Freiwillige Feuerwehr Icking Extremes Ereignis

Auf der Jahreshauptversammlung zog die Freiwillige Feuerwehr in Icking Bilanz. Die Löscharbeiten in der Reitschule werden sie so schnell nicht vergessen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das Inferno in der Ickinger Reitschule beschäftigt die Feuerwehr noch einmal auf ihrer Jahreshauptversammlung.

Von Susanne Hauck

Die Nacht, in der die alte Reitschule abbrannte, werden die Ickinger Feuerwehrleute wohl ihr Leben lang nicht vergessen. Gegen 2.45 Uhr am 23. Juli war der erste Alarm gegangen. Als die ersten Löschmannschaften am Isarweg eintrafen, stand das Anwesen, in dem Wohnungslose untergebracht waren, schon lichterloh in Flammen. Einsatzkräfte mit Atemschutzmasken wagten sich in das Gebäude, um nach Vermissten zu suchen. Wegen der großen Hitze kam es dann zu einer Rauchgas-Durchzündung mit schweren Explosionen, was die Löschversuche extrem gefährlich machte. Feuerwehren aus der gesamten Region eilten den Ickingern zu Hilfe, am Ende kämpften 180 Leute gegen das Inferno. Schreckliche Gewissheit am nächsten Tag: Zwei Bewohner hatten nicht rechtzeitig fliehen können, ihre Leichen wurden in dem verkohlten Gebäude gefunden.

Man muss sich noch einmal vor Augen halten, dass es Freiwillige waren, die in dieser Nacht alles gegeben haben, um andere zu retten und dabei auch ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten. Ihr selbstloser Einsatz wurde von allen Seiten gewürdigt. Nur von einem offenbar nicht: dem Besitzer der abgebrannten Reitschule, Johann Abfalter.

Der offizielle Teil der Jahreshauptversammlung der Ickinger Floriansjünger ist schon fast vorbei, da hebt Gemeinderätin Claudia Roederstein (UBI) die Hand. "Hat sich die Familie Abfalter eigentlich einmal bei euch gemeldet und sich erkenntlich gezeigt?", fragt sie nach. Überraschter Blickwechsel zwischen Kommandant Johannes Hirt und Vereinsvorsitzendem Marcel Hetzger. Dann schüttelt Hirt den Kopf: "Das müssen wir komplett verneinen." Roederstein spricht aus, was sich in dem Moment alle denken: "Ihr habt schließlich euer Leben riskiert, das hätte auch ganz anders für euch ausgehen können."

Im Einsatzprotokoll vom 23. Juli steht lakonisch "Zimmerbrand", was den Dimensionen des Großbrands nicht gerecht wird. Im Jahresbericht ziehen auf einer Leinwand noch einmal die Bilder der Katastrophe vorbei: immer wieder das Flammenmeer, das bis hinauf zum Himmel schlägt, tags darauf die bis auf die Außenmauern heruntergebrannte Ruine und die Gesichter von abgekämpften Feuerwehrleuten. Damit war die Sache nicht ausgestanden, mehrere Tage musste noch Brandwache gehalten werden, weil kokelnde Reste in der Ruine immer wieder zur Gefahr wurden. Schweigend schauen sich die 50 Anwesenden noch einmal die Ereignisse an. Doch über Einzelheiten will Kommandant Johannes Hirt "nicht mehr viele Worte verlieren". In einer Nachbesprechung im September habe die Feuerwehr den Einsatz schon ausführlich erörtert, sie möchte die Sache jetzt abschließen. Er sagt nur so viel: "Es war ein Ereignis, das uns extrem gefordert hat und wir hoffen, dass wir so etwas nicht noch einmal miterleben müssen." Nur etwas Positives kann Kommandant Johannes Hirt dem Großbrand abgewinnen: die Jugendfeuerwehr hat Unterstützung erhalten, denn das Ereignis hat ein Mädchen bewogen, beizutreten. Die 44 Einsätze im vergangenen Jahr sind für Kreisbrandinspektor Erich Zengerle angesichts der Größe der Gemeinde "nicht ohne" und wurden "mit Bravour" gemeistert.

Der Gemeinde Icking und ihren Bürgern nötigt der Mut und das überlegte Handeln der Einsatzkräfte "größten Respekt" ab. Das stellt Bürgermeisterin Margit Menrad noch einmal klar. "Unwahrscheinlich, was da abgelaufen ist." Unmittelbar mit Leid konfrontiert zu sein und gleichzeitig besonnen zu handeln, sei eine große Leistung. Sie habe von allen Augenzeugen nur lobende Worte vernommen, sogar Bewunderung. Die Nachbarn hätten Getränke und Essen für die entkräfteten Helfer und Betroffenen gebracht, um ihre Solidarität zu signalisieren. Auch würdigt Menrad die Koordination der vielen beteiligten Feuerwehren im Kampf gegen das Feuer. Die Bürgermeisterin will die "ordentliche Ausstattung" der Ickinger Feuerwehr unterstützen. Die entsprechenden Mittel seien im Haushalt vorgesehen. "Wir bleiben dran", versprach sie.