Hilfe für Eichhörnchen-Waisen:Findelkinder mit buschigem Schwanz

Nächtlicher Fütter-Rythmus? Alle drei Stunden: Andrea Christ und Inge Bolkart ziehen sieben verwaiste Eichhörnchen auf.

Thekla Kraußeneck

Asyl in Wolfratshausen haben sieben junge Eichhörnchen gefunden, die in diesen Tagen ausgewildert werden sollen. Die Jungtiere stammen aus einer Auffangstation in München-Trudering, die sich seit fünf Jahren verwaister Eichhörnchen annimmt. Der Andrang dort ist groß: Bei bis zu 150 Tieren jährlich leidet die Station unter Platzmangel. Daher haben sich die Wolfratshauserinnen Andrea Christ und Inge Bolkart entschlossen, sieben Findelkinder bei sich aufzunehmen.

Eichhörnchen - Aufzucht in Wolfratshausen

Eigentlich werden von den Eltern verlassene Eichörnchenbabys in der Wolfratshausener Auffangstation aufgezogen und später freigelassen. Aber weil die Station unter Platzmangel leidet, haben sieben Waisen ein anderes Zuhause gefunden.

(Foto: WOR)

Deren Aufzucht dauert im Schnitt zwölf Wochen und erfordert eine ganze Menge Zeit. In den ersten vier Lebenswochen benötigen die Würmchen im ein- bis dreistündigen Rhythmus Nahrung. Auch nachts. Dazu kommt ihre hohe Empfindlichkeit: Durchfall, Nieren- sowie Blasenentzündung und Unterkühlung können eintreten und erfordern neben viel Zuwendung vor allem tierärztliche Behandlung.

Die immerhin ist kostenlos: Da Wildtiere niemandem gehören, stellen Tierärzte keine Rechnung aus.

Die vergangenen vier Wochen haben die Eichhörnchen in einer Voliere verbracht. Die soll jetzt geöffnet werden, damit die Tiere ihren Weg in die Selbständigkeit antreten können. Aber Freiheit bedeutet auch Gefahr: "Ein paar Eichhörnchen fallen Autos und Mardern zum Opfer", sagt Christ. "Aber wenigstens haben die Findlinge eine zweite Chance bekommen." Wichtig sei jetzt, dass die Nachbarn über die ungewöhnliche Zutraulichkeit der Eichhörnchen nicht erschrecken. Vor Tollwut müsse niemand Angst haben, die Tiere seien vollkommen gesund. Nur anfassen oder einfangen dürfe sie keiner. Schließlich sollen die Tiere vom Menschen entwöhnt werden, und das funktioniere nur durch Distanz und stilles Beobachten.

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