Energiewende:Großes Potenzial auf den Dächern

Solarkataster gibt Auskunft, wie viel Strom und Wärme aus Sonnenenergie in Geretsried erzeugt werden könnten

Von Felicitas Amler, Geretsried

Das Potenzial, die Sonneneinstrahlung zur Erzeugung von Strom oder Wärme zu nutzen, ist in der Stadt Geretsried sehr groß. Auf dem Papier seien es 90 Prozent, ziehe man verschiedene Unwägbarkeiten ab, blieben gewiss noch 70 Prozent übrig, meinen der städtische Energieberater Stefan Mensch und der Sprecher der Leitbild-Gruppe Energie, Bernhard Spies. Die Stadt bietet auf ihren Internet-Seiten ein Solarkataster an, mit dessen Hilfe Hausbesitzer, ob privat oder gewerblich, prüfen können, ob ihr Gebäude für Fotovoltaik und Solarthermie geeignet ist. Die Karte der Geretsrieder Dachlandschaft zeigt es mit Farben. Bei der Fotovoltaik heißt Grün gut geeignet, Gelb geeignet, Orange bedingt und Rot nicht geeignet. Wer sich im Internet (www.geretsried.de/840/) in die Karte hineinklickt, kann individuelle Ergebnisse erstellen. Dazu muss er sich bei der Stadt identifizieren und bekommt dann ein Passwort.

Fürs Rathaus etwa erhält man folgende - rein theoretische - Auskunft: "Auf diesem Gebäude könnte beispielsweise eine 29,4 Quadratmeter große Photovoltaik-Anlage mit 4,5 Kilowatt-Peak installiert werden. Ein Drei-Personen-Haushalt würde hierdurch nach 20 Jahren einen Vorteil von ca. 11 100 Euro erwirtschaften. Dies entspricht einer Rendite von 7,9 Prozent." Theoretisch ist diese Einschätzung deswegen, weil das Rathaus eines der wenigen denkmalgeschützten Gebäude in Geretsried ist - und somit für Installationen auf dem Dach nicht in Frage kommt.

Ein ernsthafter Interessent kann sich eine Anlage konfigurieren. Dazu werden Parameter abgefragt wie der jährliche Energieverbrauch oder das "Lastprofil". Am Ende hat man eine komplette, als pdf-Datei dargestellte Übersicht, mit der man zu einem Fachbetrieb gehen kann, der die Anlage installiert. Im Umkreis von etwa 20 Kilometern gebe es nur eine Handvoll solcher Unternehmen, sagt Mensch, diese informiere die Stadt über das Solarkataster.

Die Energie-Leitbildgruppe wird sich noch einmal mit dem Angebot befassen, das auf den Mobilitätstagen der Stadt ausgestellt und im Stadtblatt veröffentlicht werden soll. Auch ein Handbuch zur Nutzung ist in Arbeit. Bürgermeister Michael Müller (CSU) würdigt die Leitbild-Gruppe, die den Anstoß zum Kataster gegeben hatte. Es sei ein Schritt auf dem Weg zur Energiewende: "Wir gehen diesen Weg in kleinen Schritten, aber in kontinuierlichen."

Die Daten für das Solarkataster stammen vom Vermessungsamt München und gehen auf das Jahr 2010 zurück. Die Eignung der Häuser für Solarnutzung sei mittels Laser-Scan vom Flugzeug aus ermittelt worden, so Mensch. Verschattungen und Dachflächenneigungen wurden berücksichtigt, Details wie Kamine oder Dachfenster nicht.

© SZ vom 07.03.2016
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