Stichwahl in Kochel am See:Jens Müller ist neuer Kochler Bürgermeister

Stichwahl in Kochel am See: Blumen erhielt Sieger Jens Müller von der Geschäftsführerin der Gemeinde Kochel am See, Nicole Lutterer. Links: die unterlegene Rosi Marksteiner.

Blumen erhielt Sieger Jens Müller von der Geschäftsführerin der Gemeinde Kochel am See, Nicole Lutterer. Links: die unterlegene Rosi Marksteiner.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der UWK-Kandidat setzt sich klar gegen Rosi Marksteiner durch. Er kündigt an, alle mit ins Boot zu holen.

Von Petra Schneider, Kochel am See

Jens Müller (UWK) ist neuer Bürgermeister von Kochel am See. Bei der Stichwahl am Sonntag setzte er sich mit 60,15 Prozent gegen Rosi Marksteiner (Mitte) durch, für die 39,84 Prozent votierten. Die Wahlbeteiligung lag bei 53,85 Prozent und damit noch niedriger als beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen (57,7 Prozent der 3214 Wahlberechtigten).

Stichwahl in Kochel am See: Eine Dreiviertelstunde nach Schließung der Wahllokale war ausgezählt.

Eine Dreiviertelstunde nach Schließung der Wahllokale war ausgezählt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Dass die Wahl zugunsten von Müller ausging, ist keine große Überraschung. Denn fast hätte es für den 55-jährigen Rechtsanwalt bereits im ersten Wahlgang gereicht: Müller bekam 45,4 Prozent (836 Stimmen), der Abstand zu Marksteiner, für die 30,9 Prozent (568 Stimmen) votiert hatten, war deutlich. CSU-Kandidat Thomas Bacher war mit 23,7 Prozent ausgeschieden. Bei der Stichwahl konnte Müller seinen Vorsprung nun behaupten.

Er wirkte nach der Bekanntgabe des Ergebnisses recht ruhig. "Ich kann es selber noch gar nicht richtig fassen", sagte er. Sein Anliegen sei, alle mit ins Boot zu holen, "Bürger, Gemeinderäte, Verwaltung", und vieles von dem zu verwirklichen, "was ich mir vorgenommen habe". Weil er als Bürgermeister einen Beamtenstatus habe, dürfe er nicht mehr als Rechtsanwalt arbeiten, erklärte Müller. Seine Frau Helga, die ebenfalls Juristin sei, werde laufende Fälle zu Ende führen. Er werde sich jetzt erst einmal in die Verwaltungsabläufe einarbeiten.

Marksteiner äußerte sich enttäuscht. "Dass ich so wenig Stimmen bekomme, hätte ich nicht gedacht." Sie habe in den vergangenen zwei Wochen noch einmal an Infoständen für sich geworben und Flyer an alle Haushalte verteilt. Aber Kochel sei eben immer noch sehr konservativ. "Es gibt viele, die offenbar glauben, dass es ein Mann besser macht." Sie werde weitermachen und auch 2026 wieder für den Gemeinderat kandidieren, kündigte sie an. "Für mich bricht jetzt keine Welt zusammen."

Die 57-jährige Betriebswirtin Marksteiner, die wie Müller seit 2014 im Gemeinderat sitzt, hatte soziale Themen und eine stärkere Bürgerbeteiligung in den Mittelpunkt gestellt. Die Neugestaltung der Dorfmitte nannte sie als eines ihrer Hauptthemen. Dass sie sich als Frau im Gemeinderat durchsetzen kann, haben ihr womöglich viele nicht zugetraut. Müller, der einen engagierten Wahlkampf geführt und sich in regelmäßigen Youtube-Videos an die Bürger gewandt hatte, hatte sich als gut informierter Kommunalpolitiker mit juristischem Fachwissen präsentiert. Der 55-jährige gebürtige Heidelberger, der Forstwissenschaft und Jura studiert hat, lebt mit Frau und zwei Töchtern seit 25 Jahren in Kochel. Er ist Mitglied der FDP und war zehn Jahre lang deren Kreisvorsitzender.

2014 wurde Müller für die Unabhängige Wählergemeinschaft Kochel (UWK) in den Gemeinderat gewählt. Als gemeindlicher Referent war er direkt in die Verhandlungen mit der Kristall AG eingebunden und trug so entscheidend zum Erhalt des Trimini bei.

Müller hat angekündigt, die Zusammenarbeit im Gemeinderat verbessern zu wollen und eine "solide Entwicklung für Kochel" anzustreben, die die angespannte Finanzlage im Blick hält. Kochel leidet unter einer Pro-Kopf-Verschuldung, die mehr als doppelt so hoch ist wie die vergleichbarer Kommunen. Einer seiner Schwerpunkte ist der Tourismus: Er will an den Parkgebühren festhalten, aber den Tageskurbeitrag abschaffen. Einen Wohnmobilstellplatz beim Trimini befürwortet er.

Beim Thema Wohnraum verweist Müller auf das Areal des ehemaligen Verstärkeramts, wo die Gemeinde 16 Wohnungen bauen will. Auch Tiny Houses auf einem gemeindeeigenen Grund in Altjoch könnte er sich vorstellen. Die Klage der Gemeinde Greiling gegen die Zuweisungen von Geflüchteten durch das Landratsamt, die das Verwaltungsgericht kürzlich mit einer Eilentscheidung gestoppt hat, begrüßt Müller.

Stichwahl in Kochel am See: Der frisch gewählte Bürgermeister Jens Müller mit seiner Ehefrau Helga.

Der frisch gewählte Bürgermeister Jens Müller mit seiner Ehefrau Helga.

(Foto: Manfred Neubauer)

Müller folgt auf Thomas Holz (CSU), der im Oktober in den Landtag gewählt wurde. Er wird bereits an diesem Dienstag im Gemeinderat vereidigt und bleibt für sechs Jahre im Amt; die nächsten Bürgermeisterwahlen finden im Januar 2030 statt. Auch eine andere Möglichkeit wäre denkbar: Auf Antrag des Bürgermeisters könnte der Gemeinderat beschließen, dessen Amtszeit auf die des Gemeinderats zu verkürzen. Dann würden im April 2026 zeitgleich Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen stattfinden.

Bacher: "Vui gredt is wenig gsogt"

Thomas Bacher, der bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden war und herbe Kritik von seinen CSU-Parteifreunden wegen seines ungenügenden Wahlkampfs einstecken musste, hat sich nun in einer Stellungnahme erklärt: Er habe im Wahlkampf mit Inhalten und eigenen Ideen punkten wollen und diese bei der Podiumsdiskussion, im "Kochler Blattl" und in persönlichen Gesprächen dargestellt. Sein Motto sei gewesen "Vui gredt is wenig gsogt". Eine Veränderung schaffe man nur, wenn man Dinge anders angehe, schreibt Bacher. Er übernehme die Verantwortung für seinen Wahlkampf und bedanke sich bei seiner Familie und allen Unterstützern. Die angekündigte Spende aus dem nicht verwendeten Wahlkampfbudget habe er bereits getätigt.

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Kochel am See
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