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Kommunalwahl in Münsing:Zwei Gemeinderäte an der Spitze

Christine Mair und Matthias Richter-Turtur führen die Liste der Grünen an

Von Benjamin Engel, Münsing

Etwas enttäuscht dürfte an diesem Abend womöglich Klaus Strobl gewesen sein: Auf der Liste der Münsinger Grünen für die Kommunalwahl steht der 38-jährige Ingenieur für Energie- und Gebäudetechnik am Ende bloß an sechster Stelle. Zwei Mal scheiterte er im Wettbewerb um Platz zwei und Platz vier - erst gegen Matthias Richter-Turtur, dann gegen Valentin Huber-Saffer. Dass sich Strobl um einen besseren Listenplatz bemühte, fand Grünen-Kreissprecher Alexander Müllejans mutig. Als Wahlleiter empfahl er ihm, weiterzumachen. Über die voll besetzte lange Tafel im Café Freiraum freute sich Müllejans: "Wenn ich in den von Leuten gefüllten Raum sehe, geht mir das Herz auf."

Für die Wahl haben die Grünen im Münsinger Ortsverband, der erst im Juni gegründet wurde, 16 Kandidaten und zwei Ersatzkandidaten gewählt. Ortsvorsitzender Richter-Turtur zeigte sich zuversichtlich, mehr als zwei Sitze im Gemeinderat zu erringen. Um erfolgreich zu sein, appellierte er allerdings an alle, sich anzustrengen. "Jeder auf der Liste sollte sich bemühen, Werbung zu machen."

Auf den ersten beiden Plätzen werden bekannte Gemeinderäte antreten. An der Spitze steht Umweltreferentin Christine Mair, die seit 2014 die Wählergruppe Münsing vertrat. Die 54-Jährige bezeichnete sich selbst als überzeugte Bio-Bäuerin, die mit ihrem Mann Nikolaus Mair vor mehr als 30 Jahren zu den Pionieren der ökologischen Landwirtschaft in Münsing zählte. Als Gemeinderätin habe sie ihren ersten Antrag gestellt, um das Amt einer Umweltreferentin einzurichten, sagte sie. Das sei sie dann gleich geworden. "Das würde ich gerne weiterführen."

Die Wahl bei den Grünen folgte genauen Regeln. Jeder Kandidat durfte sich höchstens zwei Minuten vorstellen, was Diana Hesse, Beisitzerin im Kreisverband, mit der Uhr stoppte. Vorgegeben ist bei den Grünen, dass die ungeraden Listenplätze nur Frauen besetzen dürfen, die geraden stehen prinzipiell allen offen. Zur Aufstellungsversammlung waren 14 Stimmberechtigte gekommen. Auf Platz zwei wurde Richter-Turtur mit acht zu sechs Stimmen gegen Strobl gewählt. Danach folgt Anja Ruhdorfer. Die 33-jährige Landschaftsarchitektin aus Münsing wurde einstimmig gewählt. Im Wettbewerb mit Strobl um Listenposition vier setzte sich der 22-jährige Huber-Saffer durch. Der Student der Politikwissenschaften und Philosophie findet es gut, dass sich in Münsing ein Grünen-Ortsverband gegründet hat. "Das ist eine der schönsten Gegenden hier, die sollte man erhalten", beschreibt er seine Motivation, sich kommunalpolitisch zu engagieren. Ganz salopp stellte sich Mechthild Felsch (Platz fünf) vor. "Neue Besen kehren manchmal gut, aber alte gehören nicht weggelegt", erklärte die 66-Jährige. Im Landkreis ist sie als Kreisrätin, als Seniorenbeirätin und durch ihr Engagement im Christophorus Hospizverein bekannt. Mit der Architektin Mechtild Schönberger und dem früheren Gemeinderat Uli Grunwald wurden auf die Plätze sieben und acht noch zwei Kandidaten einzeln gewählt. Der Rest folgte im Blockverfahren. Durch die Aufstellungsversammlung fühlt sich Umweltreferentin Mair gestärkt und wünschte sich nur eines: "Wichtig ist, dass wir als Team zusammenarbeiten."

Die Kandidaten der Münsinger Grünen für die Kommunal 2020: : 1. Christine Mair, Bio-Bäuerin; Matthias Richter-Turtur, Chirurg, 3. Anja Ruhdorfer, Landschaftsarchitektin; 4. Valentin Huber-Saffer, Student; 5. Mechthild Felsch, Fremdsprachenkorrespondentin ; 6. Klaus Strobl, Ingenieur für Energie- und Gebäudetechnik; 7. Mechtild Schönberger, Architektin; 8. Uli Grunwald, Lehrer; 9. Anika Tepelmann, Drehbuch-Autorin; 10. Peter Braun, Zimmerermeister; 11. Petra Schulze, Lehrerin; 12. Klaus Reid, Bauingenieur; 13. Hedda Rautenberg, Textildesignerin; 14. Johannes Umbreit, Pianist; 15. Diana Hesse, Verwaltungsangestellte; 16. Eckehard Apfel, Grafiker.

© SZ vom 11.11.2019

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