Isarkraftwerk:Kanufahrer ertrinkt in Wasserwalze

Lesezeit: 2 min

Isarkraftwerk

Die Schilder am Isarkraftwerk geben den Weg genau vor.

(Foto: Manfred Neubauer)

Trotz Warnhinweisen versuchen Wagemutige immer wieder, das Wehr am Isarkraftwerk in Bad Tölz zu durchfahren. Das endete für einen 43-Jährigen tödlich.

Von Ingrid Hügenell

Eine gefährliche Wasserwalze am Isarkraftwerk hat ein Todesopfer gefordert. Ein Mann kam nach Angaben der Polizei bei dem Versuch ums Leben, das Stauwehr mit dem Kanu zu durchfahren. Der 43-Jährige stammt aus dem Landkreis Augsburg. Sein Mitfahrer im Boot, ein 30-jähriger Mann, konnte sich selbst ans Ufer retten.

Bootsfahrer Wehr am Kraftwerk

In dem "Whirlpool" nach dem Wehr kentern Boote abrupt. Aus der tödlichen Wasserwalze gibt es kaum ein Entkommen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die beiden gehörten zu einer Gruppe von sechs Kanufahrern, die am Samstagabend, gegen 20.45 Uhr, die Isar befuhr. Die vier anderen hatten ihre Boote um die Schleuse getragen, wie es dort empfohlen wird. Die Stadt hat nun laut Bürgermeister Josef Janker Bauzäune aufgestellt, die es schwieriger machen, vor dem Wehr wieder ins Wasser zu gelangen. "Aber die kann man auch umgehen", sagt Janker.

Die Schleusen des Isarkraftwerks sind derzeit geöffnet, weil die Betonumbauung des Hauptabwasserkanals der Stadt Bad Tölz repariert werden muss, der durch den Isarstausee führt. Sie wurde durch das Hochwasser im Frühling beschädigt. Der Isarstausee wurde abgelassen, die Isar fließt als recht schmales Flüsschen durch die Baustelle. Dort müssen alle Bootsfahrer aussteigen.

Schon weit vor dem Wehr warnen Schilder vor der Gefahr. Auch an der Baustelle stehen große Tafeln, die auf die Lebensgefahr hinweisen, in die man sich begibt, wenn man weiter fährt. Wenige Meter nach dem Wehr kann man über eine Rutsche zurück ins Wasser gelangen.

Einige setzen ihre Kanus oder Schlauchboote aber trotz der Warnungen direkt nach der Baustelle wieder ins Wasser und durchfahren die Schleusen. Nur allzu leicht geraten sie dort in eine Wasserwalze. Eine tödliche Falle, wie sich nun gezeigt hat.

Die Wasserwalze entsteht, weil zum einen die Isar an dieser Stelle plötzlich nur noch halb so breit ist wie zuvor. "Die Isar gewinnt an Geschwindigkeit", erklärt Heinz Eger, Einsatzleiter der Tölzer Wasserwacht. Zum anderen ist das Flussbett nach der Schleuse eingetieft, das Wasser stürzt quasi in ein Becken hinein, was aber von oben nicht zu erkennen ist, wie Eger erklärt. Wer in die Walze geraten ist, kommt dort aus eigener Kraft kaum wieder heraus. Zu mächtig ist die Gewalt des Wassers, was man aber nicht erkennen kann.

Erst am vorigen Donnerstag war an gleicher Stelle eine Münchner Schlauchbootbesatzung gekentert. Einer der beiden Männer konnte sich ans Ufer retten, er hatte es mit knapper Not geschafft, unten aus der Walze herauszutauchen. Dem anderen gelang es, sich am Boot festzuhalten. Er wurde gerade noch rechtzeitig geborgen.

Auch vor dem tödlichen Unfall am Abend war es am Samstagnachmittag bereits zu einem dramatischen Zwischenfall gekommen. Gegen 16 Uhr war ein mit drei Männern aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck besetztes Schlauchboot gekentert. Einer von ihnen konnte sich an einer Betonmauer vor der Wasserwalze festhalten, er musste mit Hilfe einer Seilwinde per Hubschrauber geborgen werden. Die anderen schafften es aus eigener Kraft ans Ufer.

"Schlimm, ein Wahnsinn", sagt Bürgermeister Janker zu dem tödlichen Unfall. Er hofft, dass sich so etwas nicht wiederholt. "Viele Leute erkennen die Gefahr nicht." In dem "Whirlpool" nach dem Wehr verlören Boote jeglichen Auftrieb und sackten einfach ab. "Tragisch, wie leichtsinnig die Leute sind", sagt Eger.

Die Wasserwalze sei eine "echte Falle, wirklich gefährlich". Die Isar dürfe man auch bei Niedrigwasser nicht unterschätzen, sie habe einige gefährliche Stellen, etwa auch die Isarburg bei Lenggries. Auch dort fahren viele Leute einfach durch, weiß Eger. "Mich wundert die Sorglosigkeit, mit der die Leute zu Werke gehen. Man sieht leider, wie rasch das zum Tode führen kann."

Die Bauarbeiten werden laut Janker wohl noch vier bis sechs Wochen dauern, länger als geplant. Es seien momentan die nötigen Baustoffe nicht zu bekommen.

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