Königsdorf:Fest im Sattel

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Bürgermeister Anton Demmel braucht bei den Wahlen keine Konkurrenz zu fürchten. Bei aller Zustimmung geht es aber auch in seiner Gemeinde nicht ohne Kritik und Probleme ab.

Von Barbara Szymanski

Kommunalwahl  2014

Bürgermeister Anton Demmel im Neubau des Rathauses.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Anton Demmel lächelt oft. Der Königsdorfer Bürgermeister hat das nicht für Wahlkampfzeiten reserviert. Es ist sein Markenzeichen. Lächelt er alles weg? Nein, beim Thema Trinkwasserprobleme beispielsweise wird er schnell sehr ernst. Kurz und knapp zu antworten ist dabei nicht sein Ding. Er sprudelt, ist kaum zu bremsen. Bei Zahlen und Fakten schweift der leidenschaftliche Haushalts- spezialist jedoch nicht ab. Die hat er ohne Spickzettel im Kopf, wie die Einzelausgaben der Gesamtinvestitionen von 12 Millionen Euro bei einem Haushaltsvolumen von neun Millionen Euro, die er, die Verwaltung und der Gemeinderat in den vergangenen sechs Jahren geleistet haben.

2008 zog der politische, damals 36-jährige Neuling und überzeugte Freie Wähler mit 64,04 Prozent der Stimmen ins Rathaus ein. Da hatte er noch zwei Mitbewerber: Georg Stöger von der CSU (15,01) und Bernhard Woisetschläger von der UBL (20,95 Prozent). Für die Kommunalwahl am 16. März gibt es keinen Konkurrenten.

Wahlkampf

Anfangs war Anton Demmel nach eigenen Worten enttäuscht, dass es diesmal keine Mitbewerber gibt. Denn die hätte er eingeladen, Lösungen vorzuschlagen für die Wasserprobleme und die umstrittenen Windrad-Standorte. "Doch diese Themen sind sehr komplex und sensibel. Damit macht man keinen Wahlkampf", sagt er. Bei der Frage, ob er beliebt ist, lacht er und sagt: "Ich hoffe doch." Kritik jedoch bekommt er häufig zu hören. Das muss er zugeben. Er seufzt: "Die Arbeit des Gemeinderats soll nicht immer nur kritisiert, sondern wertgeschätzt werden."

Von Demmel ist kein spezielles Wahlkampfthema zu hören. Das Kleinzentrum mit Arzt, Tierarzt, Dorfladen, Metzger, Bäcker, Schreibwarenladen, Gaststätten, Schule, Apotheke, das ist ihm nach wie vor "heilig", das sei vorbildlich für eine Kommune dieser Größe. Das will er genauso erhalten wie das vielfältige Vereinsleben. Alle haben jetzt ihre eigenen Räume im Feuerwehrhaus, und die lautstarke Kritik der Schützen und anderer Vereine, die wegen des Kindertagesstätten-Neubaus aus dem alten Schulhaus ausziehen mussten, ist verstummt. Wahlkampf findet eigentlich gar nicht statt. So sind auf der Homepage der Freien Wähler jedenfalls keine Termine vermerkt. Demmel meint, dass er sich mit der Arbeit der vergangenen sechs Jahre beworben habe. Und tatsächlich sind zumindest sieben der größeren Projekte im Internet aufgelistet - ohne Kommentar. Nicht alle sind zur Zufriedenheit gelöst wie die DSL-Geschwindigkeiten, die in manchen Ortsteilen noch zu niedrig sind. Hier setzt Demmel auf die neuen Förderungsmöglichkeiten durch die Staatsregierung. Von Glasfaserkabeln hält er nach wie vor nichts. Seiner Meinung nach ist das nicht die Technik der Zukunft. Doch mit Glasfaser plus vom Blomberg gefunktem DSL sei immerhin das neue Gewerbegebiet im Ortsteil Wiesen ausreichend versorgt. Dafür hat die Gemeinde einen Zuschuss gegeben und Leerrohre für Glasfaserkabel gelegt. Die 18 Parzellen sind verkauft, doch die Nachfrage hält an - wegen der guten Infrastruktur, der günstigen Verkehrsanbindung und des niedrigen Gewerbesteuer-Hebesatzes.

Nach wie vor werden die Listen der Gemeinderatskandidaten doppelt besetzt, das erlaubt das bayerische Wahlgesetz für Gemeinden unter 3000 Einwohnern. Heuer sollte es anders laufen. Doch offenbar ist es eine sportliche Herausforderung, dass die drei Rathaus-Fraktionen 28 Kandidaten zusammenbringen - ohne Doppelnennungen. Überschreitet Königsdorf die 3000-Marke, geht das nicht mehr. Wenn dieses Thema erörtert wird im Gemeinderat, dann scherzt Demmel gerne mal: Es sollten mehr Kinder gezeugt werden. Aber die Einwohnerzahl stagniert. Demmel gibt nicht auf. Sein Konzept: Bauland ausweisen. 4400 Quadratmeter Bauland beim Oberbauer an der Hauptstraße, 6600 Quadratmeter auf dem ehemaligen Sägewerkgelände. Und die Scherbengrube unten am Sportplatz wird auch noch erschlossen.

Kindertagesstätte

Demmels ganzer Stolz ist die sanierte und teils neu gebaute Kindertagesstätte mit Krippen. Ein ortstypisches altes Haus musste dafür weichen, Vereine mussten ausziehen. Nun wird beklagt, dass die Räume zu klein seien. Die Frage, ob an den Bedürfnissen vorbeigeplant wurde, ist dem Bürgermeister sichtlich unangenehm. Die Gemeinde habe sich an Vorschriften und Normen gehalten, weicht er aus. Bekannt sei ihm jedoch, dass die Mittagsbetreuung mit dem Raumangebot nicht zurechtkommt und ins Schulhaus ausweichen muss. Eine Lösung hat er dafür nicht, wohl aber für den zu kleinen Garten der Einrichtung. Ein gemeindeeigenes Grundstück bei der Schule soll erschlossen werden.

Investitionen

Manche Projekte dauern ewig in Königsdorf, wie der jetzt bald fertige Rathausneubau. 33 Jahre lang wurde geplant und überlegt, zehn Jahre vergingen, bis das Gewerbegebiet angepackt wurde, neun Jahre bei der Kanalisation Richtung südliche Ortsteile. Demmel muss keine Sekunde überlegen, wie sich die 12 Millionen Euro Investitionen aufschlüsseln.

Er spult sie herunter - sogar gestaffelt nach der Höhe: 4,9 Millionen Euro für das neue Gewerbegebiet, 1,9 Millionen für den Kanal, 1,7 Millionen für das neue Rathaus, 1,6 Millionen für die Kita, 700 000 für Schulsanierung, 650 000 Euro für Straßenausbau, 300 000 Euro für das Feuerwehrhaus, 250 000 Euro für Hochbehälter, 150 000 Euro für den Trinkwasserbrunnen. Dennoch bleiben nach Abrechnung aller Projekte seiner Schätzung nach 1,3 bis 1,5 Millionen Euro auf der hohen Kante. Denn einige Projekte wie der Kanal und die Kita werden erheblich gefördert.

Altlasten

Demmel und der Gemeinderat haben viel Zeit aufbringen müssen, um Altlasten aus der Amtszeit von Alfred Stangler (CSU) abzubauen wie die 20 unvollendeten Bebauungspläne, die mit Steuergeldern geheilt oder aber stillgelegt werden mussten. Die Frage nach weiteren Altlasten wecken bei Demmel offenbar etwas Unbehagen. Fünf Straßen seien mit den Anwohnern noch nicht abgerechnet worden, manche Verträge stünden kurz vor der Verjährung. Wie viel Verlust das im Fall des Falles für die Gemeindekasse bedeutet, hat das ansonsten zahlenkundige Ratsoberhaupt nicht parat. Er spricht nur von viel Geld.

Die kommenden sechs Jahre

Heuer werden nach Demmels Worten die großen Projekte abgeschlossen sein, und dann wird es wohl etwas ruhiger um den umtriebigen Bürgermeister. Kommt etwa Langeweile auf? Als Antwort zählt Demmel weitere Projekte auf: Bebauungspläne, Geothermie am Fiechtnersee, Eisplatz, Allwetterplatz, Kita-Garten, Straßenbau und energetische Ertüchtigung gemeindeeigener Bauten wie dem Kloster. "Da fragen Sie mich, ob es mir langweilig wird!"

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