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Energiewende:Gegen Batteriespeicher auf Naturschutz-Areal

Tölzer Bauausschuss lehnt Projekt der Stadtwerke und des Autobauers Renault am "Katzenbuckel" am Stadtrand ab

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Der Platz ist nicht ohne triftigen Grund gewählt: Gleich neben der Umspannstation am Scharwinkel ganz im Süden von Bad Tölz wollen die Stadtwerke zusammen mit dem französischen Autobauer Renault drei große Batteriespeicher und eine Trafostation errichten. Die Container, die jeweils etwa 14 Meter lang und fast fünf Meter hoch sind, sollen dazu dienen, Spitzen im Stromverbrauch aufzufangen. Die Stadtwerke bauen die Batteriespeicherhüllen, Renault pachtet sie. Das Problem: Das Areal am sogenannten "Katzenbuckel" ist ein Naturdenkmal. Die Stadträte im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss lehnten das Vorhaben in ihrer Sitzung am Dienstagabend im Rathaus denn auch erst einmal ab.

Die Tölzer Stadtwerke erzeugen Strom ausschließlich aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus dem Isarkraftwerk am Tölzer Stausee, aber auch aus dem kleinen Kraftwerk Ellbach, aus Biomassekraftwerken und aus Photovoltaikanlagen. Um Schwankungen im Stromnetz, die sich durch diese umweltfreundliche Energieproduktion ergeben, ausgleichen zu können, sind kurzfristig verfügbare Kapazitäten nötig, sprich: Regelleistungen. Dazu dienen Batteriespeicher wie in den drei geplanten Containern am Umspannwerk. "Die Speicherung und Pufferung voranzutreiben, ist der einzig richtige Weg", sagte Zweiter Bürgermeister Michael Lindmair (FWG), der die Sitzung leitete.

Die Trafostation und die drei großen Behälter könnten das Naturdenkmal "Katzenbuckel" jedoch stark beeinträchtigen. Darauf wies Stadtbaumeister Florian Ernst hin. Das Projekt könnte "auf das Orts- und Landschaftsbild verunstaltend wirken", sagte er. Allerdings böten die Stadtwerke eine "intensive Eingrünung" an. Im Übrigen sei auch die Erschließung des Areals nicht ausreichend gesichert, genauer gesagt: die Zufahrt. Bauamtsleiter Christian Fürstberger rechnet damit, dass das Landratsamt dieses Projekt "sowieso nicht genehmigen wird, wenn wir es jetzt durchwinken".

CSU-Fraktionssprecher Rene Mühlberger tat sich mit der Meinungsbildung schwer. Ihm fehlten "Fakten zur Sinnhaftigkeit" des Vorhabens, die einen "tieferen Nährwert" lieferten, sagte er. Das Ganze sei gegenwärtig "nicht entscheidungsreif". Deshalb schlug er vor, dass die Stadtwerke "nochmals eine Runde drehen und eine Erörterung mit auf den Weg geben". Matthias Winter (CSU) gab zu bedenken, dass der Katzenbuckel nicht bloß ein Naturdenkmal sei, sondern "der Rodelberg schlechthin" in Tölz. Die Stadtwerke sollten ein alternatives Areal suchen, so Winter. Ablehnend äußerten sich auch Filiz Cetin (SPD) und Karsten Bauer (CSU). Josef Steigenberger (CSU) meinte, dass es sicher Möglichkeiten gebe, wie man die Anlage "baulich schöner gestalten kann".

Michael Lindmair zufolge gab es im Vorfeld keine Standortanalyse. Der Zweite Bürgermeister von Bad Tölz regte an, das Areal zwischen den beiden Eishallen am Sportpark auf der Flinthöhe zu untersuchen. Für ihn böte sich dort die alte Halle an, wo früher Öl gelagert worden sei. "Das ist aus meiner Sicht besser geeignet", sagte Lindmair.

© SZ vom 18.06.2020

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