Haushaltsberatungen:"Schulen und Kindergarten haben Vorrang"

Haushaltsberatungen: Vor knapp einem Jahr überbrachte der damalige Kultusminister Michael Piazolo (rechts; daneben Florian Streibl, Michael Müller und Sonja Frank) der Stadt Geretsried den Bescheid, wonach die Mittelschule, zu der die Karl-Lederer- und die Adalbert-Stifter-Schule zusammengeführt werden, fünf- statt vierzügig geplant werden können. Die Schule soll nun Vorrang haben.

Vor knapp einem Jahr überbrachte der damalige Kultusminister Michael Piazolo (rechts; daneben Florian Streibl, Michael Müller und Sonja Frank) der Stadt Geretsried den Bescheid, wonach die Mittelschule, zu der die Karl-Lederer- und die Adalbert-Stifter-Schule zusammengeführt werden, fünf- statt vierzügig geplant werden können. Die Schule soll nun Vorrang haben.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Bürgermeister Michael Müller steckt den Rahmen für die Haushaltsberatungen in Geretsried ab. Etat hat ein Defizit von 4,5 Millionen Euro.

Von Susanne Hauck, Geretsried

Die Stimmung in Geretsried ist eher mau, was die Finanzen betrifft. Dieses Jahr sind keine großen Sprünge drin, denn die Einnahmen können die Ausgaben nicht decken. Unterm Strich kommt deshalb im Ergebnishaushalt ein Minus von 4,5 Millionen Euro heraus. Und das ist schon ein Erfolg, denn der Fehlbetrag konnte nach einem harten Sparkurs im Rathaus halbiert werden. Zunächst hatte da noch ein Minus von acht Millionen Euro gestanden. "Wir haben in den Abteilungen alles auf den Prüfstand gestellt", erklärte Bürgermeister Michael Müller (CSU) zum Haushaltsentwurf, der am Dienstag im Finanzausschuss vorgestellt und einstimmig befürwortet wurde, ehe er in den Stadtrat geht. Damit seien die Einsparungsmöglichkeiten aber "ausgelutscht".

Weil der finanzielle Spielraum klein ist, will sich die Stadt auf ihre Pflichtaufgaben konzentrieren. "Schulen und Kindergarten haben Vorrang", sagte Müller. Priorität haben deshalb der Bau der Kita Johann-Sebastian-Bach-Straße und die Sanierung der Mittelschule. "Für weitere Großprojekte sehe ich in den nächsten Jahren keine Möglichkeit."

Ein Puffer für die geplante S-Bahn

Trotz der bescheidenen Lage steht eine Kreditaufnahme nicht zur Debatte. Stattdessen sollen weiter konsequent Schulden abgebaut werden, um wieder flüssiger zu werden. Müller will damit vorbauen: Wenn eines Tages die S-Bahn kommt, soll ein finanzieller Puffer vorhanden sein, erklärte er.

Momentan sind die liquiden Mittel ziemlich weit unten. Ende des Jahres werden sie von 16 Millionen Euro auf 3,2 Millionen Euro geschrumpft sein. Rund 17 Millionen investiert Geretsried in Baumaßnahmen: 6,1 Millionen Euro für die Kita Johann-Sebastian-Bach-Straße, 600 000 Euro für die Aufstockung der Mittagsbetreuung der Grundschule Isardamm, 500 000 Euro für den Allwetterplatz an der Karl-Lederer-Schule, 400 000 Euro für die Erweiterung der Adalbert-Stifter-Mittelschule und 325 000 Euro für einen Radweg an der Hauptachse Nord-Süd. Weitere 1,5 Millionen Euro sollen für den "Grunderwerb Vorratsgelände" ausgegeben werden.

Im Ergebnishaushalt stehen Einnahmen durch Steuern und Zuschüsse in Höhe von 61,8 Millionen Euro Aufwendungen in Höhe von rund 66 Millionen Euro gegenüber. Die größten Posten davon: Die Kreisumlage beträgt knapp 19 Millionen Euro, die Personalkosten 10,5 Millionen Euro, die Kindergartenkosten zehn Millionen Euro. Der Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit und die Musikschule Geretsried erhalten Zuschüsse von je etwa 500 000 Euro.

Zwar erwartet die Stadt in den nächsten Jahren wieder steigende Einnahmen. Trotzdem sei die finanzielle Großwetterlage mit Vorsicht zu genießen, so der Bürgermeister, der schrumpfende Fördermittel seitens des Bunds, steigende Ausgaben bei Sozialaufwendungen und Asylunterbringung, dazu die Auswirkungen des Ukrainekriegs als Unsicherheitsfaktor aufzählte.

"Viele wollen nicht mehr Vollzeit arbeiten."

Zudem macht der Stadt der Fachkräftemangel zu schaffen. Dafür sei auch eine deutlich andere Einstellung der Bewerber zur Arbeit verantwortlich, stellte der Rathauschef fest. "Viele wollen nicht mehr Vollzeit arbeiten." Eine Möglichkeit, die dünner gewordene Personaldecke auszugleichen, sieht er im Ausbau der Digitalisierung im Rathaus. "Das ist der Weg." Doch bevor sich die erhofften Automatisierungsprozesse einstellten, "müssen wir erst mal kräftig in IT investieren". Und nicht nur in den Büros, auch im Bauhof fehlen Mitarbeiter. Da würde die angestrebte Digitalisierung wenig helfen, vermutete Volker Reeh (Geretsrieder Liste).

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: