Eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr fehle. Und zudem seien im Erdgeschoss keine Damentoiletten vorhanden, sagte Christine Rinner (CSU). Die Aufenthaltsräume seien im Untergeschoss geplant, obwohl die Kellerräume in den ehemaligen Kasernengebäuden im Verdacht stünden, schadstoffbelastet zu sein.

Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG) warnte davor, dass sich das Areal zu einem "sozialen Brennpunkt" entwickeln könnte, weil die Unterkunft auf "maximale Belegung" ausgerichtet sei. "Ich kann dem Bauantrag unter keinen Umständen zustimmen", sagte er. Zumal in Lenggries bereits eine Gemeinschaftsunterkunft für 96 Geflüchtete an der Scharfreiterstraße gebaut werde. Zwar hatte der Gemeinderat im September auch diesen Bauantrag einstimmig abgelehnt. Das Landratsamt als übergeordnete Behörde hatte den Antrag allerdings genehmigt.

"Schwerpunkt der Entwicklung der Gemeinde."

Gleiches wäre theoretisch nun auch für den Antrag auf dem Kasernenareal möglich, weil der Landkreis dringend Unterkünfte benötigt. Für das Kasernenareal hat Lenggries allerdings andere Pläne. Dieses stelle "den Schwerpunkt der Entwicklung der Gemeinde dar", sagte Bousseljot. So sollen die Flächen nördlich der Gewerbegebiete Luitpolderhöfe 1-4 in ein gemischtes Gebiet für ein "lebendiges Miteinander" entwickelt werden. In den vergangenen Monaten habe man ausführlich beraten, sagte Bürgermeister Klaffenbacher. Schrittweise wolle man die denkmalgeschützten Gebäude einer "sinnvollen Nutzung" zuführen: ein dringend nötiger, vierter Kindergarten, bezahlbare Mitarbeiterwohnungen, Räume für die Jugend, Gewerbe.

Um jetzt konkret in die Planungen einsteigen zu können, wurde am Montag einstimmig der bislang für das Areal geltende Bebauungsplan, der eine Nutzung im Bereich Freizeit, Sport, Bildung vorsieht, aufgehoben. Stattdessen soll nördlich der bereits bestehenden Gewerbegebiete Luitpolderhöfe 1-4 eine Mischung gelten: in einem kleineren Teilgebiet weitere Gewerbebetriebe, östlich davon ein Mischgebiet mit Wohnen und sozialen Nutzungen. Wo genau die Grenzen gezogen würden, sei damit nicht festgelegt, betonte Klaffenbacher. Es handle sich zunächst um einen Aufstellungsbeschluss.

Die konkreten Nutzungen der einzelnen Gebäude erfolgten in einem zweiten Schritt, ebenso Überlegungen zu Erschließung und Energieversorgung. Man müsse dem Planungsbüro Vorgaben geben, damit mögliche Nutzungen ausgearbeitet werden könnten, antwortete Klaffenbacher auf Kritik der CSU, die die Aufstellung eines Bebauungsplans nicht für nötig hielt. Der Bürgermeister zeigte dafür kein Verständnis. Man habe acht Jahre lang versucht, eine Bildungseinrichtung oder einen Anbieter im Bereich Freizeit/Sport anzusiedeln. "Aber wir sind nicht weitergekommen." Nun müsse die Gemeinde einen anderen Weg gehen. Dafür sei der neue Bebauungsplan der nötige Startschuss. Mit 19 zu sechs Stimmen wurde dessen Aufstellung schließlich beschlossen.

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