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Jubiläumsausstellung in Icking:Abheben mit Alinde

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Luftig und fließend sind alle 36 Blätter, die Alinde unter den Titel "Ausblick" gestellt hat. Der Malgrund, handgeschöpftes Büttenpapier, trägt zur Dramatik der Landschafts-Impressionen bei.

(Foto: Veranstalter/OH)

Unter dem Titel "Ausblick" fängt die 80-jährige Künstlerin das Voralpenland in einer außergewöhnlichen Farbsprache und aus einer Perspektive ein, die über den Bildrand hinausweist.

Von Barbara Szymanski

Alindes neueste Präsentation im Hollerhaus trägt den Titel "Ausblick". Das ist typisch für die mit überbordendem Schaffens- und Ideenreichtum gesegnete Malerin und Galeristin. Die nunmehr 80-Jährige schaut immer nach vorne. Die "Ausblick"-Serie, Landschafts-Interpretationen in Ölkreide und Aquarell, hat sie auf den ersten Blick monoton gehängt. Ein Werk reiht sich ans nächste, dicht an dicht, Titel gibt es nicht. Tritt man jedoch einen Schritt zurück, lässt sich eine geheimnisvolle Choreografie erkennen: Das Voralpenland mit seinem launischen Wetter präsentiert sich im Panoramablick, da gibt es gleißende Sonne und Regenschauer, einen irritierend eingefärbten Föhnhimmel, der die Berge heranzoomt, oder die Düsternis eines Moores.

Das Licht, die Stimmungen sind typisch für diese Gegend. Die Malerin verzichtet jedoch darauf, ihre Blätter mit den zu jeder Jahreszeit ausschweifenden Farben dieses besonderen Landstriches auszustatten. Alles ist eher in Moll als in Dur gehalten. So lässt sie sich auch nicht von dem viel gemalten und ewig leuchtenden "Blauen Land" beeindrucken oder verführen, sondern mischt, reibt, tupft und pinselt ihr eigenes Blau für Himmel und Berge, für Seen und Moore.

Wie so oft bei Alinde darf der Malgrund mitwirken. Bei diesem Zyklus ist es Büttenpapier mit seinen typischen ausgefransten Rändern, das zusätzliche Strukturen erzeugt und außerdem die freigelassenen Flächen nicht grellweiß herausstechen lässt, sondern auf Elfenbeinfarben trimmt. Wegen dieses Papiers wirken die Exponate auch fast wie Frottagen. Diese Technik bringt noch mehr Leichtigkeit, vielleicht sogar Ausgelassenheit und Lust am Komponieren und Interpretieren.

Voralpen-Panorama im Hollerhaus: Alinde lädt dazu ein, den Blick frei schweifen zu lassen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Betrachter gibt es bald auf, erkennen zu wollen, welches Moor das sein könnte, welcher See, welche wellengleich geschwungenen Hügel oder majestätischen Bergrücken. Alinde Rothenfußer legt ihr geliebtes Voralpenland auf ihre eigene Art aus. So liegt über allen Blättern eine sanfte, runde gleitende Energie. Nichts ist eckig, spitz oder schrundig.

Die Schroffheit und Lebensfeindlichkeit der Alpen fängt sie durch furchtlose, fast resolute Kreidestriche ein oder verhuschte Pinselstriche mit Aquarellfarbe, unterstützt durch den rauen widerspenstigen Untergrund und die zurückhaltende Farbgebung. Gerade diese erzeugt jedoch eine ganz besondere Dramaturgie, auch wenn mitunter ein frivoles Maisgelb hereintritt für den Himmel oder die Gegend. Und oft verschwimmen Himmel und Landschaft, als flöge der Betrachter über all diese Pracht hinweg zu einem neuen Horizont - Ausblicke eben.

"Ausblick", Hollerhaus, Neufahrner Weg 3, Irschenhausen-Icking, Samstag, Sonntag und Feiertag von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung, Telefon 08178/44 08

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Luftig und fließend sind alle 36 Blätter, die Alinde unter den Titel "Ausblick" gestellt hat. Der Malgrund, handgeschöpftes Büttenpapier, trägt zur Dramatik der Landschafts-Impressionen bei.

(Foto: Veranstalter/OH)
© SZ vom 10.06.2020

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