Fragwürdige Botschaften:Kritik an Söllner-Auftritt im Tölzer Kurhaus

Fragwürdige Botschaften: Hans Söllner, hier bei einem Auftritt im vergangenen August, hat sich einst als anarchischer Rebell einen Namen gemacht.

Hans Söllner, hier bei einem Auftritt im vergangenen August, hat sich einst als anarchischer Rebell einen Namen gemacht.

(Foto: Johannes Simon)

Mehrere Gäste verlassen wegen "menschenverachtender" und "demokratiefeindlicher" Aussagen vorzeitig das Konzert.

Von Stephanie Schwaderer, Bad Tölz

Hans Söllner steht seit den Achtzigerjahren als eine Art bayerische Ein-Mann-Demo auf der Bühne. Für wen oder was er kämpft, lässt sich seit einiger Zeit nicht mehr eindeutig sagen. Am Samstag haben mehrere Leute sein Konzert im Tölzer Kurhaus vorzeitig verlassen, weil sie sich in einer AfD-Veranstaltung wähnten. Eine Studentin hat sich nun schriftlich an die Presse und an die Stadt gewandt. "Die Hetze, die ich im Kurhaus Bad Tölz erleben musste, war für meine Begleiter und mich verstörend", schreibt sie. "Wir haben den Raum verlassen, noch bevor das erste Lied angestimmt wurde, weil wir diese menschenverachtenden Aussagen als Demokrat:innen nicht dulden."

Mit Söllner habe sie sich vorab nicht beschäftigt, erklärt die 21-Jährige auf Nachfrage der SZ. "Leider!" Die Konzertkarte habe sie ihrem kleinen Bruder zu Weihnachten geschenkt, weil der gerne bayerischen Reggae höre. Söllner habe den Abend mit einer "menschenverachtenden Rede" begonnen, in der er gesellschaftliche Minderheiten und Bundespolitikerinnen auf vulgäre Weise beschimpft und verhöhnt habe. Die Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang habe er "fette Sau" genannt. Über ihre transsexuelle Kollegin Tessa Ganserer, die er als "Es" bezeichnete, sei er ausgiebig und "in einer Wortwahl hergezogen, dass mir schlecht wurde".

Dann sei Söllner auf die bundesweiten Proteste gegen Rechtsextremismus zu sprechen gekommen, habe sie lächerlich gemacht und sich mit Falschaussagen hinter der AfD positioniert. Notiert hat sie sich dazu die Aussage: "30 Prozent der Deutschen sind gegen die AfD, der Rest hat Demokratie verstanden." (Tatsächlich ist die AfD laut jüngsten Umfragen unter die 20-Prozent-Marke gefallen.) Sie habe dann mit drei anderen Leuten den Saal verlassen und sei draußen auf weitere Frauen gestoßen, die sich das Programm nicht weiter anhören wollten.

Der Veranstalter verweist auf die Meinungsfreiheit

Veranstalter Christian Gutmair zeigt sich von der Kritik überrascht: "Das ist das erste Mal, dass ich höre, dass Söllner rechts sein soll", sagt er. "Ich kenne ihn seit über 30 Jahren." Bei Söllner bekomme jeder "sein Fett weg". Die Aussagen zur AfD habe er nicht gehört. "Ich bin nicht immer im Saal gewesen." Als Veranstalter habe er die Pflicht, Vielfalt auf die Bühne zu bringen. "Ich bin bunt, ich habe schon immer alle Meinungen zugelassen, die ganz linken wie die ganz rechten. Nur wenn in dem Kontext das Wort extrem steht, dann greife ich ein." Rechtsextreme Äußerungen seien an diesem Abend seiner Überzeugung nach nicht gefallen.

Florian Völler war beim Söllner-Konzert als Security-Mann im Einsatz. Einen Tag später hat er in Geretsried eine Demo "gegen Rechtsextremismus, Hass und Hetze im Oberland" geleitet. Was sagt er zu den Vorwürfen? "Ich war nicht die ganze Zeit im Raum. Aber wenn man zu Hans Söllner geht, weiß man, was man zu erwarten hat." Während der Corona-Pandemie habe sich Söllner massiv gegen die staatlichen Maßnahmen gestellt. "Wenn er extremistisch würde, müsste ihn jemand anzeigen." Alles andere sei durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. "Das Einzige, was wir tun können, ist, dass wir aufstehen und widersprechen, ihm persönlich oder übers Management die Meinung kundtun, dass wir damit nicht einverstanden sind." Er selbst sei am Samstag die meiste Zeit nicht im Saal gewesen - zum einen, weil er arbeiten musste, zum anderen, weil er mit Söllner "nicht mehr viel anfangen" könne.

Das Konzert war laut Veranstalter Gutmair mit mehr als 400 Gästen nahezu ausverkauft. Ein Münchner, der ebenfalls vorzeitig gegangen ist, sagt: "Die meisten haben gelacht und gegrölt. Mir hat es die Nackenhaare aufgestellt."

Söllner war bis Dienstagmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Beim Münchner Musikverlag Trikont heißt es, man habe die Zusammenarbeit mit ihm seit der Corona-Pandemie eingestellt. Auf seinen Instagram-Kanal hat Söllner vor einer Woche gepostet: "Am Samstags/ Im Kurhaus/ Ich freue mich auf alle die sich noch trauen auf meine Demos zu kommen."

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