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Kommentar:Wahl ohne Kampf

Der Geretsrieder SPD-Bürgermeisterkandidat kündigt schon vor seiner Nominierung an, dass zum Gewinnen Zeit und Geld fehlten.

Wer Bürgermeister werden will, sollte sich auf vieles verlassen: auf sein Programm, auf seine Partei, auf seine Person - aber auf keinen Fall auf seine Bekanntheit. Die Ankündigung des designierten Bürgermeisterkandidaten der SPD, keinen breit aufgestellten Wahlkampf veranstalten zu wollen, ist enttäuschend. Hans Hopfner ist ein Kandidat mit klaren sozialen Werten - er könnte tatsächlich ein ernst zu nehmender Konkurrent für die Kandidaten von CSU und Freien Wählern werden. So aber vermittelt Hopfner eher das Gefühl, eben doch das zu sein, was der Ortsvorsitzende Wolfgang Werner mit Nachdruck dementierte: ein Verlegenheitskandidat, dem es im Grunde egal ist, ob er es wird oder nicht.

Hopfners langjährige Stadtratstätigkeit dürfte nicht ausreichen, um ihm bei der Wahl die Mehrheit einzubringen. Da muss man sich nur einmal die niedrige Wahlbeteiligung ansehen: 2008 gingen mit 46,99 Prozent nicht einmal die Hälfte aller wahlberechtigten Geretsrieder zur Urne, 2002 nur geringfügig mehr, 50,63 Prozent. Verrechnet mit den Bemühungen der Freien Wähler und der CSU stehen Hopfners Chancen schlecht, wenn er untätigt bleibt. Robert Lug und Michael Müller sind im Bewusstsein der Bürger vermutlich wesentlich präsenter, weil sie sich - trotz Berufstätigkeit - die Zeit nehmen, daran zu arbeiten.

Hopfner ziert sich nicht, Ideen der Konkurrenz aufzugreifen wie Müllers Seniorenbüro. Da hat er auch recht: Bei guten sozialen Ideen sollte es immer um die Sache gehen, nie um die Person. Jetzt aber geht es um die Sache Bürgermeisterwahl. Hopfer wäre gut beraten, sich auch hier von seiner Konkurrenz ein oder zwei Scheiben abzuschneiden. Was wäre zum Beispiel verkehrt daran, eine SPD-Lounge im Stil der Freien Wähler zu eröffnen? Hopfners Bekanntheit ließe sich so noch mächtig steigern.