Städtische Baumaßnahmen:Millionenprojekte für ein soziales Bad Tölz

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Auf einer Baustellen-Tour erläutern Bürgermeister Ingo Mehner, Stadtbaumeister Florian Ernst und Kämmerer Hermann Forster den Stand der Arbeiten am neuen Kindergarten, der Schulturnhalle, der Parkanlage Taubenloch und dem Mehrfamilienhaus an der Königsdorfer Straße

Von Klaus Schieder

Ein neuer Kindergarten für 100 Mädchen und Jungen, ein moderner Turnhallenbau für die Jahnschule, ein halb zugewachsener Park, der künftig mehr Aufenthaltsqualität bieten wird, ein Wohnhaus für bedürftige Familien: Die Bauprojekte, die Bad Tölz trotz der coronabedingten Einbußen im Haushalt stemmt, sind kein Luxus. "Damit investieren wir intensiv in Kinder, Bildung und Wohnen", sagt Bürgermeister Ingo Mehner (CSU). Auf einer Fahrradtour von Baustelle zu Baustelle stellte er zusammen mit Stadtbaumeister Florian Ernst und Kämmerer Hermann Forster den Stand der Projekte vor.

Neuer Kindergarten

Alles Holz - das ist der erste Eindruck, den der neue Kindergarten an der Jahnstraße vermittelt. Und der zweite: viel Glas. "Das schafft eine sehr freundliche Atmosphäre, sagt Stadtbaumeister Ernst. Wer das eingeschossige Gebäude in Holzmassivbauweise betritt, kommt durch einen Windfang zunächst in eine Wartezone für Eltern. An einem Zimmer für Technik und Lüftung vorbei schließen sich geradeaus nach Süden hin die Küche mit eigenem Eingang, vor allem aber der Speise- und der Mehrzweckraum an. Beide können durch eine Mobilwand getrennt oder vereint werden, sodass eine Art Aula entsteht, die etwa für Theateraufführungen oder andere Veranstaltungen genutzt werden kann. Durch zwei große Panoramafenster flutet viel Licht herein, ebenso wie schon im Entree für die Eltern. Draußen ist eine lange Terrasse unter einem Vordach zu sehen - "unsere Bobbycar-Bahn", wie Ernst scherzhaft sagt. Die Kinder können dort im Freien spielen, auch wenn es regnet. Die Form der Architektur sei "ein bäuerliches Zitat", so der Stadtbaumeister.

Zurück zum Eingang: Von dort folgen rechter Hand, nach Westen hin, vier Gruppenräume, die jeweils rund 50 Quadratmeter groß sind. Sie liegen vom Gang aus - nach den Toiletten - auf der linken Seite, jeweils getrennt durch eine schmale Garderobe, die auch als Schmutzfängerschleuse dient und in den Garten führt. Auf der rechten Seite reihen sich der Raum für die Kindergartenleitung, Sanitärraum, Therapieraum, Personalraum und andere Nebenräume aneinander. Einen Keller gibt es nicht.

Die Eröffnung des neuen Kindergartens ist im Spätsommer geplant. Die Einschreibung ist schon passé. Die 100 Plätze seien "komplett ausgebucht", teilt Stadtkämmerer Hermann Forster mit. Die Kinderland Weyarn GmbH als künftiger Betreiber werde im Herbst daher die Interimsgruppe im ehemaligen Gebäude der Lebenshilfe wohl erst einmal weiterführen. Auch in Zukunft sieht Forster keine Schwierigkeiten, den neuen Kindergarten zu füllen. "Wir sind ja Zuzugsregion, da ist es kein Problem, dass wir ihn vollkriegen." Die Kosten belaufen sich auf 4,4 Millionen Euro, die Stadt erhält dafür Fördermittel in Höhe von 1,98 Millionen Euro. Eine Besonderheit ist Mehner zufolge, dass der Neubau mit dem vom Landkreis betriebenen Nahwärmenetz der Realschule verbunden wird.

Neue Turnhalle

Gleich neben dem Kindergarten sind bereits 6700 Kubikmeter Erde ausgehoben. So tief ist die Baugrube für den neuen Komplex mit Einfachturnhalle, Mensa, Klassenzimmern und dem Proberaum für die Stadtkapelle an der Jahnschule. Bis zum Winter will die Stadt den Hybridbau aus Holz und Betonelementen dicht bekommen, um drinnen weiter arbeiten zu können. Die Eröffnung ist vermutlich im Oktober 2022. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 11,2 Millionen Euro, die Fördermittel auf 4,16 Millionen. Den Probenraum für die Stadtkapelle muss die Stadt weitgehend selbst finanzieren, für die Kosten von 1,4 Millionen Euro gibt es nur 50 000 Euro Zuschuss. Und auch der Abriss der alten Schulgebäude war nicht ganz billig. Er kam auf rund 1,5 Millionen Euro. "Es waren einige Bausünden in den Gebäuden", sagt Ernst. Der Abbruch ist allerdings nicht beendet: Zwei alte Punkthäuser stehen noch. Dort findet weiterhin Unterricht statt, ebenso die Mittagsbetreuung.

Parkanlage Taubenloch

Der umgestaltete Park an der Isar wird Bürgermeister Mehner zufolge an Ostern eröffnet. Aber das "Taubenloch", wie der rund 4800 Quadratmeter große Garten mit seinem 600 Quadratmeter kleinen Spielplatz im Tölzer Volksmund heißt, ist schon seit Tagen bevölkert: Etliche Besucher, die sich durch den Bauzaun am Parkplatz Kolbergarten gequetscht hatten, genossen in den vergangenen Tagen auf den neuen Sitzstufen am Ufer die ersten warmen Frühlingstage. "Illegalerweise", wie Ernst sagt. Aber sei's drum. Der zentrumsnahe Park mit nun freiem Blick auf den Blomberg und die Abendsonne, mit modernem Mobiliar und hergerichteten Wegen sei "wahre Förderung des Einzelhandels", sagt Forster. "Das ist Aufenthaltsqualität."

In den alten Linden fanden zuletzt noch Baumschneidearbeiten statt, um das Totholz nach dem Winter zu entfernen, die Grünflächen sind angesät und durch Absperrbänder gesichert. Aber ansonsten ist alles fertig: Der Spielplatz hat drei zusätzliche Geräte bekommen, an den Wegen wurden neue Laternenmasten installiert, mit moderner Technik, aber nostalgischer Optik, die Treppenanlage hinauf zur Fröhlichgasse wurde saniert. Neu sind auch die Parkbänke aus Lärchenholz, die künftig nicht bloß im Taubenloch, sondern überall in Tölz aufgestellt werden sollen - vom Bürgergarten bis zu den Klostergärten.

Die Neugestaltung kommt auf 1,24 Millionen Euro, davon zahlt der Freistaat 678 000 Euro Fördermittel. Ein wenig Sorgen macht man sich im Rathaus, dass der Park trotz Alkoholverbots zu einer Partymeile werden könnte. Deshalb wird die Stadt ihren Sicherheitsdienst einsetzen, der dort nach dem Rechten sehen soll. "Ich will, wenn Leute über die Stränge schlagen, eingreifen können", sagt Mehner.

Wohnhaus für Bedürftige

Als die Stadt die Baugrube für das neue Mehrfamilienhaus an der Königsdorfer Straße aushub, fand man im Boden einen weißen Monolithen aus der Eiszeit. Der ziert nun den Eingang des Taubenlochs, während auf dem Areal, wo sich früher das Holzner-Haus befand, ein dreigeschossiges Wohnhaus in Holzbauweise entstanden ist. Dort werden Familien im Herbst einziehen, die sich die teuren Mieten auf dem Tölzer Immobilienmarkt nicht leisten können. Für die neun Wohnungen - sechs mit je knapp 90 Quadratmetern, drei mit je rund 75 Quadratmetern - verlangt die Stadt eine gestaffelte Miete von 7,50 bis 9,50 Euro pro Quadratmeter, je nach Größe der Familie und Alter der Kinder. Alle davon seien schon vergeben, sagte Birte Otterbach, Pressesprecherin der Stadt. Und zwar über die entsprechende Warteliste im Liegenschaftsamt der Stadt.

In dem Neubau ist eine Pellets-Heizung vorgesehen, die auch das Nebengebäude mitversorgt, das ebenfalls der Stadt gehört. Zu dieser Seite hin soll es einen Garten geben, wo sich die Familien treffen können. Die Wohnungen mit Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmern, eigener Küche und Bad haben einen Nischenbalkon wie eine Art offener Wintergarten. Sie seien "von hoher architektonischer Qualität", betont Ernst. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 3,8 Millionen Euro, davon erhält die Stadt 1,5 Millionen an Fördermitteln. Für Bürgermeister Mehner ist dies "nicht das letzte Projekt" im sozialen Wohnbauprogramm der Stadt. Das nächste sei an der Arzbacher Straße geplant, sagt er.

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