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Kommunalwahl in Bad Tölz:Abschied von elf Stadträten

In Tölz gehen viele Mandatsträger in den politischen Ruhestand. Der scheidende Bürgermeister Josef Janker würdigt ihre Leistungen in der letzten Sitzung

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Im Stadtrat von Bad Tölz bricht eine neue Ära an. Neben Bürgermeister Josef Janker (CSU) begeben sich nicht weniger als elf Mandatsträger in den politischen Ruhestand. Einige davon haben zum Teil über Jahrzehnte hinweg die Lokalpolitik in der Kurstadt maßgeblich mitgeprägt. Anders als geplant wurden sie - trotz Corona-Pandemie - nun doch in einer Stadtratssitzung am Dienstagabend offiziell verabschiedet. Als Grund nannte Janker, dass etliche Stadträte diesen Wunsch ausdrücklich an ihn herangetragen hätten. Er dankte den elf scheidenden Räten für ihren Dienst an der Gesellschaft: "Im Namen der Stadt und als eine meiner letzten Amtshandlungen sagen ich Ihnen von Herzen 'Vergelt's Gott'".

Die Veteranen im alten Stadtrat waren Anton Heufelder und Ludwig Bauer. Die beiden Christsozialen gehörten dem Gremium jeweils 30 Jahre lang an. Bauer sei stets ein Vermittler gewesen, vor allem in seiner Zeit als Dritter Bürgermeister von 2008 bis 2014, sagte der Janker. Er sei "zuverlässig und stets verfügbar" gewesen. Sein Mandat habe er "ohne großes Tamtam" wahrgenommen, "weil Schaureden nie sein Ding waren - 'Zeitdiebstahl' nennt er sie." Für Bauer, so der Bürgermeister, seien vor allem der Bau des Feuerwehrhauses und des Krankenhauses prägend gewesen.

Auf jede Menge Projekte im Stadtrat blickt auch Anton Heufelder zurück. Neben dem Feuerwehrhaus und der Klinik gehören dazu der Bau und die Sanierung von Sportstätten, der Alten Schießstätte, die Entwicklung der Stadtbibliothek zu einem Bildungszentrum. "Besonders zu würdigen ist meiner Ansicht nach auch der Nachlass der Familie Greiner an die Stadt Bad Tölz", so der Bürgermeister. Heufelder sei als "Wahrer der Traditionen" aufgetreten, unter anderem seit 33 Jahren als Leonhardilader, gemeinsam mit Bauer. Er sei "immer ein angenehmer Kollege, stets wertschätzend und humorvoll" gewesen.

24 Jahre lang saß Margot Kirste für die Freie Wähler-Gemeinschaft (FWG) im Stadtrat. Sie setzte sich für soziale Belange ein, sammelte Geld für den kommunalen Unterstützungsfonds, initiierte das Bürgerhaus im Lettenholz mit, förderte die Jugendarbeit. Außerdem nahm sie sich der Kunst im öffentlichen Raum an, etwa der "Brücke der Menschlichkeit" am Blomberg, und half dem Tölzer Kunstverein. Kirste sei eine "Vernetzerin", sagte Janker: "Immer vor Ort, immer draußen, immer bemüht, Menschen zusammenzubringen, Anregungen aufzugreifen und an die entsprechenden Stellen weiterzuleiten."

15 Jahre brachten Camilla Plöckl (SPD) und Peter Priller (Grüne) im Stadtrat zu. Mit ihrer "quirligen Art" habe Plöckl den Stadtrat aufgemischt, sagte der Bürgermeister. "Was sie anfasst, macht sie ganz - mit Kopf, Herz und Hand", betonte Janker. Dabei verwies er vor allem auf Plöckls Engagement für Radwege, das Ramadama oder auch für Hundebesitzer. Priller war maßgeblich daran beteiligt, dass es in Tölz eine städtische Baumschutzkommission gibt. Seine Stärke sei, dass er offen auf Menschen zugehe, diplomatisch verhandle, hartnäckig und zielstrebig sei, so Janker. Wie stark er als "Zuagroaster" in Tölz verwurzelt sei, zeige die Kommunalwahl 2014, als er von einem hinteren Listenplatz in den Stadtrat gewählt wurde.

Zwei Amtsperioden gehörte Andrea Grundhuber (Grüne) dem Gremium an. Sie habe trotz ihrer zurückhaltenden Art mit Vehemenz an den Debatten im Stadtrat beteiligt, sagte der Bürgermeister. "Bezeichnend dabei ist, das sie zwar immer mit leisen Tönen, aber auch mit bohrenden Fragen ihre Positionen vertritt." Jeweils sechs Jahre arbeiteten als Stadträte Jürgen Renner (SPD) - "er hat als sogenannter Alterspräsident so manchen Pflock im Stadtrat gesetzt", Peter Wiedemann (FWG) - "ein Mann mit Überzeugungen und festen Grundsätzen" - und Florian Rein (FWG) - "ein eher zurückhaltender Vertreter, aber auch einer, der sehr konkret seine Überzeugung vertrat".

Bürgermeister Janker selbst nutzte die Gelegenheit, um noch einmal auf all die Projekte hinzuweisen, die in seiner zwölfjährigen Amtszeit als Rathauschefumgesetzt wurden - von Schulen und Kindergärten über das Franziskuszentrum und das Vitalzentrum bis hin zum Rathaus-Umbau. Seinen Nachfolgern riet er: "Hütet Euch vor Bedenkenträgern, Alleswissern, Zeitdieben und omnipräsenten Leserbriefschreibern. Manchen ist halt immer alles, was Ihr macht, zu wenig, zu unbedeutend, zu langwierig oder grundfalsch." Es gebe aber auch Bürgerinnen und Bürger, die "aus ganz anderem Holz geschnitzt" seien, wie ihr Einsatz in der Corona-Krise zeige. Für Bad Tölz wünsche er sich, dass sich der Grundsatz "Gemeinnutz vor Eigennutz" durchsetze.

© SZ vom 02.05.2020
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