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Kommentar:Not und Tugend

In Geretsried werden Container für Asylbewerber aufgestellt - eine Notlösung. Aber Landrat und Bürgermeisterin gehen einfühlsam damit um.

Es ist keine gute Lösung, Container für Asylbewerber aufzustellen. Aber es ist gut, wie Landrat Josef Niedermaier und Bürgermeisterin Cornelia Irmer mit dieser Notlösung umgehen. Beide haben sich in der Anwohnerversammlung menschenfreundlich, hilfsbereit und sozial geäußert. Das ist, wie man weiß, bei Politikern nicht immer selbstverständlich. Weder Irmer noch Niedermaier haben Einheimischen mit Vorbehalten gegen Asylsuchende in irgendeiner Weise nach dem Mund geredet - eine Versuchung, der sonst mancher gerade in der Provinz nur allzu gern nachgibt.

Landrat und Bürgermeisterin sind offenkundig um ein friedliches Miteinander zwischen Geretsriedern und Asylsuchenden bemüht. Sie demonstrieren dabei eine ebenso pragmatische wie solidarische Einstellung. Der Landkreis muss die Flüchtlinge aufnehmen, da sie ihm von der Regierung "zugewiesen" werden. Also muss er sie auch vernünftig unterbringen. Und wenn von 21 Kommunen zwischen Icking und Jachenau eben nicht einmal ein Drittel bereit war, dezentrale Unterkünfte zur Verfügung zu stellen, darf sich niemand über zentrale Lösungen wundern - oder gar über deren Kosten aufregen. Und wenn es nun schon Sammel-Asyle gibt, dann bitte nicht an Ortsrändern oder auf der grünen Wiese. Gerade wer Angst vor einem Ausländer-Ghetto hat, muss das unterstützen. Auch darin haben Irmer und Niedermaier Recht: Wo, wenn nicht inmitten der Gesellschaft, sollten sich Flüchtlinge integrieren können? Und wer, wenn nicht das reiche Deutschland, sollte dies leisten können?

Und dann ist da noch der spezielle Geretsried-Aspekt, den die Bürgermeisterin angesprochen hat: Eine Stadt, die oft und gern daran erinnert, dass sie von "Rucksackdeutschen" überhaupt erst erschaffen wurde, die muss auch offen für heutige Rucksack-Flüchtlinge sein.

Eine schlechte Lösung sind die Container nicht für den Landkreis, nicht für Geretsried und nicht für die direkten Nachbarn. Sondern für die 80 vom Schicksal ohnedies gebeutelten Menschen unterschiedlicher Nationen und Kulturen, die darin leben und miteinander auskommen müssen. Sie sind es, die Mitgefühl brauchen. Eine Tugend, die Landrat Niedermaier und Bürgermeisterin Irmer gerade vorgelebt haben.