bedeckt München 17°
vgwortpixel

Erneuerbare Energien:Sonne statt Erdwärme

Ickinger Gemeinderat diskutiert über Photovoltaikanlage

Die Geothermieanlage auf Ickinger Flur ist bekanntlich Geschichte. Und eigentlich ist damit auch die Zukunft der Fläche klar: Sie soll wieder zurückgebaut und landwirtschaftlich genutzt werden. Eigentlich, denn so steht es vertraglich festgeschrieben. Nun aber gibt es eine andere Idee für die Nachnutzung, nämlich dort eine Photovoltaik-Freiflächenanlage zu installieren. Dieses Vorhaben aber spaltet derzeit noch den Ickinger Gemeinderat, wie in der jüngsten Sitzung am Donnerstag deutlich wurde.

Konkret geht es dabei nicht um jenes Grundstück bei Dorfen, auf dem das Geothermiekraftwerk stehen sollte, sondern um jene Fläche bei Walchstadt nahe der A 95, die ursprünglich für die Re-Injektion des Thermalwassers dienen sollte. Möglich sei dort eine Photovoltaik-Anlage, weil ihr Bau entlang von Autobahntrassen genehmigungsfähig sei, sagte Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI). Ein möglicher Investor sei schon gefunden, das Unternehmen Vispiron, das bereits in Penzberg und Eschenlohe solche Anlagen betreibt. Die Fläche bei Walchstadt ist etwa 21 000 Quadratmeter groß, wie Andreas Scharli von der Stiftung Energiewende Oberland erklärte, und könnte Platz bieten für etwa 5000 Module. Damit ließen sich etwa 1500 Kilowatt Leitung erzeugen - genug, um den Strombedarf von circa 600 Elektroautos zu decken und um etwa 1080 Tonnen CO2 einzusparen. Flächen würden damit nicht versiegelt. Doch auch wenn einige im Gemeinderat "große Sympathie" für diese Art der Nachnutzung zeigen, etwa Claudia Roederstein (UBI): Es hagelte auch Kritik. So war für Otto Güllich (Ickinger Initiative) nicht verständlich, warum für Photovoltaik nicht besser "Flächen, die bereits versiegelt sind, also Dächer" herangezogen würden. Er sage deshalb "nein, danke." Verena Reithmann (UBI) wollte es zwar für sich nicht abschließend ausschließen, aber "wie bei der Geothermie werden wir in die Größe getrieben". Schärfere Kritik kam von Vigdis Nipperdey (Ickinger Initiative): "Wir haben den Bürgern versprochen, wenn die Geothermie nicht funktioniert, wird zurückgebaut. Jetzt aber wird krampfhaft nach einer Nachnutzung gesucht." Sie warnte vor Salamitaktik: "Das ist die Tendenz, dort schleichend ein Industriezentrum zu etablieren." Josef Mock (UBI) missfiel, "dass wir Energie brauchen, aber nicht die Erzeugung vor der eigenen Haustüre wollen". Ihn störe eine solche Anlage an dieser Stelle nicht. "Wo gibt es denn einen besseren Platz?", fragte er.

Einen Beschluss fassten die Gemeinderäte nicht. Stattdessen wollen sie sich nun bei einem Ortstermin eine solche Anlage genauer ansehen.

© SZ vom 14.09.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite